Wärmeplanung für München

Lange ist sie erwartet worden, die Wärmeplanung der Stadt München. Leider war ich bei der Ausschusssitzung am vergangenen Dienstag verhindert und konnte die Debatte der Stadträtinnen und Stadträte nur in der Presse verfolgen. Im Folgenden werde ich einige Aspekte dieses schwierigen Themas anhand der umfangreichen Vorlage der Verwaltung und des verabschiedeten Stadtratsbeschlusses erläutern. Vielleicht gelingt es mir damit, einen Beitrag zur Versachlichung einer aufgeheizten Debatte zu leisten und gleichzeitig zu erklären, was auf viele Hauseigentümer und Mieter in München in den nächsten Jahren zukommt.

Warum braucht es überhaupt eine Wärmeplanung ? Schließlich musste doch in den letzten Jahren niemand frieren, nicht einmal im Winter 22/23, als kein russisches Gas mehr zur Verfügung stand.

Die Antwort findet sich in diesen Zahlen des Umweltbundesamtes:

Durchschnittlicher CO2-Ausstoß jeder in Deutschland lebenden Person. Wer seinen individuellen Beitrag genauer abschätzen möchte, findet hier den CO2-Rechner des Umweltbundesamts

Von den durchschnittlich 10,35 Tonnen CO2, die jeder in Deutschland pro Jahr verursacht, gehen 2,33 Tonnen bzw. 23% auf den Bereich Wohnen zurück und damit im Wesentlichen auf die Beheizung der eigenen vier Wände. Wenn die CO2-Emissionen in Deutschland erheblich verringert oder sogar auf Null gebracht werden sollen, muss sich die Art, wie wir heizen, völlig verändern. Jede private Gas- und Ölheizung muss früher oder später ebenso stillgelegt werden wie jede Anlage der Fernwärme, die fossile Brennstoffe verwendet. Streiten kann man darüber, wie schnell diese „Wärmewende“ erfolgen soll und wie die Kosten zu verteilen sind. Die Notwendigkeit an sich lässt sich nicht ernsthaft in Frage stellen.

Die Wärmewende ist eine Riesenaufgabe, an die sich über Jahre hinweg keine Regierung herangetraut hat, weder auf Bundesebene noch im Freistaat. Erst die Ampelregierung hat nach dem Abklingen der durch Russland verursachten Energiekrise im Frühjahr 2023 das Thema in Angriff genommen und nach langer, streitiger Diskussion zwei Gesetze dazu verabschiedet:

  • Das sogenannte Wärmeplanungsgesetz verpflichtet Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern bis Ende 2026 eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen, die unter anderem „die Einteilung des beplanten Gebiets in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete“ umfasst, d.h. Gebiete, in denen Fernwärme zur Verfügung steht.

Eine [neue] Heizungsanlage darf zum Zweck der Inbetriebnahme in einem Gebäude nur eingebaut oder aufgestellt werden, wenn sie mindestens 65 Prozent der mit der Anlage bereitgestellten Wärme mit erneuerbaren Energien [….] erzeugt.

Die Anforderungen […] gelten für die folgenden Anlagen […] als erfüllt, […]: Hausübergabestation zum Anschluss an ein Wärmenetz [….]

Grundsätzlich ist auch der Einbau einer neuen Gasheizung möglich, die auch mit Wasserstoff betrieben werden kann:

Bis zum Anschluss an ein Wasserstoffnetz kann eine Heizungsanlage, die Erdgas verbrennen kann und auf die Verbrennung von 100 Prozent Wasserstoff umrüstbar ist, zum Zweck der Inbetriebnahme eingebaut […] werden, wenn das Gebäude in einem Gebiet liegt, für das [die Stadt] unter Berücksichtigung eines Wärmeplans, […], eine Entscheidung über die Ausweisung als Wasserstoffnetzausbaugebiet getroffen hat.“

Damit wird klar, welche Bedeutung die kommunale Wärmeplanung für jeden Haushalt in München hat. Denn sie legt fest, wo ein Wärmenetz (= Fernwärme) in Zukunft vorhanden ist und wo Wasserstoff zum Heizen zur Verfügung steht. Wer bereits an die Fernwärme angeschlossen ist oder diese Möglichkeit in Zukunft bekommt, ist fein raus. Alle anderen müssen sich früher oder später intensiv mit der Frage beschäftigen, wie sie zu mindestens 65% regenerativ heizen können.

Wie sieht nun die Wärmeplanung der Stadt München aus? Dazu zwei wichtige Punkte vorab:

Zum einen ist die aktuelle Vorlage der Verwaltung nicht die fertige Wärmeplanung für München. Ganz im Gegenteil. So heißt es gleich am Anfang auf Seite 3:

Die Wärmeplanung [gemäß der Vorlage] ist die Basis für die Beteiligung der Öffentlichkeit […]. Der Wärmeplan wird vom Stadtrat endgültig verabschiedet und veröffentlicht, sobald die Ergebnisse aus der Beteiligung vorliegen und Eingang in die kommunale Wärmeplanung gefunden haben.

