{"id":830,"date":"2021-01-30T23:26:24","date_gmt":"2021-01-30T23:26:24","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=830"},"modified":"2021-02-04T11:08:39","modified_gmt":"2021-02-04T11:08:39","slug":"die-aktuelle-corona-lage-der-stadt-fehlender-impfstoff-und-fehlende-flexibilitaet-staatlichen-handelns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=830","title":{"rendered":"Die aktuelle Corona-Lage der Stadt:  Fehlender Impfstoff und fehlende Flexibilit\u00e4t staatlichen Handelns"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieder einmal sind die Beratungen zum Thema Corona des Stadtrats ein Anlass f\u00fcr mich, Informationen und Gedanken zur aktuellen Situation in M\u00fcnchen zusammenzustellen. Um es kurz vorab zu sagen: Nach einem Jahr der Pandemie liegt das Maximum der zweiten Welle hoffentlich hinter uns, denn viele Kennzahlen sinken. Hingegen k\u00f6nnte die Lernkurve, wie man Risiken durch Corona wirksam verringern kann, noch ansteigen, nicht nur auf Bundes-  und Landesebene, sondern auch bei der Verwaltung der Stadt M\u00fcnchen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die nachfolgende Darstellung orientiert sich am Vortrag des Leiters der Branddirektion Wolfgang Sch\u00e4uble und der nachfolgenden Diskussion im Stadtrat in der Vollversammlung am vergangenen Mittwoch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.  Die Inzidenz <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Verlauf der Inzidenz in M\u00fcnchen zeigt dieses Bild:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"534\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-6-1024x534.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-836\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-6-1024x534.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-6-300x156.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-6-768x400.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-6.png 1303w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Verlauf der 7-Tage Inzidenz in M\u00fcnchen seit Beginn der Pandemie. Die Schl\u00f6sser zeigen die verschiedenen Stufen des Lockdowns in der zweiten Welle (Quelle: Pr\u00e4sentation von Wolfgang Sch\u00e4uble)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle Inzidenz (&lt;70) ist inzwischen <strong>niedriger<\/strong> als in der Spitze der ersten Welle (~100). Ihr R\u00fcckgang um zwei Drittel innerhalb eines Monats ist in etwa genauso stark wie im April. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Die Situation in den Kliniken M\u00fcnchens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier zeigt sich eine positive Entwicklung, vgl. das Diagramm, das Herr Sch\u00e4uble in seinem Vortrag<strong> <\/strong>gezeigt hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"585\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-7-1024x585.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-838\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-7-1024x585.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-7-300x171.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-7-768x439.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-7.png 1319w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Belegung der Normalstationen (gelb) und Intensivstationen (rot) M\u00fcnchner Krankenh\u00e4user mit Corona-Patienten. Die tagesaktuellen Werte findet man <a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtinfos\/Coronavirus-Fallzahlen.html#Inzidenz\">hier<\/a>. <em>(Quelle: Pr\u00e4sentation von Wolfgang Sch\u00e4uble)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den Normalstationen ist die Belegung mit Corona-Patienten seit Weihnachten um mehr als die H\u00e4lfte zur\u00fcckgegangen. Auf den Intensivstationen sinken die Zahlen etwas langsamer, von in der Spitze ca. 180 auf jetzt unter 100. Das liegt immer noch weit \u00fcber den Zahlen aus der ersten Welle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3.  