{"id":4748,"date":"2024-10-16T15:19:52","date_gmt":"2024-10-16T15:19:52","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=4748"},"modified":"2024-10-20T11:53:58","modified_gmt":"2024-10-20T11:53:58","slug":"der-muenchner-flughafen-als-modellfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=4748","title":{"rendered":"Der M\u00fcnchner Flughafen als Modellfall"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Situation am M\u00fcnchner Flughafen ist seit Monaten schlecht. Versp\u00e4tungen und Probleme bei der Gep\u00e4ckausgabe werden von den Flugg\u00e4sten ebenso bem\u00e4ngelt wie lange Wartezeiten vor den Sicherheitskontrollen. Bisheriger H\u00f6hepunkt war der 3. Oktober, an dem sich die Schlange der Reisenden weit aus dem Terminal 2 heraus erstreckt hat. Manche Flugg\u00e4ste haben trotz rechtzeitiger Anreise ihre Fl\u00fcge verpasst. Die M\u00fcnchner CSU-Fraktion hat deshalb <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8699186\">kurzfristig beantragt<\/a>, dass der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Flughafens, Jost Lammers, den Stadtr\u00e4tinnen und Stadtr\u00e4ten die Ursachen des Chaos erkl\u00e4rt und darlegt, wie solche Situationen in Zukunft vermieden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum Herr Lammers im Ausschuss f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft gestern keine neuen Freunde gewonnen hat, wird im folgenden Bericht ebenso erl\u00e4utert wie ein paar Gedanken zu tieferliegenden Ursachen der Probleme, deren Auswirkungen weit \u00fcber den M\u00fcnchner Flughafen hinausreichen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Flughafen M\u00fcnchen GmbH geh\u00f6rt zu 23% der Stadt M\u00fcnchen. Weitere Gesellschafter sind das Land Bayern mit 51% und der Bund mit 26% der Anteile. M\u00fcnchen hat nicht nur als Miteigent\u00fcmer ein erhebliches Interesse an einem gut funktionierenden Flughafen. F\u00fcr viele international t\u00e4tige Unternehmen sind zuverl\u00e4ssige Flugverbindungen ein wesentlicher Standortfaktor.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer nun erwartet hatte, dass Herr Lammers auch nur ein Gramm Asche auf sein Haupt streut und sich f\u00fcr Managementfehler entschuldigt, die zur schlechten Situation mit beigetragen haben k\u00f6nnten, wurde entt\u00e4uscht. Ganz im Gegenteil, nach Aussage des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers war ausschlie\u00dflich eine Verkettung ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde f\u00fcr das Fiasko verantwortlich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Insbesondere das Reiseverhalten der Flugg\u00e4ste an diesem Tag sei eine Ursache gewesen, die teilweise schon sechs Stunden vor Abflug erschienen seien und dadurch die Sicherheitskontrolle verstopft h\u00e4tten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Da die S-Bahn zum Flughafen an diesem Tag nur unregelm\u00e4\u00dfig gefahren sei, seien einzelne Bahnen mit bis zu 1000 Reisenden besetzt gewesen, was in der Folge ebenfalls zur \u00dcberlastung der Sicherheitskontrolle gef\u00fchrt habe.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Kapazit\u00e4t der Sicherheitskontrolle sei aufgrund von unvermeidlichen Bauma\u00dfnahmen um 10% eingeschr\u00e4nkt gewesen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Erst vor kurzem ge\u00e4nderte Vorschriften der EU h\u00e4tten die Dauer der Passagierkontrolle verl\u00e4ngert. <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das mag alles stimmen. Dennoch war dieser Vortrag ungeschickt und ist auf harsche Ablehnung (&#8222;<em>Frechheit<\/em>\u201c ) im Ausschuss gesto\u00dfen. Denn selbst wenn diese Punkte den 3. Oktober erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, bleibt doch die grundlegende Frage aus dem CSU-Antrag, warum sich die Situation am Flughafen M\u00fcnchen seit der Corona-Pandemie so stark verschlechtert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu gab es weniger klare Antworten. Es scheint jedoch so, als ob der Flughafen in der Pandemie so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren hat, dass auch mehrere Jahre danach ein reibungsloser Ablauf nicht gew\u00e4hrleistet werden kann, selbst wenn die Flugbewegungen erst 88% des Vorkrisenniveaus erreicht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist dazu die Aussage von Herrn Lammers, dass man in den vergangenen Monaten weit \u00fcber 1000 Personen eingestellt habe, die  &#8211; mangels Alternativen in Deutschland und der EU &#8211; zu zwei Dritteln aus L\u00e4ndern au\u00dferhalb der EU k\u00e4men. Hier sei zun\u00e4chst ein erheblicher Aufwand zur Schulung und Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung erforderlich, bevor diese Personalverst\u00e4rkung zur Verbesserung der Situation beitragen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus meiner Sicht ist der M\u00fcnchner Flughafen damit ein Modellfall f\u00fcr die Herausforderungen, vor der die gesamte deutsche Wirtschaft steht. Die Anzahl der f\u00fcr den Arbeitsmarkt zur Verf\u00fcgung stehenden Personen verringert sich rapide, ohne dass es hinreichend gelingt, im In- und Ausland Ersatz zu finden. Wissenschaftlich formuliert findet man das in einer <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/Kurzberichte\/PDF\/2024\/IW-Kurzbericht_2024-Babyboomer.pdf\">aktuellen Studie<\/a> des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Danach nimmt durch den Renteneintritt der Baby-Boomer bis 2040 das Arbeitskr\u00e4ftepotential (\u00fcber alle Qualifikationen hinweg) um etwa 7 Millionen Personen ab. Das ist eine Menge, wenn man bedenkt, dass die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten aktuell ungef\u00e4hr 34 Millionen betr\u00e4gt. In der Studie hei\u00dft es dazu:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Da das Arbeitskr\u00e4ftepotenzial im Zuge der Verrentung der Babyboomer stark sinkt, muss es entweder durch Zuwanderung vergr\u00f6\u00dfert werden, oder das bestehende Potenzial muss besser ausgesch\u00f6pft werden. [&#8230;]<\/em> <em>Eine Intensivierung der arbeitsmarktgesteuerten Zuwanderung von Fachkr\u00e4ften wurde vom Gesetzgeber durch Erleichterungen im Aufenthaltsrecht auf den Weg gebracht. Zurzeit gelingt es aber noch nicht, dies in verst\u00e4rkte Fachkr\u00e4ftezuwanderung umzusetzen. [&#8230;]. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinzu kommt, dass traditionelle osteurop\u00e4ische Herkunftsl\u00e4nder der Zuwanderung nach Deutschland erstens selbst niedrige Geburtenraten aufweisen und zweitens der Wohlstandsunterschied und damit der Migrationsanreiz mit zunehmender Konvergenz abnimmt<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gelingt das<\/em> [die Erh\u00f6hung des Arbeitskr\u00e4ftepotenzials] <em>nicht, drohen eine Abnahme des Potenzialwachstums und damit einhergehende Wohlstandsverluste [&#8230;]. <\/em>&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass der M\u00fcnchner Flughafen seine Probleme in den Griff bekommt. Die Ausbildung von arbeitssuchenden Migranten von au\u00dferhalb der EU wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Nichts anderes gilt bei der gesamtgesellschaftlichen Bew\u00e4ltigung des demografischen Wandels in den n\u00e4chsten Jahren und Jahrzehnten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Situation am M\u00fcnchner Flughafen ist seit Monaten schlecht. 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