{"id":3781,"date":"2023-07-20T07:54:40","date_gmt":"2023-07-20T07:54:40","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=3781"},"modified":"2023-07-20T08:02:20","modified_gmt":"2023-07-20T08:02:20","slug":"auf-den-brennstoff-kommt-es-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=3781","title":{"rendered":"Auf den Brennstoff kommt es an!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Jahren sind die Feinstaubbelastungen in M\u00fcnchen <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2141\">immer weiter zur\u00fcckgegangen<\/a>. Vor kurzem war der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-diesel-fahrverbot-gruene-spd-euro-5-1.5877260\">Presse zu entnehmen<\/a>, dass die urspr\u00fcnglich geplante zweite Stufe beim Verbot alter Dieselfahrzeuge innerhalb des Mittleren Rings nicht mehr in Kraft gesetzt wird, da die gesetzlichen Grenzwerte auch an vielbefahrenen Stra\u00dfen kaum noch \u00fcberschritten werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist damit alles gut? Ganz und gar nicht, denn die geltenden Grenzwerte  liegen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr\/who-luftverschmutzung-111.html\">viel zu hoch<\/a>. Seit 2001 hat die WHO ihre  Empfehlungen deutlich versch\u00e4rft (teilweise um einen Faktor vier), ohne dass darauf von der EU oder der Bundesregierung reagiert worden ist. Die aktuellen Schadstoffbelastungen gehen jedoch nicht nur von alten Dieselfahrzeugen aus, sondern auch von Kamin\u00f6fen, die sich in Zeiten unsicherer und teurer Gasversorgung gro\u00dfer Beliebtheit erfreuen. In diesem Zusammenhang hat eine B\u00fcrgerversammlung des Stadtbezirks Pasing-Obermenzing im M\u00e4rz gefordert, die Vorschriften f\u00fcr Holzfeuerungsanlagen in M\u00fcnchen zu versch\u00e4rfen. F\u00fcr die Sitzung des Ausschusses f\u00fcr Klima und Umwelt am vergangenen Dienstag hat die Verwaltung daraufhin eine <a href=\"https:\/\/risi.muenchen.de\/risi\/dokument\/v\/7819289\">Vorlage<\/a> erarbeitet, in der ausgef\u00fchrt wird, warum keine \u00c4nderungen erforderlich seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, welche Vorschriften f\u00fcr Kamin\u00f6fen in M\u00fcnchen aktuell gelten und wie die verbleibenden Schadstoffbelastungen deutlich verringert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine erste Frage ist, welchen Anteil Kamin\u00f6fen an den Schadstoffen in der Luft haben. Die Vorlage liefert dazu leider keine Zahlen f\u00fcr M\u00fcnchen, verweist aber auf eine detaillierte Studie aus Augsburg und Auswertungen des Landesamts f\u00fcr Umwelt. Danach sind <strong>20% &#8211; 24% der Belastungen<\/strong> mit Feinstaubpartikeln auf sogenannte private Einzelfeuerungsanlagen, d.h. Kamin\u00f6fen und Heizungsherde, zur\u00fcckzuf\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In M\u00fcnchen gibt es seit 1999 eine kommunale Verordnung, die den Betrieb solcher Anlagen regelt. Die <a href=\"https:\/\/stadt.muenchen.de\/dam\/jcr:fa56308b-6088-44d5-9a10-58fb9d99ec1e\/bstv.pdf\">aktuelle Fassung<\/a> ist von 2014. Dieses Dokument ist nicht ganz einfach zu lesen, aber die wichtigsten Vorschriften lassen sich in etwa so zusammenfassen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Neue \u00d6fen m\u00fcssen die aktuellen Grenzwerte der <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bimschv_1_2010\/\">Bundesimmissionsschutzverordnung<\/a> (BImSchV) einhalten, d.h. <strong>&lt; 0,02 g\/m\u00b3<\/strong> Feinstaub im Abgasstrom. Nachgewiesen werden kann das durch entsprechende Angaben des Herstellers auf dem Typenschild.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>F\u00fcr \u00e4ltere Kamin\u00f6fen gilt ein h\u00f6herer Grenzwert von <strong>0,04 g\/m\u00b3<\/strong>. Ger\u00e4te, die nicht einmal diesen Grenzwert schaffen, d\u00fcrfen seit Dezember 2018 in M\u00fcnchen nicht mehr betrieben werden. Damit sind die in M\u00fcnchen geltenden \u00dcbergangsvorschriften in doppelter Hinsicht strenger als die bundesweit geltenden Regeln: Denn zum einen m\u00fcssen Altanlagen danach erst Ende 2024 stillgelegt werden. Zum anderen ist ein Weiterbetrieb von alten \u00d6fen bereits dann erlaubt, wenn nicht der M\u00fcnchner Grenzwert von 0,04 g\/m\u00b3, sondern nur der h\u00f6here Wert von 0,1 g\/m\u00b3 eingehalten wird.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun k\u00f6nnte man meinen, dass vor diesem Hintergrund in der Tat kein Handlungsbedarf mehr besteht. So haben es auch die Mitglieder des Ausschusses gesehen und die Vorlage ohne Debatte einfach durchgewunken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem liegt aber &#8211; \u00e4hnlich wie bei Dieselfahrzeugen &#8211; im Unterschied zwischen den theoretischen Emissionswerten eines Kaminofens und dem realen Schadstoffaussto\u00df. Allerdings ist hier keine geheime Steuersoftware verantwortlich, sondern die Restfeuchte im Brennholz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stiftung Warentest hat auf dieses Problem bereits 2011 in einem l\u00e4ngeren <a href=\"https:\/\/www.test.de\/Kaminholz-Vorsicht-vor-feuchtem-Holz-4301999-0\/\">Artikel <\/a>hingewiesen, aus dem die folgende Abbildung stammt:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023-07-19-1024x666.