{"id":5191,"date":"2026-01-16T20:16:23","date_gmt":"2026-01-16T20:16:23","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=5191"},"modified":"2026-01-16T20:44:04","modified_gmt":"2026-01-16T20:44:04","slug":"das-candidtor-ein-neues-wahrzeichen-muenchens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=5191","title":{"rendered":"Das Candidtor &#8211; ein neues Wahrzeichen M\u00fcnchens?"},"content":{"rendered":"\n<p>Manche Geb\u00e4ude M\u00fcnchens haben f\u00fcr die Stadt eine besondere Bedeutung. Da ist nat\u00fcrlich die Frauenkirche, die seit Jahrhunderten die Altstadt pr\u00e4gt. Aber auch modernere Bauten, wie das Olympiastadion von 1972 oder der &#8222;BMW-Vierzylinder&#8220; gelten inzwischen als Wahrzeichen M\u00fcnchens.<\/p>\n\n\n\n<p>Geb\u00e4ude, die wegen ihrer Gr\u00f6\u00dfe \u00fcber ihre unmittelbare Umgebung hinaus wirken, sind h\u00e4ufig umstritten, so wie aktuell <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=1253\">die beiden 150 Meter hohen T\u00fcrme<\/a>, die neben der ehemaligen Paketposthalle entstehen sollen. Ob dar\u00fcber ein <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2831\">B\u00fcrgerbegehren<\/a> entscheidet, wird gegenw\u00e4rtig vor dem Bayrischen Verwaltungsgerichtshof verhandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres markantes Bauwerk entsteht m\u00f6glicherweise am Candidplatz in Untergiesing. Dort plant ein Hamburger Investor ein 64 Meter hohes B\u00fcrohaus, genannt Candidtor:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1440\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Rotterd-Architekte-MVRD-hat-den-Entw-fr-den-sp-370811-scaled.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5193\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Rotterd-Architekte-MVRD-hat-den-Entw-fr-den-sp-370811-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Rotterd-Architekte-MVRD-hat-den-Entw-fr-den-sp-370811-300x169.jpeg 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Rotterd-Architekte-MVRD-hat-den-Entw-fr-den-sp-370811-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Rotterd-Architekte-MVRD-hat-den-Entw-fr-den-sp-370811-768x432.jpeg 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Rotterd-Architekte-MVRD-hat-den-Entw-fr-den-sp-370811-1536x864.jpeg 1536w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Rotterd-Architekte-MVRD-hat-den-Entw-fr-den-sp-370811-2048x1152.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Visualisierung des geplanten Candidtors  (Quelle: MVRDV Architekten Rotterdam)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es auch hier eine <a href=\"https:\/\/candidplatz-fuer-alle.de\/\">B\u00fcrgerinitiative<\/a>, die Widerstand gegen das Projekt mobilisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Am vergangenen Mittwoch kam das Candidtor zum ersten Mal auf die Tagesordnung des Stadtplanungsausschusses. Gegenstand der Diskussion war eine <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/9414468\">Vorlage<\/a> der Verwaltung f\u00fcr einen sogenannten &#8222;Aufstellungsbeschluss&#8220;, mit dem die Bauleitplanung begonnen wird. Im folgenden Bericht wird das Projekt anhand der Informationen in der Vorlage und der Debatte im Ausschuss erl\u00e4utert, gefolgt von meinen subjektiven \u00dcberlegungen, was von dem geplanten Neubau zu halten ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>1.    Die Ausgangslage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor man sich mit den verschiedenen Aspekten des Projekts befasst, kann man zun\u00e4chst einen Blick auf den Istzustand zu werfen. In den Anlagen zur Vorlage findet sich ein aktuelles Foto der zu bebauenden Fl\u00e4che, das auch der oben gezeigten Visualisierung zu Grunde liegt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1107\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-142705-1-scaled.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5203\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-142705-1-scaled.png 2560w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-142705-1-300x130.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-142705-1-1024x443.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-142705-1-768x332.