{"id":3956,"date":"2023-11-10T22:52:32","date_gmt":"2023-11-10T22:52:32","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=3956"},"modified":"2023-11-11T10:26:27","modified_gmt":"2023-11-11T10:26:27","slug":"hochwasserschutz-an-der-wuerm-eine-schwierige-aufgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=3956","title":{"rendered":"Hochwasserschutz an der W\u00fcrm &#8211; eine schwierige Aufgabe"},"content":{"rendered":"\n<p>Beim Thema Hochwasserschutz denkt man in M\u00fcnchen in erster Linie an die Isar. Mit dem Bau des Sylvensteinspeichers in den 50er Jahren ist die Gefahr durch zerst\u00f6rerische Fluten sehr viel geringer geworden. Auch die Renaturierung der Uferlandschaft in den letzten Jahrzehnten hat dazu beigetragen, dem Hochwasser auf seinem Weg durch die Stadt mehr Raum zu geben. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Isar ist nicht der einzige Fluss auf M\u00fcnchner Stadtgebiet. Vom Starnberger See kommend flie\u00dft die W\u00fcrm fast 10 km durch die M\u00fcnchner Stadtteile Pasing, Obermenzing und Allach. Anders als entlang der Isar verl\u00e4uft sie gr\u00f6\u00dftenteils durch dicht bebautes Gebiet. Ereignisse wie im Ahrtal werfen die Frage auf, welches Hochwasserrisiko hier besteht. Erste Antworten darauf und Vorschl\u00e4ge f\u00fcr einen verbesserten Hochwasserschutz findet man in der <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8063467\">Basisstudie<\/a> des Wasserwirtschaftsamts M\u00fcnchen, die am vergangenen Dienstag im Bauausschuss zusammen mit einer <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8063457\">Vorlage<\/a> des Baureferats diskutiert worden ist. Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung vorgestellt und die Vorlage kommentiert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Im Jahr 2006 hat der Freistaat die bayrischen Wasserwirtschafts\u00e4mter beauftragt, f\u00fcr alle gr\u00f6\u00dferen Fl\u00fcsse Bayerns zu untersuchen, welche Sch\u00e4den ein hundertj\u00e4hriges Hochwasser verursachen w\u00fcrde und wie hoch die Kosten f\u00fcr geeignete Schutzma\u00dfnahmen w\u00e4ren. Damit soll eine Priorit\u00e4tsliste aufgestellt werden, wo vorrangig investiert werden muss. <\/p>\n\n\n\n<p>Hochwasser an der W\u00fcrm sind durch die Pufferwirkung des Starnberger Sees gepr\u00e4gt. Das f\u00fchrt dazu, dass die Pegel mit einer Vorwarnzeit von 12 &#8211; 24h zwar vergleichsweise langsam ansteigen, aber es mehrere Tage dauert, bis das Hochwasser deutlich zur\u00fcckgeht. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"589\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image-1024x589.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3963\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image-1024x589.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image-300x173.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image-768x442.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/image.png 1455w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die dunkelblaue Linie zeigt den zeitlichen Verlauf des gr\u00f6\u00dften Hochwassers der letzten Jahre im Juli 1999. Die hellblaue Linie zeigt den daraus errechneten Verlauf f\u00fcr ein Jahrhunderthochwasser. In der Spitze flie\u00dfen dann im M\u00fcnchner Stadtgebiet mehr als 15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die W\u00fcrm. <br>(Quelle: <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8063467\">Basisstudie<\/a>) <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Folgen eines solchen Ereignisses w\u00e4ren erheblich: Von den 38 Br\u00fccken \u00fcber die W\u00fcrm w\u00e4ren 8 (!) &#8222;eingestaut&#8220;, d.h. die Wassermassen w\u00fcrde nicht mehr unter die Br\u00fccke passen. Im Ahrtal konnte man sehen, zu welchen enormen Sch\u00e4den es f\u00fchren kann, wenn eine Br\u00fccke den Fluss aufstaut und das Wasser sich einen anderen Weg sucht oder die Br\u00fccke wegrei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Anhand mehrerer Karten zeigt die Studie, welche Geb\u00e4ude vom Hochwasser direkt betroffen w\u00e4ren. Hier ein Ausschnitt aus Pasing:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"443\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Pasing.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3967\" style=\"width:329px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Pasing.png 400w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Pasing-271x300.png 271w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auswirkungen eines Jahrhunderthochwassers in Pasing. Die gr\u00fcnen Linien zeigen den Verlauf m\u00f6glicher Hochwassermauern an (siehe unten). (Quelle: <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8063467\">Basisstudie<\/a>) <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die blau schraffierten Bereiche zeigen das \u00dcberschwemmungsgebiet, die rot markierten H\u00e4user w\u00e4ren davon betroffen. Darunter befindet sich das Helios Klinikum M\u00fcnchen-Pasing. Insgesamt identifiziert die Studie <strong>116 Wohnh\u00e4user, Betriebe und \u00f6ffentliche Einrichtungen<\/strong>, die von einem Jahrhunderthochwasser der W\u00fcrm voraussichtlich besch\u00e4digt w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei solch einer Anzahl erscheint mir die in der Studie genannte potentielle Gesamtschadenssumme von etwa 18 Mio EUR viel zu gering. Dieser Betrag wird jedoch nicht allein durch die Anzahl der betroffenen Geb\u00e4ude, sondern auch durch verschiedene Risikofaktoren bestimmt, die sich anhand der Studie nicht ohne Weiteres nachvollziehen lassen. Offensichtlich wird hier ein standardisiertes Berechnungsverfahren angewendet, um die Situation an der W\u00fcrm f\u00fcr die bereits erw\u00e4hnte Priorit\u00e4tsliste mit dem Hochwasserrisiko an anderen bayrischen Fl\u00fcssen zu vergleichen. Sollte es tats\u00e4chlich zu einem Jahrhunderthochwasser kommen, liegen die realen Sch\u00e4den sicher weit h\u00f6her als die genannte Summe.