{"id":5423,"date":"2026-09-20T13:54:51","date_gmt":"2026-09-20T13:54:51","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=5423"},"modified":"2026-09-20T14:10:43","modified_gmt":"2026-09-20T14:10:43","slug":"weniger-muell-ist-auch-ein-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=5423","title":{"rendered":"Weniger M\u00fcll ist auch ein Problem"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stadt M\u00fcnchen stellt ab 2027 einen Teil der M\u00fcllentsorgung um. W\u00e4hrend f\u00fcr leichten Verpackungsm\u00fcll bislang nur Sammelcontainer (wie f\u00fcr Altglas) zur Verf\u00fcgung stehen, wird ab 2027 jeder Haushalt mit einer gelben Tonne zum Recycling der darin enthaltenen Wertstoffe ausgestattet. Die neue Tonne wird alle zwei Wochen geleert. Informationen \u00fcber das ge\u00e4nderte Entsorgungssystem finden sich beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.awm-muenchen.de\/abfall-entsorgen\/muelltonnen\/gelbe-tonne\/faq-gelbe-tonne#c10901\">hier.<\/a> In Zukunft verf\u00fcgt damit jeder Haushalt \u00fcber vier Tonnen zur Abfallentsorgung, die braune Biotonne f\u00fcr organische Abf\u00e4lle, die blaue Papiertonne, die neue gelbe Wertstofftonne und die schwarze Restm\u00fclltonne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bislang berechnen sich die M\u00fcllgeb\u00fchren ausschlie\u00dflich nach der Gr\u00f6\u00dfe und der H\u00e4ufigkeit der Leerung der Restm\u00fclltonne. So kostet beispielsweise die w\u00f6chentliche Abholung einer <a href=\"https:\/\/www.awm-muenchen.de\/abfall-entsorgen\/muelltonnen\/fuer-haushalte#c181\">120l Tonne aktuell 439,92 EUR pro Jahr.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der Einf\u00fchrung der neuen Wertstofftonne verspricht sich die Stadt eine deutliche Reduzierung des Restm\u00fcllaufkommens und eine h\u00f6here Recyclingquote. Allerdings f\u00fchrt das zu Finanzproblemen der Abfallentsorgung in M\u00fcnchen. Denn wenn weniger Restm\u00fcll anf\u00e4llt, sinkt auch das Geb\u00fchrenaufkommen. Das Kommunalreferat hat daher am vergangenen Donnerstag im Kommunalausschuss eine neue Geb\u00fchrenstruktur vorgestellt, die im Folgenden kurz erl\u00e4utert wird.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/9956834\">Vorlage<\/a> des Kommunalreferats finden sich interessante Zahlen zum M\u00fcllaufkommen in M\u00fcnchen und zur erwarteten Entwicklung: Aktuell fallen in M\u00fcnchen etwa <strong>200 kg Restm\u00fcll pro Person und Jahr <\/strong>an. Diese Menge soll bis 2025 um 35% auf <strong>127 kg<\/strong> sinken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kosten der M\u00fcllbeseitigung und des Recyclings nehmen allerdings nicht proportional mit dem Restm\u00fcllaufkommen ab. Denn der Aufwand f\u00fcr die Sammlung und Verarbeitung von Papier, Biom\u00fcll, etc. sowie der Betrieb der Wertstoffh\u00f6fe der Stadt bleibt bei weniger Restm\u00fcllaufkommen in etwa gleich. Zwar werden mit dem recycelten Material auch Einnahmen erwirtschaftet. Deren H\u00f6he wird aber im Wesentlichen durch Marktschwankungen bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Restm\u00fcllaufkommen tats\u00e4chlich sinkt, m\u00fcsste die Stadt M\u00fcnchen nach dem bisherigen Geb\u00fchrenmodell die M\u00fcllgeb\u00fchren pro Restm\u00fclltonne anheben, um weiterhin dieselben Einnahmen zu generieren. Nach <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/BayKAG-8\">Art. 8 Abs. 4<\/a> des Bayrischen Kommunalabgabengesetzes sollen die Geb\u00fchren die Ausgaben decken. Zusch\u00fcsse aus dem st\u00e4dtischen Haushalt sind ebenso unzul\u00e4ssig wie zu hohe Geb\u00fchren, die anderweitig verwendet werden. Insbesondere durch die Einf\u00fchrung der gelben Tonne 2027 vermutet das Abfallwirtschaftsamt eine deutliche Abnahme des Restm\u00fcllaufkommens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ganz \u00fcberzeugend erscheint mir die Vermutung nicht zu sein. Untersuchungen zeigen, dass der M\u00fcnchner Restm\u00fcll bislang noch erhebliche Anteile an recyclingf\u00e4higen Materialien enth\u00e4lt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1310\" height=\"865\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image.png\" alt=\"Schaubild\n\" class=\"wp-image-5437\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image.png 1310w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image-300x198.