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-142705-1-1536x664.png 1536w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-142705-1-2048x885.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Luftaufnahme des Candidplatzes (Quelle: Anlage zur <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/9414468\">Vorlage<\/a> der Verwaltung)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine weitere, senkrechte Luftaufnahme aus der Vorlage zeigt noch genauer, wie eingeklemmt der Baugrund zwischen dem Mittleren Ring (oben) und der Candidstra\u00dfe (unten) liegt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1570\" height=\"941\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-170536.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5219\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-170536.png 1570w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-170536-300x180.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-170536-1024x614.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-170536-768x460.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-170536-1536x921.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hier m\u00f6chte der Investor das Candidtor bauen. (Quelle: <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/9414468\">Vorlage<\/a> des Stadtplanungsreferats)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dominiert wird der Candidplatz von der gro\u00dfen \u00dcberf\u00fchrung des Mittleren Rings, die den Platz wie eine Autobahnbr\u00fccke \u00fcberspannt. Hier der Blick nach Nordwesten:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2016\" height=\"1512\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5206\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-1.png 2016w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-1-300x225.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-1-1024x768.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-1-768x576.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-1-1536x1152.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick vom Candidplatz nach Nordwesten (Quelle: Eigene Aufnahme)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n ist es hier nicht, eher zweckm\u00e4\u00dfig mit viel Verkehr, sowohl auf als auch unter dem Mittleren Ring. Die Bebauung ist unterschiedlich hoch und ohne jeglichen architektonischen Anspruch. Das im Bau befindliche Wohngeb\u00e4ude im Nordwesten hat eine H\u00f6he von etwa 40m.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Candidplatz ist mit seiner U-Bahnstation, die in weniger als 10min zum Hauptbahnhof f\u00e4hrt, perfekt \u00f6ffentlich angeschlossen. F\u00fcr den Individualverkehr gibt es unterhalb der bestehenden Bebauung eine Tiefgarage, die laut Vorlage bislang nicht ausgelastet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Da das Grundst\u00fcck zwischen Candidstra\u00dfe und Mittlerem Ring in privater Hand ist, kann die Stadt M\u00fcnchen dort nicht selbst bauen. Sie kann lediglich Bauvorhaben des Eigent\u00fcmers genehmigen oder verbieten bzw. deren Gestaltung im Zuge der Bauleitplanung aushandeln. Eine umfangreiche Wohnbebauung, die in M\u00fcnchen dringend n\u00f6tig w\u00e4re, wird vom Investor nicht angestrebt. Sie w\u00e4re auch aufgrund der hohen L\u00e4rm- und Schadstoffbelastung zwischen Mittleren Ring und Candidstra\u00dfe kaum zu realisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.    Das Projekt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Unterlagen zeigen, dass der Investor die vorderen drei Geb\u00e4ude der vorhandenen Bebauung (die dunkelbraunen H\u00e4user im Bild oben) abrei\u00dfen m\u00f6chte. An deren Stelle sieht das Planungskonzept laut Vorlage<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;insgesamt acht parallel zueinander gestapelte Kuben vor, wobei sich die obersten zwei Kuben treffen und so eine torartige Struktur bilden. Mit diesem Entwurf soll der Candidplatz neu definiert werden und dem Planungsgebiet selbst sowie dem umgebenden Stadtquartier durch ein architektonisches Zeichen eine neue Qualit\u00e4t und eine einzigartige Identit\u00e4t geben.