Todesf\u00e4lle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine klaren Daten gibt es zum zeitlichen Verlauf der am Coronavirus verstorbenen M\u00fcnchner. Zwar werden seit einigen Tagen <a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtinfos\/Coronavirus-Fallzahlen.html#Tageswerte\">hier<\/a> Zahlen ver\u00f6ffentlicht. Auf Nachfrage in der Vollversammlung hat die Leiterin des Gesundheitsreferats, Beatrix Zurek, aber auf gro\u00dfe Unsicherheiten und Verz\u00f6gerungen bei diesen Angaben verwiesen. Ein R\u00fcckgang der Mortalit\u00e4t ist jedenfalls (noch) nicht zu erkennen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>Altersverteilung<\/strong> der bislang etwa <strong>800 Todesf\u00e4lle<\/strong> war nicht Gegenstand der Pr\u00e4sentation im Stadtrat. Allerdings findet man diese Information auf muenchen.de. Hier die aktuelle Grafik:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-8-2-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-843\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-8-2-1024x683.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-8-2-300x200.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-8-2-768x512.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-29-8-2.png 1171w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption><em>Die Altersverteilung der an Corona verstorbenen M\u00fcnchner und M\u00fcnchnerinnen zeigt die extreme Altersabh\u00e4ngigkeit des Corona-Risikos: <strong>60% aller Opfer sind \u00fcber 80 und nur etwa 5% unter 60<\/strong>.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Daten erscheinen mir wichtig &#8211; insbesondere zur Einordnung der weiteren Diskussion in der Vollversammlung (siehe unten unter 6.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4.   Kontaktnachverfolgung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen hat die Stadtverwaltung ein <strong>Team aus mehr als 400 Personen zur Kontaktnachverfolgung<\/strong> aufgebaut, darunter 148 Soldaten der Bundeswehr. Wie Herr Sch\u00e4uble ausgef\u00fchrt hat, ist damit der angestrebte Schl\u00fcssel von 5 Mitarbeitern pro 20.000 Einwohner erreicht und das Team voll einsatzf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider gab es keine Aussage dar\u00fcber, ob mit diesem Team vielleicht jetzt schon, bei einer Inzidenz von etwa 70, die Nachverfolgung gelingt. Auch vom Stadtrat wurde diese Frage nicht gestellt. Eine 7-Tage Inzidenz von 70 f\u00fchrt in M\u00fcnchen zu etwa 150 Neuinfektionen pro Tag. Das bedeutet, dass 2-3 Mitarbeiter einen Tag lang Zeit haben, um alle Kontakte eines Coronafalls zu erreichen und gegebenenfalls unter Quarant\u00e4ne zu stellen. Das sollte zu schaffen sein, vorausgesetzt, der\/die Infizierte kann (und will) sich an alle Kontakte erinnern. Diese Voraussetzung h\u00e4ngt allerdings nicht von der Inzidenz ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. Impfungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/C\/Coronavirus\/Verordnungen\/CoronaImpfV_-_De_Buette.pdf\">Impfverordnung<\/a> des Bundesgesundheitsministeriums definiert drei Gruppen erh\u00f6hter Priorit\u00e4t f\u00fcr das Impfen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"544\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-30-2-1024x544.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-846\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-30-2-1024x544.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-30-2-300x159.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-30-2-768x408.