Zehn Windräder im Perlacher Forst ?

Bislang gibt es auf Münchner Stadtgebiet nur zwei Windräder mit zusammen 5 MW Leistung.

Das zweite Münchner Windrad in Freimann. Mit einer Nabenhöhe von 80m und einem Durchmesser von 138m hat es eine Leistung von 3,5 MW und erzeugt pro Jahr ca. 7 Mio kWh Strom. Das reicht für etwa 2800 Haushalte. (Quelle: SWM, Bild: Flocci Nivis, Wikipedia Commons)

Während die Nutzung der Solarenergie in München inzwischen Fahrt aufgenommen hat, sind gegenwärtig keine weiteren Windkraftanlagen in Planung. Warum sich das jedoch bald ändern könnte, wurde am vergangenen Mittwoch im Stadtplanungsausschuss besprochen.

Die Stadtwerke München werben damit, dass sie schon 2025 soviel Ökostrom erzeugen, wie ganz München verbraucht. Allerdings ist das eine bilanzielle Betrachtung: Die SWM speisen z.B. mit ihren Windkraftanlagen in der Nordsee soviel Strom ins Europäische Verbundnetz ein, wie in München benötigt wird. Wegen des mangelnden Netzausbaus kommt davon nur ein kleiner Teil vor Ort an. Der hier tatsächlich verbrauchte Strom stammt daher an einem grauen Sonntag Mitte März noch fast zur Hälfte aus fossilen Brennstoffen:

Stromquellen in München am 16. März 2025, 13 Uhr, (Quelle: App des Bayernwerk).

An einem Werktag mit größerem Stromverbrauch ist der Anteil der fossilen Stromerzeugung noch deutlich höher. In weiten Teilen Bayerns sieht es nicht besser aus.

Damit das nicht so bleibt, haben der Freistaat und die Bundesregierung mit dem Landesentwicklungsprogramm bzw. dem Windenergieflächenbedarfsgesetz in 2023 Folgendes festgelegt: Die Raumplanungsverbände in Bayern müssen bis 2027 mindestens 1,1% und bis 2032 mindestens 1,8% ihrer Fläche als Windenergiegebiet ausweisen. Dort können dann Windräder mit einem stark vereinfachten Genehmigungsverfahren errichtet werden.

Zusammen mit der Landeshauptstadt wird der Raumplanungsverband München (RPV) von den acht umgebenden Landkreisen gebildet. Der RPV hat ein Beteiligungsverfahren gestartet, um in gründlicher Abstimmung mit allen Gemeinden die erforderlichen Flächen für die Windenergie auszuweisen. Dieser Prozess läuft noch. Seit November 2024 liegt eine 1. Fortschreibung der ursprünglichen Pläne vor, in der sich folgende Karte findet:

Aktueller Stand der Planung für Gebiete zur Windenergienutzung (rot schraffiert) in und um München. Die vollständige Karte des RPV kann man hier herunterladen.

Wenig überraschend liegen im dicht bebauten Münchner Stadtgebiet kaum rot schraffierte Flächen. Im Umland, insbesondere südlich von München, sieht das anders aus. So sind insbesondere im Forstenrieder Park und im Perlacher Forst mehrere große Gebiete zu erkennen (WE04 und WE25), die der RPV als geeignet für die Errichtung von Windkraftanlagen betrachtet.

In einer Vorlage des Planungsreferats für die Ausschusssitzung am vergangenen Mittwoch hat die Stadtverwaltung ihre Sicht zum Stand der Planungen des RPV dargelegt. Darin wird sowohl die vorgeschlagene Ausweisung von großen Flächen westlich des Isartals im Forstenrieder Park begrüßt wie auch im Perlacher Forst. Dort wird einem Gebiet für die Errichtung von bis zu zehn Windrädern zugestimmt. Bereits in einem früheren Gutachten des Landkreises München wurde die grundsätzliche Eignung des Perlacher Forstes untersucht. Im Ergebnis wurde angeregt, die Anlagen in einer Nord-Südrichtung hintereinander aufzustellen, um den Ausblick auf die Alpen so wenig wie möglich zu behindern. Dabei wird von modernen Windrädern ausgegangen, die jeweils eine Gesamthöhe von über 250m (!) haben. Das ist mehr als doppelt so hoch wie die Türme der Frauenkirche.

Dieser Teil der Stellungnahme ist im Ausschuss parteiübergreifend auf Zustimmung gestoßen. Das fand ich überraschend, wie auch die Beobachtung, dass sich die Münchner Bezirksausschüsse der Stadtteile, die unmittelbar neben den zukünftigen Windrädern liegen, bislang zu diesem Vorgang noch gar nicht geäußert haben.

Umstritten war im Ausschuss nur der Vorschlag des Stadtplanungsreferats an der nordöstlichen Stadtgrenze zu Aschheim zusätzlich ein kleineres Gebiet für die Windenergie auszuweisen. Der RPV enthält in seinem aktuellen Entwurf dieses Gebiet nicht – wohl aufgrund von Bedenken der Gemeinde Aschheim.

Mehrere Stadträte der CSU sprachen sich gegen diesen Ergänzungsvorschlag aus, da die Windräder dort in einem Landschaftsschutzgebiet stehen würden, was ein Widerspruch sei. Schutzzweck eines Landschaftsschutzgebietes sei insbesondere der Erhalt des Landschaftsbildes, das durch Windräder stark beeinträchtigt werde. Vertreter der Verwaltung haben versucht, diesen Widerspruch zu erklären: Bereits das Bundesnaturschutzgesetz sieht in § 26 Abs. 3 explizit vor, dass Windkraftanlagen auch in Landschaftsschutzgebieten errichtet werden können. Der Gesetzgeber hat damit den Zielkonflikt zwischen Erhalt des Landschaftsbildes und Förderung der Windenergie bereits entschieden.

Der Ausbau der Windenergie in und um München herum rückt damit näher. Was für manche bislang eine abstrakte politische Forderung gewesen ist („mehr Windkraft in Bayern!“ ), verwirklicht sich möglicherweise in den nächsten Jahren in der unmittelbaren Nachbarschaft. Das bekannte Münchner Panorama

Winterlicher Blick vom Olympiaberg aus zu den Alpen (Quelle: Wikimedia Commons)

wird mittelfristig so nicht erhalten bleiben. Ich vermute, dass spätestens, wenn die Pläne für Windräder im Forstenrieder Park und im Perlacher Forst konkreter werden, es erhebliche Widerstände geben wird.

Nur, was wäre die Alternative, wenn der Klimawandel zumindest so gebremst werden soll, dass (wie im Bild oben) auch in einigen Jahrzehnten noch Schnee auf den Münchner Bergen liegt? Ohne den Bau von Windrädern auch und gerade im Industrieland Bayern wird die Energiewende kaum gelingen. Und wenn die aktuell von der Staatsregierung stark geförderte Kernfusion irgendwann tatsächlich funktionieren sollte, sind die Windräder schnell wieder abgebaut.

Nachtrag vom 20. März

Offensichtlich haben sich die oben erläuterten Pläne doch schon rumgesprochen, wie die folgende Aufnahme einer Sitzbank im Perlacher Forst zeigt:

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