{"id":4910,"date":"2025-01-16T17:35:12","date_gmt":"2025-01-16T17:35:12","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=4910"},"modified":"2025-01-16T17:42:57","modified_gmt":"2025-01-16T17:42:57","slug":"beratung-ist-gut-mehr-unterricht-waere-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=4910","title":{"rendered":"Beratung ist gut, mehr Unterricht w\u00e4re besser"},"content":{"rendered":"\n<p>Beim Thema Fachkr\u00e4ftemangel denkt man zun\u00e4chst an hochspezialisierte IT-Kr\u00e4fte oder Pflegepersonal. Aktuelle Zahlen des M\u00fcnchner Bildungsreferats zeigen jedoch, dass das Problem viel weiter reicht. Beispielsweise werben auch die M\u00fcnchner Gastronomie und das Baugewerbe notgedrungen Personal im Ausland an. Aktuell besuchen 130 Auszubildende aus Vietnam die M\u00fcnchner Berufsschule f\u00fcr das Hotel-, Gastst\u00e4tten- und Baugewerbe, gefolgt von Auszubildenden aus Georgien und Kirgisistan mit je \u00fcber 60 und Indonesien und Afghanistan mit je ca. 40 Personen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig schaffen fast 10% der M\u00fcnchner Mittelsch\u00fcler nicht einmal den niedrigsten Bildungsabschluss. Die Fraktionen von Gr\u00fcnen und SPD haben daher in 2023 unter der \u00dcberschrift &#8222;<strong>Fachkr\u00e4fte f\u00fcr die Zukunft<\/strong>&#8220; die Verwaltung beauftragt, nach M\u00f6glichkeiten zu suchen, wie die Quote der Schulabbrecher verringert werden kann, damit mehr junge Menschen aus M\u00fcnchen eine Ausbildung beginnen und erfolgreich beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gestern im Bildungs- und Sozialausschuss diskutierte <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8839807\">Vorlage<\/a> zeigt einerseits die gro\u00dfen Anstrengungen der Stadt. Andererseits scheint es mir, dass das eigentliche Problem der unzureichenden Schulbildung an den Mittelschulen damit nicht gel\u00f6st wird.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Stadt betreibt zusammen mit freien Tr\u00e4gern eine Vielzahl von Projekten zur Bildungsf\u00f6rderung. Speziell an Mittelschulen richtet sich <a href=\"https:\/\/www.jibb-muenchen.de\/jade-jugendliche-an-die-hand-nehmen\/\">JADE<\/a>, ein Beratungsangebot bei der beruflichen Orientierung und Berufsfindung. Sozialp\u00e4dagogen unterst\u00fctzen die Jugendlichen und ihre Eltern in der 8. und 9. Klasse bei der Suche nach der richtigen Praktikums- und Ausbildungsstelle. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Nebeneffekt der T\u00e4tigkeit von JADE ist eine Statistik \u00fcber den weiteren Werdegang von Mittelsch\u00fclern nach Ende der Schulzeit.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"543\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16-1024x543.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4917\" style=\"width:500px\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16-1024x543.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16-300x159.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16-768x408.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16.png 1306w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"853\" height=\"275\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4918\" style=\"width:300px\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16-1.png 853w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16-1-300x97.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/2025-01-16-1-768x248.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8839807\">Vorlage<\/a> des Bildungsreferats<br>Zahlen aus 2023<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gehen nach Abschluss der Mittelschule auf weiterf\u00fchrende Schulen (Berufsfachschulen, Berufsschulen, etc.) oder in sogenannte M- und V-Klassen, mit denen ein Realschulabschluss angestrebt wird. Ein gutes Drittel beginnt direkt eine Ausbildung in einem Betrieb. Knapp 10% haben jedoch nicht einmal den Mittelschulabschluss geschafft und wiederholen freiwillig die 9. Klasse oder machen \u00fcberhaupt keine weiteren Bildungsanstrengungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl auf den Berufs(fach)schulen als auch in den Mittelschulen zeigt sich<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>ein teils eklatanter Anstieg im Deutschf\u00f6rderbedarf<\/em>&#8220; (<a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8839807\">Vorlage<\/a>, S. 14). <\/p>\n\n\n\n<p>Viele Jugendliche sind erst seit wenigen Jahren in Deutschland und haben entsprechend geringe Sprachkenntnisse. Ohne ausreichende F\u00e4higkeiten im Lesen und Verstehen der deutschen Sprache scheitert auch die Vermittlung anderer F\u00e4cher, beispielsweise Mathematik.  