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-30-2-1536x816.png 1536w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-30-2.png 1609w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Priorisierung beim Impfen (vereinfachte Darstellung auf den <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/themen\/corona-informationen-impfung\/corona-impfverordnung-1829940\">Seiten des Bundesgesundheitsministeriums<\/a>). Zur Gruppe 1 geh\u00f6ren auch die Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Priorisierung geht auf die Empfehlungen der st\u00e4ndigen Impfkommission (STIKO) zur\u00fcck. Ihre Begr\u00fcndung daf\u00fcr ist ein lesenswertes Dokument mit einer <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Infekt\/EpidBull\/Archiv\/2021\/Ausgaben\/05_21.pdf?__blob=publicationFile\">Gesamtdarstellung aller aktuellen Erkenntnisse \u00fcber COVID 19<\/a>, einschlie\u00dflich der zugelassenen Impfstoffe.  Anders als viele Corona-Ma\u00dfnahmen ber\u00fccksichtigen die Empfehlungen der STIKO die extreme Altersabh\u00e4ngigkeit des Risikos (vgl. die Abbildung oben). Zus\u00e4tzlich hat das bayrische Gesundheitsministerium festgelegt, dass innerhalb der Gruppe 1 Impfungen vorrangig in Pflegeheimen stattfinden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut Herrn Sch\u00e4uble <strong>fallen in die Priorit\u00e4tsgruppe 1 in M\u00fcnchen bereits 120.000 Personen, von denen bislang nur etwa 10% geimpft werden konnten<\/strong>.  Warum ist das so? Gr\u00f6\u00dftes Problem ist nat\u00fcrlich der fehlende Impfstoff. Gegenw\u00e4rtig k\u00f6nnen aufgrund der Liefersituation nur etwa 1000 Personen pro Tag geimpft werden. Die bereits vorhandenen Impfzentren M\u00fcnchens sind auf 40.000 Impfungen pro Tag ausgelegt und auch diese Zahl k\u00f6nnte &#8211; wenn genug Impfstoff vorhanden w\u00e4re &#8211; noch gesteigert werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch die Logistik der Impfstoffverteilung durch den Freistaat ist problematisch. So wird beispielsweise der Moderna-Impfstoff in einem Zustand vom Freistaat geliefert, der &#8211; zur Vermeidung von Ersch\u00fctterungen &#8211; innerhalb der Stadt keinen weiteren Transport zul\u00e4sst, was die Versorgung der Altenheime mit diesem Impfstoff quasi unm\u00f6glich macht. Die Verteilung der Impfdosen in Bayern ist nach Aussage von Herrn Sch\u00e4uble bislang auf den l\u00e4ndlichen Raum ausgerichtet und muss f\u00fcr M\u00fcnchen (und andere Gro\u00dfst\u00e4dte) noch angepasst werden. Entsprechende Gespr\u00e4che mit dem bayrischen Gesundheitsministerium sind im Gange.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider war nicht zu erfahren, ab wann mit einer Durchimpfung der Altenheime der Stadt zu rechnen ist. F\u00fcr die weitere Strategie, insbesondere beim Testen, w\u00e4re das eine wesentliche Information (siehe n\u00e4chster Abschnitt).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <strong>6.  M\u00fcnchens Teststrategie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der geltenden <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/BayIfSMV_11-9\">11. Bayrischen Infektionsschutzverordnung<\/a> muss das Personal von station\u00e4ren und ambulanten Pflegeeinrichtungen sich &#8222;<em>mindestens an drei verschiedenen Tagen pro Woche<\/em>&#8220; einem Test unterziehen. Im Dezember hat die M\u00fcnchner CSU-Fraktion beantragt, diese Testpflicht in M\u00fcnchen auf ein <strong>t\u00e4gliches Testen<\/strong> auszudehnen. In der Vollversammlung wurde der Antrag vom stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Prof. Theiss in einer engagierten Rede mit dem gro\u00dfen Infektions- und Sterberisiko der hochbetagten Heimbewohner begr\u00fcndet. Ziel aller Ma\u00dfnahmen m\u00fcsse es sein, die Mortalit\u00e4t von Corona in M\u00fcnchen so schnell wie m\u00f6glich zu senken. Die Stadt \u00fcbertreffe auch in vielen anderen Bereichen der sozialen F\u00fcrsorge die Vorgaben des Freistaates und man k\u00f6nne sich nicht auf die Mindestanforderungen der geltenden Infektionsschutzverordnung zur\u00fcckziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. Theiss &#8211; als Mediziner vom Fach &#8211; hat dazu bereits Anfang Dezember einen lauten &#8222;Wutausbruch&#8220; in den sozialen Medien an seinen Parteifreund Markus S\u00f6der gerichtet: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<em>Ich habe bisher aus parteiinterner Loyalit\u00e4t geschwiegen, aber was zu viel ist, ist zu viel. Bei allem Respekt vor Amt und Person &#8211; im Kampf gegen Corona brauchen wir weniger Herrenchiemsee und mehr Ehrlichkeit bzw. politische Treffsicherheit.