{"id":5088,"date":"2025-04-03T21:20:05","date_gmt":"2025-04-03T21:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=5088"},"modified":"2025-04-03T21:47:29","modified_gmt":"2025-04-03T21:47:29","slug":"grosse-herausforderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=5088","title":{"rendered":"Gro\u00dfe Herausforderungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Das berufliche Bildungssystem in Deutschland wird h\u00e4ufig als vorbildlich betrachtet. Die Kombination aus praktischer Ausbildung in den Betrieben und der Vermittlung theoretischer Grundlagen in den Berufsschulen bildet Fachkr\u00e4fte aus, die mit ihren Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht werden. Gleichzeitig erm\u00f6glicht der erfolgreiche Abschluss einer (Erst-) Ausbildung zahlreiche weitere Bildungsm\u00f6glichkeiten bis hin zu einem Studium.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1486\" height=\"769\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5090\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-5.png 1486w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-5-300x155.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-5-1024x530.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-5-768x397.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Strukturen der beruflichen Bildung in M\u00fcnchen (Quelle: M\u00fcnchner Bildungsbericht Berufliche Bildung 2024).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am vergangenen Mittwoch wurde im Bildungsausschuss der <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/9003826\">M\u00fcnchner Bildungsbericht Berufliche Bildung 2024<\/a> vorgestellt. Neben vielen Erfolgen bei der Begleitung Jugendlicher auf dem Weg von der Schule in eine Ausbildung findet man dort folgenden Satz:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Das [&#8230;] System der beruflichen Ausbildung [steht] vor v\u00f6llig neuen Herausforderungen, deren Bew\u00e4ltigung keineswegs sichergestellt ist.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Warum das so ist, wird im Folgenden erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Schaut man in den \u00fcber 250 Seiten langen Bericht, erscheinen die Zahlen zur beruflichen Bildung zun\u00e4chst erfreulich:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1457\" height=\"1021\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5095\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-7.png 1457w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-7-300x210.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-7-1024x718.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-7-768x538.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Angebot und Nachfrage auf dem M\u00fcnchner Ausbildungsmarkt <br>(Quelle: M\u00fcnchner Bildungsbericht Berufliche Bildung 2024)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das Angebot und die Nachfrage nach Ausbildungsstellen in M\u00fcnchen decken sich in etwa. Die Bedeutung der Vermittlung \u00fcber die Arbeits\u00e4mter nimmt seit 2018 kontinuierlich ab. Dass die Situation aus Sicht der Auszubildenden gut ist, erkennt man auch an der seit Jahren niedrigen Jugendarbeitslosigkeit, die in M\u00fcnchen bei 3% oder weniger liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings gelingt es fast der H\u00e4lfte der Betriebe nicht, alle zur Verf\u00fcgung stehenden Ausbildungspl\u00e4tze zu besetzen (vgl. <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/9003826\">Bildungsbericht<\/a>, S. 97). Ohne Zuwanderung w\u00e4re die Situation f\u00fcr die Betriebe in M\u00fcnchen noch weitaus schwieriger. M\u00fcnchen verzeichnet seit Jahren Zuwanderungsgewinne in der Bev\u00f6lkerungsgruppe zwischen 16 und 25 Jahren, auch und gerade aus dem Ausland:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"297\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-2-1024x297.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5104\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-2-1024x297.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-2-300x87.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-2-768x223.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-2.png 1478w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zu- und Abwanderung Jugendlicher nach bzw. aus M\u00fcnchen in 2023 <br>(Quelle: M\u00fcnchner Bildungsbericht Berufliche Bildung 2024)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Bericht hei\u00dft es dazu:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>In einigen Berufen sind neu zugewanderte Jugendliche besonders h\u00e4ufig anzutreffen.  Die am st\u00e4rksten besetzten Berufe im Hinblick auf die Zuwanderung innerhalb der letzten sechs Jahre sind Zahnmedizinische Fachangestellte (258 Personen), Hotelfachleute (224 Personen) sowie Medizinische Fachangestellte (188 Personen). In drei Berufen sind mehr als die H\u00e4lfte der Auszubildenden neu zugewandert: die Fachleute f\u00fcr Systemgastronomie (82,3 %), die Fachkr\u00e4fte Gastronomie\/ehemals Fachkr\u00e4fte im Gastgewerbe (68,8 %) sowie die Fachverk\u00e4ufer*innen im Lebensmittelhandwerk (61,7 %).