Zwar gibt es spezielle Deutschkurse f\u00fcr Jugendliche mit Migrationshintergrund. F\u00fcr das Erfassen der Lehrinhalte der Mittelschule und der Berufsschulen reicht das dort erworbene Sprachniveau jedoch h\u00e4ufig nicht aus. Eine Verbesserung erfolgt nur langsam, weil die Schulklassen Migrationsanteile von 80% und mehr haben. Deutsch wird somit auf dem Pausenhof nicht oder nur in einfachster Form genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>In M\u00fcnchen sind von diesem Problem besonders Kinder von Familien betroffen, die im Rahmen der EU-Freiz\u00fcgigkeit aus Bulgarien zugewandert sind und dort der t\u00fcrkischsprachigen Minderheit angeh\u00f6ren. Ihre Eltern verf\u00fcgen kaum \u00fcber Deutschkenntnisse. Zudem fehlt es vielfach am Verst\u00e4ndnis der Bedeutung von Bildung f\u00fcr den weiteren Lebensweg der Kinder. Die Stadtverwaltung hat daher ein Projekt aufgesetzt, mit dem diese Familien durch Sozialarbeiter in zwei besonders betroffenen M\u00fcnchner Schulen besser erreicht und unterst\u00fctzt werden sollen.  <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber alle Fraktionen hinweg waren die Ausschussmitglieder von den Initiativen der Verwaltung positiv beeindruckt. In der Tat baut die Stadt M\u00fcnchen trotz schlechter Haushaltslage ihre Bem\u00fchungen weiter aus, Jugendliche auf ihrem Bildungsweg zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch dr\u00e4ngt sich mir der Eindruck auf, dass man der Gr\u00f6\u00dfe des Problems dadurch nicht gerecht wird. Auch die beste Beratung durch engagierte Sozialarbeiter kann nicht verhindern, dass die Kinder und Jugendlichen nach Verlassen des Schulgel\u00e4ndes sofort in ihre muttersprachliche Umgebung zur\u00fcckfallen. Das gilt nicht nur f\u00fcr den Austausch in den Familien, sondern auch beim Medienkonsum auf dem Handy, der den Rest des Tages begleitet und in aller Regel nicht auf Deutsch stattfindet. Damit beschr\u00e4nkt sich an einer typischen M\u00fcnchner Mittelschule die Zeit zum bewussten oder unbewussten Erlernen der deutschen Sprache auf den Vormittag. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach meiner \u00dcberzeugung ist eine wirkliche Verbesserung der Schulbildung dieser Jugendlichen nur durch den \u00dcbergang zu einer Ganztagsschule zu erreichen, die diesen Namen auch verdient. Mittelschulen mit einem Migrationsanteil von 50% und mehr sollten so angelegt, werden, dass die Kinder von morgens bis weit in den Nachmittag hinein unterrichtet werden, unterbrochen von gemeinsamen Freizeitaktivit\u00e4ten auf Deutsch. F\u00fcr solch einen &#8222;<a href=\"https:\/\/www.ganztaegig-lernen.de\/thema-des-monats\/rhythmisierung-zeiten\/\">rhythmisierten Ganztag<\/a>&#8220; ist in erster Linie der Freistaat Bayern verantwortlich. Schulformate, bei denen Jugendliche am Nachmittag nur &#8222;betreut&#8220; werden, sind demgegen\u00fcber kaum geeignet, die sprachlichen Defizite auszugleichen. Die Kosten f\u00fcr den Umbau von normalen Mittelschulen zu rhythmisierten Ganztagesschulen w\u00e4ren erheblich, sowohl f\u00fcr das Personal als auch f\u00fcr den Ausbau der Schulgeb\u00e4ude. Der wirtschaftliche Schaden durch fehlende Fachkr\u00e4fte jetzt und in Zukunft ist es allerdings auch. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Thema Fachkr\u00e4ftemangel denkt man zun\u00e4chst an hochspezialisierte IT-Kr\u00e4fte oder Pflegepersonal. 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