{"id":4710,"date":"2024-10-10T16:55:45","date_gmt":"2024-10-10T16:55:45","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=4710"},"modified":"2024-10-11T11:46:59","modified_gmt":"2024-10-11T11:46:59","slug":"der-muell-und-seine-klima-kosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=4710","title":{"rendered":"Der M\u00fcll und seine (Klima-) Kosten"},"content":{"rendered":"\n<p>M\u00fcll ist kein angenehmes Thema. Keiner mag ihn, aber jeder erzeugt ihn und muss daher f\u00fcr die Entsorgung zahlen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"749\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IMG_4389-1024x749.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4740\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IMG_4389-1024x749.jpg 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IMG_4389-300x219.jpg 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IMG_4389-768x562.jpg 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IMG_4389-1536x1124.jpg 1536w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/IMG_4389.jpg 1866w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die drei M\u00fcnchner Tonnen f\u00fcr Biom\u00fcll, Restm\u00fcll und Papier (Quelle: Eigene Aufnahme)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In M\u00fcnchen werden die M\u00fcllgeb\u00fchren ab 2025 um fast 12% steigen. Warum das so ist und welche Rolle dabei der CO2-Aussto\u00df der M\u00fcnchner M\u00fcllverbrennung spielt, konnte man heute im Kommunalausschuss erfahren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In M\u00fcnchen fallen pro Jahr <a href=\"https:\/\/www.awm-muenchen.de\/fileadmin\/Dateien_pdfs\/Der_AWM_in_Zahlen.pdf\">fast 524.000 Tonnen M\u00fcll<\/a> an. Pro Einwohner sind das 329 kg. Diese Mengen m\u00fcssen entsorgt werden. Das <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/BayAbfAlG\">Bayrische Abfallwirtschaftsgesetz<\/a> legt fest, dass die st\u00e4dtischen M\u00fcllgeb\u00fchren genau so hoch sein m\u00fcssen wie die anfallenden Kosten von aktuell etwa 300 Mio EUR pro Jahr. Die Festsetzung erfolgt immer f\u00fcr einen Zeitraum von drei Jahren. Etwaige \u00dcbersch\u00fcsse in einer Periode verringern die Geb\u00fchren in der Folgeperiode.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie man in der <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8649522\">Vorlage<\/a> des Kommunalreferats zur anstehenden Geb\u00fchrenerh\u00f6hung lesen kann, gab es  von 2022 &#8211; 2024 zwar \u00dcbersch\u00fcsse von etwa 70 Mio EUR. Dennoch w\u00fcrden die Kosten der M\u00fcllentsorgung im Zeitraum von 2025 &#8211; 2027 so stark steigen, dass eine Geb\u00fchrenerh\u00f6hung um 11,98% unumg\u00e4nglich sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kommunalreferat weist zutreffend darauf hin, dass die M\u00fcnchner M\u00fcllgeb\u00fchren nach der Erh\u00f6hung immer noch niedrig sind, sowohl im Vergleich mit den Umlandgemeinden als auch mit anderen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten. So muss man beispielsweise in Augsburg f\u00fcr die 14-t\u00e4gige Leerung einer 120l Restm\u00fclltonne 380 EUR pro Jahr bezahlen, w\u00e4hrend es in M\u00fcnchen ab 2025 nur 231 EUR sein werden. Hinzukommt, dass kaum eine Stadt den M\u00fcnchner Vollservice anbietet, bei dem die M\u00fclltonnen von den M\u00fcllwerkern von ihrem Standplatz abgeholt und wieder dorthin zur\u00fcckgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch hat die M\u00fcllgeb\u00fchrenerh\u00f6hung im Ausschuss zu einer angeregten Debatte gef\u00fchrt. Und das liegt an der Begr\u00fcndung der Geb\u00fchrensteigerung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein gro\u00dfer Kostentreiber sind die Personalkosten, die aufgrund von Lohnsteigerungen um etwa 50 Mio EUR zunehmen werden. Dieser Punkt war unumstritten, da sich alle Fraktionen f\u00fcr eine attraktive Bezahlung des st\u00e4dtischen Personals ausgesprochen haben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Entsorgung des Restm\u00fclls (nach Abtrennung von verwertbaren Stoffen) erfolgt durch Verbrennung. Dabei fallen erhebliche Mengen CO2 an, ungef\u00e4hr eine Tonne CO2 pro Tonne Hausm\u00fcll. In 2019 hat der Bundestag zum Erreichen der Klimaziele den Einstieg in den sogenannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emissionsrechtehandel\">Emissionshandel<\/a> beschlossen. Der Aussto\u00df von CO2 ben\u00f6tigt deshalb CO2-Zertifikate. Deren Preise liegen aktuell bei 55 EUR pro Tonne. Ab 2027 