<\/em>&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch ist die Zahl der Auszubildenden insgesamt r\u00fcckl\u00e4ufig. 2023 war ein positiver Ausnahmewert, denn 2024 sind laut Bildungsreferat die Zahlen schon wieder gesunken. Der Fachkr\u00e4ftemangel in vielen Ausbildungsberufen wird sich trotz Zuwanderung weiter versch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfere Problem liegt jedoch in den <strong>fehlenden Kompetenzen der Schulabg\u00e4nger<\/strong> vor Beginn einer Ausbildung. Der Bildungsbericht 2024 widmet diesem Problem mehrere Abschnitte, die es in sich haben:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Informationen \u00fcber den Stand der schulischen Kompetenzen Jugendlicher liefert die PISA-Studie. F\u00fcr diese werden regelm\u00e4\u00dfig die 15-j\u00e4hrigen Sch\u00fclerinnen der OECD L\u00e4nder in Mathematik, Naturwissenschaften und auf die Lesekompetenz getestet. Im Jahr 2022 wurden f\u00fcr Deutschland in allen drei Kompetenzbereichen die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Studie im Jahr 2000 gemessen. [&#8230;] In der Folge erreicht ein deutlich h\u00f6herer Anteil der 15-J\u00e4hrigen das Mindestkompetenzniveau nicht mehr. In  Mathematik erreichten es 30 % nicht (+ 12 Prozentpunkte von zuvor 18 % in 2012), in Naturwissenschaften waren es 23 % (+ 11, zuvor 12 %) und bei der Lesekompetenz waren es 25 %, die unter dem Mindestkompetenzniveau lagen (+ 11, zuvor 14 %) .&#8220; <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation bei Auszubildenden ist noch schlechter, als es diese Zahlen erkennen lassen. Denn an der PISA-Studie haben auch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler von Gymnasien teilgenommen. Sie weisen &#8211; jedenfalls im Schnitt &#8211; bessere Kenntnisse in den drei F\u00e4chern auf, beginnen aber sp\u00e4ter nur zu einem kleinen Bruchteil eine Ausbildung. Den Absolventen der Mittelschule (fr\u00fcher Hauptschule genannt), die knapp ein Drittel aller Ausbildungspl\u00e4tze besetzen, fehlen somit noch zu deutlich h\u00f6heren Anteilen Grundkenntnisse in Mathematik, Deutsch und den Naturwissenschaften. Genaue Zahlen dazu findet man im Bildungsbericht leider nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Woran liegen diese desastr\u00f6sen Ergebnisse? Ein Hauptgrund ist laut Bericht die Corona-Pandemie. In der Tat lagen die langen Schulschlie\u00dfungen zum Zeitpunkt der PISA-Studie 2022 nur wenige Monate zur\u00fcck, so dass die Jugendlichen kaum Gelegenheit hatten, ihre Lerndefizite auszugleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzukommt aber auch ein langfristiges Problem: Laut Bildungsbericht sind unter den 15-J\u00e4hrigen an den M\u00fcnchner Mittelschulen 8,6 Prozent erst innerhalb der letzten drei Jahre aus dem Ausland zugewandert. Ohne brauchbare Deutschkenntnisse kann es aber keine Lesekompetenz und auch keinen Erfolg in Mathematik geben, wo die zu l\u00f6senden (Text-) Aufgaben ebenfalls ein Mindestma\u00df an Sprachverst\u00e4ndnis verlangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich diese Defizite auswirken, kann man dem Bildungsbericht ebenfalls entnehmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"449\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-6-1-1024x449.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5137\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-6-1-1024x449.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-6-1-300x132.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-6-1-768x337.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2025-04-01-6-1.png 1513w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zusammenh\u00e4nge zwischen Schulabschl\u00fcssen und Beginn einer Ausbildung bzw. alternativen Auffangm\u00f6glichkeiten im Ausbildungsjahr 2022\/2023 <br>(Quelle: M\u00fcnchner Bildungsbericht Berufliche Bildung 2024)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Beispielsweise gelingt es ohne Mittelschulabschluss nur einem Drittel der Jugendlichen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Mit einem &#8222;Quali&#8220; (qualifizierender Mittelschulabschluss) verdoppeln sich die Chancen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr alle, bei denen es nicht klappt, hat die Stadt M\u00fcnchen zusammen mit der Agentur f\u00fcr Arbeit ein umfangreiches \u00dcbergangssystem entwickelt, in dem der Erwerb grundlegender Kenntnisse nachgeholt werden kann, einschlie\u00dflich des Mittelschulabschlusses. Parallel dazu gibt es eine Vielzahl von Programmen zur gezielten Begleitung und Unterst\u00fctzung der Jugendlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Debatte im Ausschuss zeigten sich die Stadtr\u00e4tinnen und Stadtr\u00e4te aller Fraktionen erfreut \u00fcber den im Bildungsbericht dokumentierten Erfolg der M\u00fcnchner Programme des \u00dcbergangssystems. Dem ist zuzustimmen. Und dennoch dr\u00e4ngt sich mir der Eindruck auf, dass es sich dabei um einen aufwendigen Reparaturbetrieb einer gescheiterten Bildungspolitik des Freistaates Bayern f\u00fcr die Mittelschulen handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrden bereits dort, wo noch eine Schulpflicht besteht, durch mehr Schulzeit (Ganztag) bessere Kenntnisse in den Kernf\u00e4chern Deutsch und Mathematik vermittelt, w\u00e4ren die Startchancen der Jugendlichen noch vor der Suche nach dem ersten Ausbildungsplatz deutlich besser. Wiederholte Entt\u00e4uschungen durch Bewerbungsabsagen w\u00fcrden ebenso vermieden wie das Risiko, am Ende aus der beruflichen Bildung komplett herauszufallen und sich als einer der mehr als 2000 jungen Erwachsenen in M\u00fcnchen ohne Berufsausbildung und Arbeit wiederzufinden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das berufliche Bildungssystem in Deutschland wird h\u00e4ufig als vorbildlich betrachtet. 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