<\/em> [&#8230;&#8230;] <em>Hier <\/em>[in den Heimen]<em> gibt es bis jetzt keine schl\u00fcssigen Sicherheits- und Testkonzepte. Ab heute zweimal Mitarbeitertesten pro Woche kann doch nicht unser Ernst und nicht alles sein<\/em>.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider ist er damit nicht durchgedrungen, denn die geforderten schl\u00fcssigen Sicherheitskonzepte gibt es in Bayern weiterhin nicht. Zwar muss inzwischen dreimal pro Woche getestet werden, aber die Vorschrift verlangt nicht einmal, dass diese Tests gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Woche verteilt werden. Die Folge sind nach einem Jahr Pandemie fast <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bayern-corona-tote-altenheime-pflegeheime-zahlen-1.5185000\">4000 verstorbene Heimbewohner, etwa die H\u00e4lfte aller Coronatoten im Freistaat<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der CSU-interne Frieden ist dann wohl dadurch wiederhergestellt worden, dass mit dem vorliegenden Antrag nunmehr die Stadt M\u00fcnchen in die Verantwortung genommen werden soll, das t\u00e4gliche Testen des Pflegepersonals in den Heimen der Stadt sicherzustellen . Der Stadtrat hat diesen Antrag jedoch abgelehnt und ist mehrheitlich den Argumenten der Leiterin des Gesundheitsreferats in der Vollversammlung gefolgt, wonach<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; dreimaliges Testen pro Woche ausreichend sei;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; t\u00e4gliche Tests von den Heimen nicht durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnten; und<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; die strikte Umsetzung von Hygienekonzepten in den Heimen ohnehin wichtiger sei, worauf in Zukunft versch\u00e4rft geachtet werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus meiner Sicht ist dieses Ergebnis h\u00f6chst bedauerlich. Es zeigt wie unter einem Brennglas, woran es bei der wirksamen Bek\u00e4mpfung des gef\u00e4hrlichen Virus fehlt, n\u00e4mlich der <strong>F\u00e4higkeit der staatlichen Verwaltung, nicht nur mit allgemein g\u00fcltigen Verboten, sondern auch mit eigenem Verwaltungshandeln flexibel und gezielt auf die Anforderungen der Pandemie zu reagieren<\/strong>. Wie schlimm Corona in Pflegeheimen w\u00fctet, ist seit der ersten Welle im Fr\u00fchjahr bekannt. Auch auf diesen Seiten ist auf die fehlenden Tests immer wieder verwiesen worden (vgl. <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=504\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=611\">hier<\/a>). Sowohl der Freistaat als auch das Gesundheitsreferat der Stadt M\u00fcnchen ignorieren mit ihrer l\u00fcckenhaften Teststrategie f\u00fcr Heime grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse und werden damit ihrer Verantwortung f\u00fcr die Gesundheit der Heimbewohner nicht gerecht. Im Einzelnen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Schnelltests pro Woche sind <strong>nicht<\/strong> ausreichend. Das kann man sich anhand folgender Grafik leicht \u00fcberlegen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-31-1024x539.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-871\" width=\"674\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-31-1024x539.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-31-300x158.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-31-768x404.