&#8220;<\/em> (<em><a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/9414468\">Vorlage<\/a> des Stadtplanungsreferats<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Eindruck, welch massiver Bau dort geplant ist, zeigt eine weitere Visualisierung auf der News-Webseite des Investors:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-114631-scaled.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5213\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-114631-scaled.png 2560w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-114631-300x141.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-114631-1024x480.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-114631-768x360.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-114631-1536x720.png 1536w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-114631-2048x960.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das geplante Candidtor in Nahaufnahme (Quelle: News &#8211; VALUES Real Estate). Im Hintergrund sieht man die aufgestockten Bestandsgeb\u00e4ude und ganz hinten das Stadion an der Gr\u00fcnwalder Stra\u00dfe. Links hinten liegt die Heilig-Kreuz-Kirche.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit der geplanten Bauh\u00f6he von 64 Metern w\u00fcrde das Candidtor das etwa 25 Meter hohe Hochufer der Isar und damit auch das benachbarte Stadion an der Gr\u00fcnwalder Stra\u00dfe weit \u00fcberragen. <\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich um den Stadtrat positiv f\u00fcr das Projekt zu stimmen, hat der Investor mehrere &#8222;Zuckerl&#8220; in seine Planungen eingebaut:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die erhaltenen Bestandsgeb\u00e4ude werden aufgestockt und um ca. 100 Wohnungen f\u00fcr Azubis \/Studierende erg\u00e4nzt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>In den unteren Geschossen sind R\u00e4ume f\u00fcr einen Supermarkt, kulturelle Veranstaltungen und Gastronomie vorgesehen, um den bislang eher toten Bereich zwischen den vorhandenen Geb\u00e4uden zu beleben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die oberste Dachterrasse wird mit einem Kiosk \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die genaue Ausgestaltung der Fassade, die den Gesamteindruck des Geb\u00e4udes erheblich beeinflussen wird, soll Gegenstand eines Workshops werden. Mehrere Planungsb\u00fcros werden dazu konkurrierende Entw\u00fcrfe vorlegen, die von Vertretern des Stadtrats, des Bezirksausschusses, des Stadtplanungsreferats und des Investors sowie externen Experten bewertet werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt steigt die Geschossfl\u00e4che auf dem gesamten Areal von ca. 15.000m\u00b2 auf 32.000m\u00b2. Als Mieter strebt der Investor eine Mischung aus Arztpraxen, B\u00fcros und Gewerbe an.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.    Das weitere Verfahren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gegenstand der Debatte im Stadtrat war ein sogenannter Aufstellungsbeschluss in Reaktion auf einen Antrag des Investors. Damit wird der Startschuss f\u00fcr den eigentlichen Beginn der st\u00e4dtischen Bauleitplanung gegeben. Das folgende Diagramm zeigt das weitere Verfahren:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1077\" height=\"1630\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-172344.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5223\" style=\"width:500px\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-172344.png 1077w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-172344-198x300.png 198w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-172344-677x1024.png 677w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-172344-768x1162.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Screenshot-2026-01-15-172344-1015x1536.png 1015w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.buergerbeteiligung-staedtebau.bayern.de\/assets\/stmi\/miniwebs\/buergerbeteiligung\/buergerbeteiligung_im_staedtebau_e-book.pdf\">Leitfaden<\/a> des Bayrischen Staatsministeriums f\u00fcr Wohnen und Bau und Verkehr)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Bevor es zu einem abschlie\u00dfenden Satzungsbeschluss kommt, muss die \u00d6ffentlichkeit mehrfach beteiligt werden, sodass Einwendungen vorgetragen und ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen. Erfahrungsgem\u00e4\u00df kommt es im Laufe des Verfahrens zu einem Vertrag zwischen der Stadt und dem Investor, in dem dessen Pflichten, beispielsweise zur Bereitstellung von R\u00e4umen f\u00fcr kulturelle Veranstaltungen etc., festgeschrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.   