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3799\" width=\"512\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023-07-19-1024x666.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023-07-19-300x195.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023-07-19-768x499.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023-07-19.png 1426w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abh\u00e4ngigkeit der Feinstaubemissionen von der Restfeuchte <br>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.test.de\/Kaminholz-Vorsicht-vor-feuchtem-Holz-4301999-0\/\">Stiftung Warentest<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie man aus dem Schaubild ungef\u00e4hr absch\u00e4tzen kann, erf\u00fcllt Ofen 1 bei der Verwendung von optimal trockenem Holz die strengen M\u00fcnchner Grenzwerte f\u00fcr Neuger\u00e4te (etwa 20 Milligramm pro m\u00b3 = 0,02 g\/m\u00b3). Aber auch dieser Ofen st\u00f6\u00dft schon bei einer Restfeuchte von 25% die <strong>zehnfache Menge an Feinstaub<\/strong> aus. Dabei muss man wissen, dass eine Restfeuchte von 25% gerade noch erlaubt ist, auch in M\u00fcnchen. Ist die Restfeuchte noch h\u00f6her, beispielsweise wenn das Holz vor dem Verfeuern zu kurz gelagert worden ist, steigen die Feinstaubwerte weiter an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bestimmung der Restfeuchte erfordert ein spezielles Messger\u00e4t und m\u00fcsste theoretisch bei jedem Holzscheit erfolgen, um eine saubere Verbrennung zu garantieren. Das passiert nat\u00fcrlich nicht. Im Gegenteil, in Zeiten gro\u00dfer Nachfrage nach Holzbrennstoffen, wie beispielsweise im letzten Winter, ist durchaus damit zu rechnen, dass auch Holz mit einer Restfeuchte von mehr als 25% verkauft und verbrannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie k\u00f6nnte man das verhindern? Aus meiner Sicht w\u00e4re die einfachste L\u00f6sung, das Verbrennen von Scheitholz in M\u00fcnchner Kamin\u00f6fen zu untersagen (im l\u00e4ndlichen Raum ist die Feinstaubbelastung viel geringer). Denn es gibt eine einfache und \u00fcberall erh\u00e4ltliche Alternative: Holzbriketts, die aus miteinander verpressten S\u00e4gesp\u00e4nen hergestellt werden. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023-07-19-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3805\" width=\"336\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023-07-19-1.png 672w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023-07-19-1-300x214.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 336px) 100vw, 336px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Typische Holzbriketts f\u00fcr einen Kaminofen <br>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bauhaus.at\/brennholz-briketts\/holzbriketts\/p\/26803162\">BAUHAUS<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Herstellungsprozess ist ein industriell genormter Vorgang und f\u00fchrt zu einem Brennstoff mit Restfeuchten im Bereich &lt; 10%. Damit reduzieren sich die Feinstaubwerte ganz erheblich, vgl. das obige Schaubild. Preislich gibt es nach meiner eigenen Erfahrung kaum Unterschiede zwischen Kaminholz und Holzbriketts. Der einzig wirkliche Unterschied ist das fehlende &#8222;Knacken&#8220; beim Verbrennen. Genau dies wird aber <a href=\"https:\/\/www.wissenschaft-im-dialog.de\/projekte\/wieso\/artikel\/beitrag\/warum-knackt-holz-beim-verbrennen\/\">durch die Restfeuchte im Holz verursacht<\/a>, die zu den erh\u00f6hten Feinstaubemissionen f\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Brennstoffe in einem Kaminofen verbrannt werden d\u00fcrfen, wird in <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bimschv_1_2010\/__3.html\">\u00a73<\/a> BImSchV geregelt. Ob die Stadt M\u00fcnchen mit ihrer eigenen Brennstoffverordnung weitergehende Einschr\u00e4nkungen vornehmen k\u00f6nnte, wei\u00df ich nicht. Sinnvoll w\u00e4re es, um in Zukunft nicht nur die gesetzlichen Grenzwerte der Feinstaubbelastung, sondern auch die strengeren Anforderungen der WHO f\u00fcr eine saubere Luft in M\u00fcnchen zu erf\u00fcllen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren sind die Feinstaubbelastungen in M\u00fcnchen immer weiter zur\u00fcckgegangen. Vor kurzem war der Presse zu entnehmen, dass die urspr\u00fcnglich geplante zweite Stufe beim Verbot alter Dieselfahrzeuge innerhalb des Mittleren Rings nicht mehr in Kraft gesetzt wird, da die gesetzlichen Grenzwerte auch an vielbefahrenen Stra\u00dfen kaum noch \u00fcberschritten werden. Ist damit alles gut? &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=3781\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAuf den Brennstoff kommt es an!\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-3781","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-klima-und-umweltausschuss"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3781","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3781"}],"version-history":[{"count":36,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3781\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3821,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3781\/revisions\/3821"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}