{"id":4846,"date":"2024-11-14T16:09:22","date_gmt":"2024-11-14T16:09:22","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=4846"},"modified":"2024-11-14T16:13:36","modified_gmt":"2024-11-14T16:13:36","slug":"wer-faehrt-den-bus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=4846","title":{"rendered":"Wer f\u00e4hrt den Bus?"},"content":{"rendered":"\n<p>F\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Nutzer des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs in M\u00fcnchen ist es nichts Neues. Immer wieder fallen Busse, U-Bahnen oder Stra\u00dfenbahnen aus, weil die M\u00fcnchner Verkehrsbetriebe (MVG) Schwierigkeiten haben, Personal zu finden. Insbesondere Busfahrer sind absolute Mangelware. Auf einigen Linien kommt es deswegen nicht nur zu einzelnen Ausf\u00e4llen, sondern auch zu geplanten Ausd\u00fcnnungen des Taktes.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"711\" height=\"660\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2024-11-13.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4851\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2024-11-13.png 711w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/2024-11-13-300x278.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ohne Fahrer kann der Bus nicht ausr\u00fccken (Quelle: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/User:Renardo_la_vulpo)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ist das nun die Zukunft, auf die wir uns einstellen m\u00fcssen, insbesondere wenn auch bei der MVG viele Boomer in Rente gehen? Im Februar haben die Stadtratsfraktionen der Gr\u00fcnen und der SPD angeregt, neue Wege bei der Personalsuche zu gehen. Die entsprechende <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8702740\">Vorlage<\/a> f\u00fcr den Ausschuss f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft am vergangenen Dienstag zeigt L\u00f6sungsans\u00e4tze auf, die zum Nachdenken \u00fcber das Thema Migration anregen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wie die Verwaltung in der Ausschusssitzung berichtet hat, werben die Verkehrsbetriebe schon seit Jahren Personal aus EU-Staaten an, beispielsweise aus Spanien. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit dort (ebenso wie in vielen anderen EU-L\u00e4ndern) r\u00fcckl\u00e4ufig, sodass der Druck zur Auswanderung ins kalte M\u00fcnchen abnimmt. Die MVG haben daher bereits begonnen, au\u00dferhalb der EU ausgebildete Busfahrer direkt anzuwerben, beispielsweise in Serbien. Die Zahl der auf diese Weise gewonnenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reicht jedoch bei weitem nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2017 gibt es ein weiteres Programm zusammen mit dem Jobcenter M\u00fcnchen und den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayrischen Wirtschaft. Dabei werden Migrantinnen und Migranten, die bereits in M\u00fcnchen wohnen, innerhalb von sechs Monaten durch die MVG zum Busfahrer ausgebildet. Neben der Fahrschule werden in Sprachkursen Deutschkenntnisse vermittelt. Bislang wurden mit diesem Programm 41 Busfahrerinnen und Busfahrer gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Besitz eines PKW-F\u00fchrerscheins war in der Vergangenheit eine der gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden f\u00fcr den Einstieg in dieses Programm. Das \u00e4ndert sich jetzt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Erwerb des PKW-F\u00fchrerscheins (Klasse B) war [&#8230;] bisher nicht Teil der Ausbildung zum Busfahrer bei der MVG. Hier sollen nun neue Wege beschritten werden: In Zukunft werden keine Interessenten f\u00fcr den Fahrbetrieb Bus aufgrund eines fehlenden PKW-F\u00fchrerscheins (Klasse B) abgewiesen. Unter Voraussetzung einer erfolgreichen gesundheitlichen Pr\u00fcfung, [&#8230;.] sowie mit der Verpflichtung seitens der Interessenten, neben der Ausbildung zur\/zum Busfahrer*in eine Ausbildung bei der M\u00fcnchener Tram oder U-Bahn zu machen, k\u00f6nnen die Interessenten einen PKW-F\u00fchrerschein (Klasse B) in den kooperierenden Fahrschulen der SWM\/MVG erlangen.<\/em> <em>Die Kosten f\u00fcr den Erwerb des F\u00fchrerscheins der Klasse B sollen durch die MVG \u00fcbernommen werden&#8230;&#8220; <\/em> (Zitat aus der Vorlage)<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den zus\u00e4tzlichen Ausbildungsaufwand erschlie\u00dft sich die MVG ganz neue Personalquellen.  Das Referat f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft hat unterst\u00fctzend eine Website <a href=\"https:\/\/www.make-it-in-munich.com\/\">&#8222;Make it in Munich&#8220;<\/a> erstellt, auf der Bewerberinnen und Bewerber Informations- und F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten bei der Arbeitssuche in M\u00fcnchen finden. Daneben werden in Zukunft gezielt M\u00fcnchner Migrantenorganisationen angesprochen, um auch im Rahmen einer &#8222;aufsuchenden Arbeitsmarktintegration&#8220;, beispielsweise in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften, neue Busfahrerinnen und Busfahrer f\u00fcr die MVG zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vorgehensweise ist im Ausschuss auf gro\u00dfe Zustimmung gesto\u00dfen. Auch die migrationskritische CSU-Fraktion hat daran keine Kritik ge\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was lernt man daraus? Mir dr\u00e4ngen sich zwei Schlussfolgerungen auf:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Vorstellung, dass Deutschland nur den hochqualifizierten Programmierer aus Indien braucht, sind lange \u00fcberholt. Der demographische Wandel nimmt in einer Weise Fahrt auf, dass jedenfalls in M\u00fcnchen Bedarf an arbeitswilligen Personen fast jeder Qualifikationsstufe besteht. Die Probleme der MVG, Busfahrer zu finden, deren Beruf in gerade mal sechs Monaten erlernt werden kann, verdeutlichen diesen Punkt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Integration von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt erfordert bislang nicht gekannte Anstrengungen zur Ausbildung. Konnten die MVG in fr\u00fcheren Zeiten fertige Busfahrer vom Arbeitsmarkt einstellen, m\u00fcssen sie heute &#8211; notgedrungen &#8211; deren gesamte Ausbildung (PKW-F\u00fchrerschein, Busf\u00fchrerschein, Deutschkurse, etc.) organisieren und bezahlen. Die MVG mit mehreren tausend Mitarbeitern k\u00f6nnen sich das leisten. Kleinere Unternehmen stellt das vor hohe Herausforderungen, die nur mit breiter Unterst\u00fctzung durch den Staat gemeistert werden k\u00f6nnen. Das Referat f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft in M\u00fcnchen geht da mit gutem Beispiel voran.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Im Ergebnis braucht es ein neues Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber, dass die zentrale Herausforderung nicht darin besteht, Migration zu verhindern, sondern Migrantinnen und Migranten f\u00fcr den deutschen Arbeitsmarkt auszubilden. Zuwanderung wird in der \u00f6ffentlichen Diskussion zu oft nur als Belastung betrachtet. Sie ist aber schon jetzt und erst recht in Zukunft eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr den Fortbestand vieler Unternehmen und damit unseres gesamten Wohlstands.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer daran Zweifel hat, kann ja in Zukunft zu Fu\u00df gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Nutzer des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs in M\u00fcnchen ist es nichts Neues. Immer wieder fallen Busse, U-Bahnen oder Stra\u00dfenbahnen aus, weil die M\u00fcnchner Verkehrsbetriebe (MVG) Schwierigkeiten haben, Personal zu finden. Insbesondere Busfahrer sind absolute Mangelware. Auf einigen Linien kommt es deswegen nicht nur zu einzelnen Ausf\u00e4llen, sondern auch zu geplanten Ausd\u00fcnnungen des Taktes. 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