Die Debatte im Ausschuss<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Pl\u00e4ne f\u00fcr das Candidtor sind im Ausschuss auf breite Zustimmung gesto\u00dfen. Paul Bickelbacher (GR\u00dcNE) nannte das Projekt \u00e4hnlich wie den BMW-Vierzylinder eine m\u00f6gliche &#8222;neue Ikone&#8220; der Architektur in M\u00fcnchen. Auch Stadtr\u00e4tinnen und Stadtr\u00e4te von SPD, CSU und FDP haben sich im Grundsatz f\u00fcr den Aufstellungsbeschluss ausgesprochen und die Vorlage mit gro\u00dfer Mehrheit verabschiedet.<\/p>\n\n\n\n<p>LINKE und \u00d6DP\/ M\u00fcnchen-Liste haben die Vorlage abgelehnt und sich dabei im Wesentlichen den Argumenten der oben erw\u00e4hnten B\u00fcrgerinitiative angeschlossen. Ein zentraler Einwand ist, dass M\u00fcnchen und insbesondere Untergiesing keinen weiteren B\u00fcroraum brauche. Die Leerstandsquote sei bereits hoch. Dar\u00fcber hinaus f\u00fcge sich der Bau mit seiner exzessiven H\u00f6he nicht in die Umgebung ein. Der durch die Nutzer erzeugte Verkehr werde das Stadtviertel weiter belasten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gegenargumente der Bef\u00fcrworter finden sich zum gr\u00f6\u00dften Teil bereits in der Vorlage und wurden in der Debatte noch einmal vorgetragen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bei der Leerstandsquote in M\u00fcnchen ist laut Stadtplanungsreferat zwischen Lagen innerhalb des Mittleren Rings und B\u00fcros am Stadtrand zu unterscheiden. Im Zentrum sei die Leerstandsquote nur bei 3,6%. Hochwertiger B\u00fcroraum in modernen Geb\u00e4uden, die wie das geplante Candidtor aktuellen Standards entspr\u00e4chen, sei immer noch stark nachgefragt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wenn man neue B\u00fcrobauten innerhalb der Stadt \u00fcberhaupt noch zulassen wolle, sei dies ein idealer Standort. Wohnraum in gr\u00f6\u00dferem Umfang k\u00f6nne dort nicht errichtet werden. Eine bessere Anbindung an den \u00f6ffentlichen Nahverkehr sei kaum vorstellbar.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Im Hinblick auf die Umweltbelastungen sei festzuhalten, dass das Candidtor nur zu einer geringf\u00fcgigen zus\u00e4tzlichen Bodenversiegelung f\u00fchre. Zudem w\u00fcrden 70% der Bestandsgeb\u00e4ude langfristig weitergenutzt. Weitere Umweltauswirkungen w\u00fcrden noch im Detail gepr\u00fcft, aber seien bislang nicht erkennbar.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Etwas d\u00fcnn sind die Gegenargumente der Bef\u00fcrworter zu den Einw\u00e4nden gegen die enorme Gr\u00f6\u00dfe des Geb\u00e4udes. Verwiesen wird auf die vom Stadtrat vor einiger Zeit verabschiedete <a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/dam\/jcr:32f57b93-30ca-4de9-a075-1b5348cbe198\/Hochhausstudie_Langfassung.pdf\">Hochhausstudie<\/a>. Sie empfiehlt jedoch f\u00fcr diese Lage allenfalls einen sogenannten &#8222;st\u00e4dtebaulichen Akzent und Orientierungspunkt&#8220;, d.h. ein Geb\u00e4ude, das um maximal 150% h\u00f6her ist als die umgebenden Geb\u00e4ude. Der weitaus \u00fcberwiegende Teil der umgebenden Bebauung ist jedoch nur vier- bis f\u00fcnfst\u00f6ckig, d.h. max. 20 Meter hoch. Ein 64 Meter hohes Geb\u00e4ude \u00fcberragt diesen Bestand um deutlich mehr als die empfohlenen 150%.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Bereits in der Vorlage und auch in einem \u00c4nderungsantrag von SPD und GR\u00dcNEN wird daher die Frage der H\u00f6he des Geb\u00e4udes noch einmal aufgegriffen und explizit als Verhandlungsgegenstand mit dem Investor in der weiteren Bauleitplanung angegeben. So hei\u00dft es dort:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Im Rahmen des Workshops werden auch Varianten (u.a. mit einer geringeren H\u00f6he und schlankeren Kubatur) gepr\u00fcft und in Visualisierungen dargestellt. Auf dieser Basis wird \u00fcber einen gestalterisch die Belange der Stadtbildvertr\u00e4glichkeit ber\u00fccksichtigenden Geb\u00e4udeentwurf entschieden.