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich hat das Wasserwirtschaftsamt auch verschiedene M\u00f6glichkeiten untersucht, wie der Hochwasserschutz verbessert werden k\u00f6nnte. Dazu wurde mehrere Varianten vorl\u00e4ufig betrachtet, beispielsweise eine Flutmulde, d.h. ein Entlastungsbett, mit dem das Hochwasser der W\u00fcrm in weitem Bogen um Allach herumgef\u00fchrt w\u00fcrde. Dort liegen die meisten der gef\u00e4hrdeten Geb\u00e4ude. Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re ein Polder o.\u00e4. s\u00fcdlich des M\u00fcnchner Stadtgebiets. Allerdings kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass gegenw\u00e4rtig eine Kombination aus Vergr\u00f6\u00dferungen des Flussbetts und dem Ausbau lokaler \u00dcberflutungsfl\u00e4chen zusammen mit <strong>traditionellem Hochwasserschutz durch feste und mobile Mauern<\/strong> die beste Alternative w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das konkret bedeuten k\u00f6nnte, zeigt die folgende Karte von Allach aus der Studie:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"947\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Allach-1-1024x947.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3975\" style=\"width:481px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Allach-1-1024x947.jpg 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Allach-1-300x278.jpg 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Allach-1-768x710.jpg 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Allach-1.jpg 1054w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Vorgeschlagener Verlauf der Hochwassermauern <br>(gr\u00fcne Linien) entlang der W\u00fcrm in Allach <br>(Quelle: <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/8063467\">Basisstudie<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Hochwassermauern erstrecken sich \u00fcber weite Teile des Ostufers aber auch auf dem Westufer. Dazu hei\u00dft es in der Studie:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Die neu zu errichtenden Mauern verlaufen fast ausschlie\u00dflich durch private G\u00e4rten oder \u00f6ffentliche Fl\u00e4chen, was zur Folge hat, dass die erforderliche Fl\u00e4che von den Grundst\u00fcckseigent\u00fcmern gekauft werden muss. <\/em>[&#8230;.].  <em>Nicht nur die Auswahl der Trasse f\u00fcr die Hochwasserschutzw\u00e4nde und die voraussichtlichen Widerst\u00e4nde der Anwohner k\u00f6nnen zum Problem werden, sondern ebenso der Zugang zur geplanten Trasse f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Baumaschinen kann sich an manchen Stellen als sehr aufwendig herausstellen.<\/em>&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Das zeigt das Konfliktpotential, das mit einem verbesserten Hochwasserschutz an der W\u00fcrm verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorlage des Baureferats hat meines Erachtens die in der Basisstudie festgestellten Probleme mehr oder weniger &#8222;weichgesp\u00fclt&#8220;. Aus Sicht der Baureferats kann an der W\u00fcrm der Hochwasserschutz in \u00e4hnlicher Weise wie an der Isar mit einer \u00f6kologischen Aufwertung und anderen st\u00e4dtebaulichen Zielen verbunden werden. Dazu soll eine Arbeitsgruppe des Baureferats zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;die Hochwassersituation, den Bedarf an Erholung am Fluss, die Tier- und Pflanzenwelt mit ihren Lebensr\u00e4umen, \u00d6kologie, Naturschutz sowie die stadtr\u00e4umliche Einbindung und m\u00f6gliche Entwicklungen untersuchen und an die W\u00fcrm im M\u00fcnchner Stadtgebiet angepasste und ausgewogene Entwicklungsziele formulieren. Kein Einzelziel soll dabei zu Lasten eines anderen durchgesetzt werden.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadtr\u00e4tinnen und Stadtr\u00e4te waren von diesem Arbeitsauftrag, insbesondere der Bezugnahme auf die erfolgreich renaturierte Isar, begeistert und haben der Vorlage ohne Ausnahme zugestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus meiner Sicht bleibt abzuwarten, wie gut &#8211; aber auch wie schnell &#8211; es gelingt, die widerstreitenden Interessen eines wirksamen Hochwasserschutzes, der Naherholung und der \u00d6kologie an der W\u00fcrm unter einen Hut zu bekommen. Zu hoffen bleibt, dass der Testfall des Jahrhunderthochwassers nicht schon eintritt, bevor diese anspruchsvolle Aufgabe gel\u00f6st worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Thema Hochwasserschutz denkt man in M\u00fcnchen in erster Linie an die Isar. Mit dem Bau des Sylvensteinspeichers in den 50er Jahren ist die Gefahr durch zerst\u00f6rerische Fluten sehr viel geringer geworden. Auch die Renaturierung der Uferlandschaft in den letzten Jahrzehnten hat dazu beigetragen, dem Hochwasser auf seinem Weg durch die Stadt mehr Raum zu &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=3956\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eHochwasserschutz an der W\u00fcrm &#8211; eine schwierige Aufgabe\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-3956","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bauausschuss"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3956"}],"version-history":[{"count":29,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3956\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3990,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3956\/revisions\/3990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}