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021-01-31.png 1420w\" sizes=\"auto, (max-width: 674px) 100vw, 674px\" \/><figcaption><em>Empfindlichkeit von PCR und Schnelltests im Vergleich \u00fcber den Zeitverlauf einer typischen Corona-Infektion. Man sieht, dass Schnelltests deutlich weniger empfindlich sind als PCR Tests. Daf\u00fcr bekommt man das Ergebnis innerhalb weniger Minuten. Das Bild stammt aus einer Ver\u00f6ffentlichung aus dem Fr\u00fchjahr, wo die Bearbeitungszeit von PCR-Tests mit mehreren Tagen teilweise noch sehr lange war (Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.medrxiv.org\/content\/10.1101\/2020.06.22.20136309v2.full.pdf\">Larremore et al<\/a><em>.)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird ein infizierter Pfleger beispielweise am 3. Tag seiner Infektion mit einem Schnelltest getestet, kann die Viruslast, die die Gefahr einer Ansteckung bestimmt, noch unter der Detektionsgrenze liegen. Am n\u00e4chsten Tag (4. Tag im Schaubild oben) ist diese Person jedoch bereits hochansteckend. Erfolgt jetzt kein neuer Schnelltest, wird die Infektion ins Heim getragen. Prof. Drosten hat daher in seinem bekannten <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/coronaskript192.pdf\">Podcast <\/a> immer wieder darauf hingewiesen, dass die Aussagekraft eines Schnelltest auf maximal 24h begrenzt ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es f\u00fchrt daher kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass mit der Testung nach der geltenden bayrischen Infektionsschutzverordnung viele Infektionen unentdeckt bleiben &#8211; mit den bekannten t\u00f6dlichen Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaffen es die Pflegeheime jeden Tag zu testen? Wohl kaum, denn das h\u00e4ufig unterbesetzte Personal ist schon jetzt \u00fcberlastet. Insoweit tr\u00e4gt das zweite Argument der Leiterin des Gesundheitsreferats. Aber Schnelltests k\u00f6nnten, wie Prof. Theiss zu Recht ausgef\u00fchrt hat, auch von anderen Personen durchgef\u00fchrt werden, beispielsweise Sanit\u00e4tssoldaten oder Medizinstudenten. Das geht vielleicht nicht von heute auf morgen, aber das Problem der hohen Infektionszahlen in Pflegeheimen ist seit der ersten Welle im Fr\u00fchjahr bekannt. Hier fehlt es ganz offensichtlich an der bereits oben genannten Flexibilit\u00e4t im Verwaltungshandeln, um kurzfristig nach unkonventionellen L\u00f6sungen zu suchen. Und wenn das in der Vergangenheit vers\u00e4umt worden ist, sollte wenigstens jetzt damit begonnen werden, auch auf kommunaler Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist die Anwendung strenger Hygienekonzepte die bessere L\u00f6sung ? Jedenfalls nicht, wenn damit die st\u00e4ndige Desinfektion von Oberfl\u00e4chen gemeint ist. Hier ist die Wissenschaft l\u00e4ngst zur der Einsicht gelangt, dass &#8222;Schmierinfektionen&#8220; kein relevanter \u00dcbertragungsweg f\u00fcr den Coronavirus sind. Wer das nicht glaubt, findet den aktuellen Forschungsstand in <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/d41586-021-00251-4\">diesem Aufsatz in &#8222;Nature&#8220;<\/a>. Ma\u00dfgeblich ist die \u00dcbertragung durch Tr\u00f6pfchen und Aerosole. Das l\u00e4sst sich zuverl\u00e4ssig nur durch t\u00e4gliches Testen des Pflegepersonals ausschlie\u00dfen. Masken, auch FFP2 Masken, reichen dazu nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Ergebnis ist die Entscheidung des Stadtrates, auf ein t\u00e4gliches Testen zu verzichten, ein schwerer Fehler. Gleiches gilt f\u00fcr die insoweit mangelhafte Infektionsschutzverordnung des Freistaats. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Impfen aller Heimbewohner in naher Zukunft abgeschlossen wird. Dann k\u00e4me es auf die richtige Teststrategie nicht mehr an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal sind die Beratungen zum Thema Corona des Stadtrats ein Anlass f\u00fcr mich, Informationen und Gedanken zur aktuellen Situation in M\u00fcnchen zusammenzustellen. Um es kurz vorab zu sagen: Nach einem Jahr der Pandemie liegt das Maximum der zweiten Welle hoffentlich hinter uns, denn viele Kennzahlen sinken. 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