In einer Vielzahl von öffentlichen Veranstaltungen (z.B. hier) werden ab jetzt die Planungen der Stadt diskutiert. Laut Punkt 3 des oben erwähnten Beschlusses soll der finale Wärmeplan danach dem Stadtrat zur Verabschiedung vorgelegt werden. Wer beispielsweise mit der unten gezeigten Karte zum zukünftigen Fernwärmenetz der Stadtwerke nicht einverstanden ist, sollte jetzt aktiv werden und seinen zuständigen Bezirksausschuss oder ein Mitglied des Stadtrates kontaktieren.

Zum anderen lässt sich schon jetzt festhalten, dass es aller Voraussicht nach in München kein Wasserstoffnetz geben wird, vgl. S. 18 der Vorlage:

Keine Rolle spielen in München dagegen nach aktueller Einschätzung
Wasserstoffnetzgebiete […]. Wie bereits in der Studie „Klimaneutrale Wärme München 2035“ ausführlich erläutert, liegen die Gründe dafür im Wesentlichen in der mangelnden Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff bzw. den hohen Kosten für einen Einsatz im Gasverteilnetz (Niederdruck).“

Damit scheidet diese Alternative aus. Sofern grüner Wasserstoff tatsächlich in größeren Mengen verfügbar ist, wird er in den Heizkraftwerken der Stadtwerke zur regenerativen Erzeugung von Fernwärme und Strom zum Einsatz kommen (vgl. auch dazu Seite 18 der Vorlage).

Im Ergebnis kommt es für das Heizen der eigenen vier Wände entscheidend darauf an, ob ein Anschluss an die Fernwärme in Zukunft möglich ist. Die vorläufigen Pläne dazu sehen so aus:

Karte mit der vorläufigen Wärmeplanung für München
(Quelle: Vereinfachung von S. 19 der Vorlage)

Wer genauer erkennen will, ob ein Gebäude aktuell oder in Zukunft im Fernwärmebereich liegt, sollte einen Blick in das Geoportal der Stadt München werfen, wo diese Information demnächst bereitgestellt wird .

Die obige Karte zeigt mit einer Vielzahl weiterer Farben an, welche Art von Wärmeversorgung in Stadtgebieten geplant ist, die nicht durch Fernwärme erschlossen werden. Dabei kommen beispielsweise Grundwasserwärmepumpen in Betracht, die kleine Wärmenetze versorgen. Hier ist allerdings noch vieles unklar. Insbesondere fallen die zahlreichen hellblau gefärbten Bereiche der Karte auf. Damit werden Gebiete markiert, für die es noch gar keine Pläne gibt. Das ist auch den Stadträtinnen und Stadträten aufgefallen. Im Beschluss wird daher die Verwaltung aufgefordert zu prüfen, wie genau dort ein beschleunigter Umstieg auf regenerative Heizungen (d.h. in aller Regel Wärmepumpen) zusätzlich finanziell gefördert werden kann.

In jedem Fall kommen auf Haushalte, die auch in in Zukunft keinen Fernwärmeanschluss bekommen, erhebliche Investitionen zu. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Nettokosten für den geförderten Austausch einer kleinen Gasheizung gegen eine Luftwärmepumpe in 2023 bei 25.000 EUR lagen. Dazu kommt mindestens eine Woche lang Dreck, Lärm und Wasser im Haus, wenn Kellerwände durchbohrt und Heizkörper ertüchtigt werden müssen.

Und was ist mit den Mietern? Hier gilt § 559e des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach beim Austausch einer Heizungsanlage 10% der Kosten auf die Miete umgelegt werden können, maximal 0,50 EUR pro Quadratmeter. Bei einer 100 qm Wohnung wären das bis zu 50 EUR pro Monat. Zwar kann der Heizungstausch zu niedrigeren Nebenkosten führen, wenn die Stromkosten für eine effiziente Wärmepumpe geringer sind als die Kosten für Gas. Ob das allerdings immer der Fall ist, darf durchaus bezweifelt werden. Der Stadtratsbeschluss enthält daher auch eine Aufforderung an die Verwaltung

sich gegenüber der Bundesregierung insb. dafür einzusetzen, dass die Modernisierungsumlage warmmieten-neutral ist. Die Kosten der Modernisierung dürfen nur so weit auf Mieter*innen umgelegt werden, wie diese bei den Energiekosten sparen.“

Im Ergebnis verlangt die Wärmewende in München eine große Kraftanstrengung. Von der Verwaltung und den Stadtwerken bei der Planung und Umsetzung des Ausbaus der Fernwärme, von vielen Eigentümern bei der Finanzierung und Organisation des Umstiegs auf regenerative Heizungsenergie und von den Mietern, die vieles davon bezahlen und den Umbau ertragen müssen.

Gibt es eine Alternative? Ich glaube nicht.

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