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image-768x507.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image-1024x676.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zusammensetzung des Restm\u00fclls in M\u00fcnchen in 2023 (Quelle: <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/9956834\">Vorlage <\/a>der Verwaltung)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gr\u00f6\u00dfte Teil des &#8222;falsch&#8220; entsorgten Restm\u00fclls sind jedoch nicht die etwa 10% Kunststoffe, die in Zukunft hoffentlich in die gelbe Tonne wandern, sondern der gro\u00dfe Anteil an Organik, der bereits jetzt in der braunen Biotonne entsorgt werden k\u00f6nnte. Weder in der Vorlage noch in der Diskussion im Ausschuss wurde erkennbar, warum die M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner in dieser Hinsicht ihr Verhalten pl\u00f6tzlich \u00e4ndern sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das neue Geb\u00fchrenmodell ist bislang noch nicht im Detail ausformuliert. Klar ist allerdings gem\u00e4\u00df Vorlage, dass in Zukunft f\u00fcr jeden Haushalt eine <strong>Grundgeb\u00fchr f\u00fcr die M\u00fcllentsorgung<\/strong> erhoben wird, die unabh\u00e4ngig von der zu entsorgenden Restm\u00fcllmenge ist. Daneben gibt es einen sogenannten <strong>Leistungspreis<\/strong>, der linear mit dem Volumen und der H\u00e4ufigkeit der Leerung der Restm\u00fclltonne steigt. F\u00fcr die bislang kostenlosen Papier- und Biotonnen wird ebenfalls eine &#8211; niedrige &#8211; Grundgeb\u00fchr erhoben. Damit soll in Zukunft sichergestellt werden, dass nur Papier- und Biotonnen bestellt werden, die auch tats\u00e4chlich regelm\u00e4\u00dfig genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Parameter bei der neuen Geb\u00fchrenordnung ist die Verteilung der Kosten auf die Grundgeb\u00fchren und den Leistungspreis. Vorgesehen ist eine Aufteilung 40% zu 60%, d.h. 40% der Gesamtkosten der M\u00fcllentsorgung und des Recyclings in M\u00fcnchen werden in Zukunft \u00fcber die neuen Grundgeb\u00fchren finanziert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bringt der st\u00e4dtischen Abfallwirtschaft mehr finanzielle Stabilit\u00e4t als das bisherige Modell. Geb\u00fchrenanpassungen, die immer unbeliebt sind, werden seltener erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Ausschuss war genau diese Aufteilung der umstrittene Punkt. Die \u00d6DP h\u00e4tte lieber eine niedrigere Grundgeb\u00fchr gesehen, die nur 20% der Kosten abdeckt, um damit einen gr\u00f6\u00dferen Anreiz zu erhalten, Restm\u00fcll zu sparen. Alle anderen Parteien von Linke bis AfD sind jedoch dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend hat der AfD-Vertreter vehement gegen die aus seiner Sicht sinnlosen Klimaschutzma\u00dfnahmen bei der M\u00fcllbeseitigung gewettert und gefordert, deren Anteil an den Kosten der M\u00fcllentsorgung f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger offenzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann man leicht aus den Angaben in der Vorlage absch\u00e4tzen. Klimaschutz spielt im Wesentlichen bei der M\u00fcllverbrennung eine Rolle. Hier muss auch die M\u00fcnchner Abfallwirtschaft seit 2024 f\u00fcr den Aussto\u00df von CO2 zahlen. Pro Tonne Restm\u00fcll, der verbrannt wird <a href=\"https:\/\/www.klimafonds.gv.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/2025_WasteCCUS_Publizierbarer_Endbericht.pdf\">f\u00e4llt in etwa 1 Tonne CO2<\/a> an. Die CO2-Preise liegen aktuell bei etwa 60 EUR pro Tonne. Da der Restm\u00fcll im Wesentlichen verbrannt wird, fallen bei j\u00e4hrlich 200 kg Restm\u00fcll ca. <strong>12 EUR CO2-Kosten pro Person und Jahr<\/strong> an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wem das zu viel ist, der kann einfach mehr recyclen. Damit werden &#8211; nach dem neuen Geb\u00fchrenmodell &#8211; die 60% des Leistungspreises f\u00fcr den Restm\u00fcll kleiner und auch die darin enthaltenen CO2-Kosten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt M\u00fcnchen stellt ab 2027 einen Teil der M\u00fcllentsorgung um. 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