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00c4nderungsantrag wurde mit den Stimmen von SPD und GR\u00dcNEN beschlossen. Im Ergebnis wird damit der Ball zur\u00fcck an den Investor gespielt, ob sich das ganze Projekt nicht auch eine Nummer kleiner realisieren l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist das nur ein Pr\u00fcfauftrag. Die Wortbeitr\u00e4ge der Bef\u00fcrworter des Candidtores in der Debatte am Mittwoch klangen f\u00fcr mich nicht so, als ob man das Projekt im Zweifel an seiner Gr\u00f6\u00dfe scheitern lassen will.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>5.   Mein Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, wie man zum Candidtor steht, beantwortet sich in erster Linie anhand der Frage, wie man die vorgeschlagene Architektur findet. Aus meiner Sicht ist das Geb\u00e4ude ein h\u00f6chst origineller Ansatz zur Aufwertung des Inselgrundst\u00fccks zwischen Mittlerem Ring und Candidstra\u00dfe und damit des gesamten Candidplatzes. Aus einer durch Stra\u00dfen und Kreuzungen gepr\u00e4gten Verkehrsfl\u00e4che wird mit diesem Hingucker ein neuer st\u00e4dtischer Raum. Zum Vergleich: Die besondere Formgebung des Candidtores mit den versetzt gestapelten W\u00fcrfeln finde ich ungleich attraktiver als die zwei riesigen T\u00fcrme, die mit 150 Meter H\u00f6he auf dem Paketpostareal entstehen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist jedoch meine v\u00f6llig subjektive Bewertung. Man kann das auch ganz anders sehen. Wem die Architektur des Candidtores nicht gef\u00e4llt, wird diese Meinung allerdings kaum \u00e4ndern, wenn das Geb\u00e4ude ein paar Stockwerke niedriger ausf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig \u00fcberzeugend finde ich die wirtschaftlichen Einw\u00e4nde der Gegner des Projekts. Wenn der Investor meint, f\u00fcr dieses Objekt zahlungsf\u00e4hige B\u00fcromieter zu finden, ist es nicht die Aufgabe der Stadtverwaltung, einer intensiveren wirtschaftlichen Nutzung dieser innerst\u00e4dtischen Fl\u00e4che im Wege zu stehen. Im Gegenteil, der angespannte Haushalt der Stadt M\u00fcnchen kann zus\u00e4tzliche Gewerbesteuerzahler dringend gebrauchen, auch und gerade um die hohen Investitionen der Stadt in Bildung und Soziales weiterhin finanzieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob und inwieweit Umweltbeeintr\u00e4chtigungen von dem neuen B\u00fcrogeb\u00e4ude ausgehen, werden die Untersuchungen im weiteren Verlauf zeigen. Die Stadtbaur\u00e4tin hat in der Debatte versichert, dass die Umweltpr\u00fcfung in jedem Fall stattfindet, auch dann, wenn ein beschleunigtes Bauleitverfahren zur Anwendung kommt. Erwarten w\u00fcrde ich keine Probleme, denn der Standort dicht am Mittleren Ring, einer der meistbefahrenen Stra\u00dfen Deutschlands, ist bereits so belastet, dass ich nicht erkennen kann, welche relevanten L\u00e4rm- oder Schadstoffbelastungen von diesem Neubau ausgehen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Investor nicht abspringt (oder wie Benko pleite geht), wird sich der M\u00fcnchner Stadtrat noch mehrfach mit dem Candidtor befassen, n\u00e4mlich f\u00fcr den sogenannten Billigungsbeschluss und den abschlie\u00dfenden Satzungsbeschluss des neuen Bebauungsplans (vgl. das Flussdiagramm oben). Bis dahin kann sich jede und jeder in die weitere Debatte einbringen und versuchen, Stadtr\u00e4tinnen und Stadtr\u00e4te zu \u00fcberzeugen. Die zahlreichen \u00f6ffentlichen Veranstaltungen der Parteien im laufenden Kommunalwahlkampf bieten dazu bereits in den n\u00e4chsten Wochen zahlreiche Gelegenheiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Geb\u00e4ude M\u00fcnchens haben f\u00fcr die Stadt eine besondere Bedeutung. Da ist nat\u00fcrlich die Frauenkirche, die seit Jahrhunderten die Altstadt pr\u00e4gt. Aber auch modernere Bauten, wie das Olympiastadion von 1972 oder der &#8222;BMW-Vierzylinder&#8220; gelten inzwischen als Wahrzeichen M\u00fcnchens. 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