wird sich der Preis am Markt durch freien Handel bilden. Laut Vorlage werden die durch CO2-Zertifikate verursachten Zusatzkosten bei der M\u00fcnchner M\u00fcllverbrennung im Zeitraum 2025 &#8211; 2027 auf knapp 74 Mio EUR gesch\u00e4tzt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>In der Debatte hat CSU-Stadtrat Andreas Babor nachdr\u00fccklich darauf hingewiesen, dass diese Kostensteigerung ausschlie\u00dflich eine Folge einer Entscheidung der Ampelregierung sei. In der Tat hat die Ampel das Bundesgesetz von 2019 in 2024 erg\u00e4nzt, sodass ab 2025 nicht nur die Verbrennung von Benzin, Gas oder Heiz\u00f6l CO2-Zertifikate ben\u00f6tigt, sondern auch von Restm\u00fcll.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum Restm\u00fcll auf Dauer vom Emissionshandel ausgenommen werden sollte, haben weder Herr Babor noch weitere Redebeitr\u00e4ge aus der CSU-Fraktion erkl\u00e4rt. Grunds\u00e4tzlich scheint auch die CSU CO2-Zertifikate f\u00fcr ein geeignetes Instrument im Kampf gegen den Klimawandel zu halten. So findet man in der aktuellen &#8222;<a href=\"https:\/\/www.csu.de\/common\/csu\/content\/csu\/hauptnavigation\/dokumente\/2019\/Klimastrategie_CSU.pdf\">Klimastrategie der CSU<\/a>&#8220; :<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>&#8222;Nationales Emissionshandelssystem<\/strong>: Wir wollen die Klimaziele marktwirtschaftlich erreichen, damit die Treibhausgase dort eingespart werden, wo es am kosteng\u00fcnstigsten ist. Der Emissionshandel ist daf\u00fcr ein geeignetes Instrument. So k\u00f6nnen Marktteilnehmer mit Zertifikaten das Recht erwerben, in einer bestimmten Menge CO2 auszusto\u00dfen.&#8220; <\/em> <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;<strong>Sektor\u00fcbergreifender Ansatz<\/strong>: Wir wollen den Emissionshandel sektor\u00fcbergreifend anlegen. Nur so k\u00f6nnen die Klimaziele volkswirtschaftlich effizient erreicht werden. Das gilt auch f\u00fcr die Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt.&#8220;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Warum also keine CO2-Zertifikate f\u00fcr den CO2-Aussto\u00df der M\u00fcllverbrennung? Vielleicht ist es \u00e4hnlich wie bei der Verkehrswende und anderen &#8222;gr\u00fcnen&#8220; Ma\u00dfnahmen. Grunds\u00e4tzlich ist die CSU daf\u00fcr, aber wenn es konkret wird, schreckt man vor Belastungen der eigenen W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Belastung durch steigende M\u00fcllgeb\u00fchren kann man durch bessere M\u00fclltrennung leicht entgehen. Denn hier ist &#8211; jedenfalls im Durchschnitt &#8211; noch viel Luft nach oben. In der Vorlage des Kommunalreferats findet sich eine Analyse des M\u00fclls in M\u00fcnchner Restm\u00fclltonnen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"943\" height=\"625\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/2024-10-10-1-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4743\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/2024-10-10-1-1.png 943w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/2024-10-10-1-1-300x199.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/2024-10-10-1-1-768x509.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zusammensetzung des M\u00fcnchner Restm\u00fclls (Quelle: <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8649522\">Vorlage<\/a> des Kommunalreferats)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wer in Zukunft Papier und organische Abf\u00e4lle nur in der blauen Papiertonne bzw. der braunen Biotonne entsorgt, reduziert seine M\u00fcllmenge fast um die H\u00e4lfte (46,6%). Dann kann man beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.awm-muenchen.de\/entsorgen\/formulare\/fuer-privathaushalte-und-hausverwaltungen\/tonnen-an-und-ummelden-privat-und-hausverwaltung\">mit wenigen Clicks<\/a> von einer 120l Tonne auf eine 80l Tonne wechseln. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr M\u00fcllcontainer von Mietsh\u00e4usern. <strong>Die Geb\u00fchrenersparnis liegt bei 23%<\/strong> und ist damit fast doppelt so hoch wie die jetzt angek\u00fcndigte Geb\u00fchrenerh\u00f6hung. Das lohnt sich und der CO2-Aussto\u00df der M\u00fcllverbrennung nimmt ebenfalls ab.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcll ist kein angenehmes Thema. Keiner mag ihn, aber jeder erzeugt ihn und muss daher f\u00fcr die Entsorgung zahlen. In M\u00fcnchen werden die M\u00fcllgeb\u00fchren ab 2025 um fast 12% steigen. 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