{"id":295,"date":"2020-07-07T23:30:40","date_gmt":"2020-07-07T23:30:40","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=295"},"modified":"2020-07-08T15:33:31","modified_gmt":"2020-07-08T15:33:31","slug":"corona-und-die-folgen-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=295","title":{"rendered":"Corona und die Folgen (II)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende Mai ist <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=176\">hier<\/a> ein erster Bericht zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona Krise f\u00fcr M\u00fcnchen erschienen. In der heutigen Sitzung des Ausschusses f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft erfolgte eine weitere Anh\u00f6rung der Verbandsvertreter aus Handwerk, Handel und Gastronomie \u00fcber ihre aktuelle wirtschaftliche Lage, gefolgt von einer Diskussion der Ausschussmitglieder \u00fcber die verschiedenen Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen der Stadt M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gute Nachricht vorweg: Das M\u00fcnchner Handwerk scheint von der Corona Krise nicht im Geringsten betroffen zu sein. Jedenfalls waren die einzigen Probleme, auf die der Vertreter der Handwerkskammer in seinem Referat hinweisen mochte, die fehlenden Parkpl\u00e4tze und die Staus bei der Anfahrt zu Kunden in der Innenstadt. Offensichtlich Business as usual und keine wirklichen Schwierigkeiten, weder bei der Auftragslage noch bei den Lieferketten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz anders die Lage im Handel und in der Gastronomie. Hier sieht es wirklich schlimm aus. Die klassischen St\u00e4rken der Stadt M\u00fcnchen verkehren sich momentan in ihr Gegenteil und machen eine schnelle wirtschaftliche Erholung besonders schwierig. Warum ist das so ? Drei Gr\u00fcnde:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens wurde vor Corona der Umsatz der Gesch\u00e4fte und Lokale in M\u00fcnchen, insbesondere in der Innenstadt, zu einem erheblichen Teil durch internationalen Tourismus getragen. Kaufkr\u00e4ftige Asiaten, Amerikaner oder Araber fallen jedoch bis auf Weiteres komplett aus, auch wenn die Infektionslage in Deutschland sich inzwischen enorm verbessert hat. Daran kann auch eine noch so engagierte Stadtverwaltung nichts \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens hat auch der nationale St\u00e4dtetourismus seit dem Ende des Lockdowns kaum angezogen. Ein Hotelier sprach von Auslastungsquoten (nicht Umsatzr\u00fcckg\u00e4ngen!) zwischen 15% und 20%. Damit unterscheidet sich die Lage in M\u00fcnchen fundamental vom umgebenden Oberbayern, wo die Hotels  inzwischen laut Verbandsvertreter wieder gut besucht sind. Shopping-Wochenenden in M\u00fcnchen erscheinen immer noch vielen B\u00fcrgern als ein riskantes Unterfangen, auch wegen der immer wieder warnenden Kommunikation der bayrischen Staatsregierung, wie von einigen Verbandsvertretern zu h\u00f6ren war. Ebenso wird die inzwischen umstrittene Maskenpflicht im Einzelhandel als sp\u00fcrbare Umsatzbremse empfunden. Auch das ein Aspekt, den die Politik des M\u00fcnchner Stadtrates nicht beeinflussen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens hat es bislang ein aktives Stadtmarketing kaum gegeben, da M\u00fcnchen nach den Worten eines Verbandsvertreters ein &#8222;Selbstl\u00e4ufer&#8220; war. Gezielte Werbeaktionen, um Kunden aus dem Umland zum Einkaufen nach M\u00fcnchen zu locken, gibt es bislang nicht. Und nur da, im weiten M\u00fcnchner Umland, besteht die Chance in absehbarer Zukunft zus\u00e4tzliche Kaufkraft abzusch\u00f6pfen, die der Handel und die Gastronomie in M\u00fcnchen dringend braucht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ansonsten drohen zahlreiche Insolvenzen und eine ver\u00f6dete Innenstadt wie man sie bislang nur aus dem Ruhrgebiet kennt. Wie in der Sitzung berichtet wurde, hat mit &#8222;Jeans Kaltenbach&#8220; gerade ein weiteres M\u00fcnchner Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet. Die Gefahr einer dauerhaften Besch\u00e4digung der gesamten innerst\u00e4dtischen Wirtschaftsstruktur ist daher ganz real.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das zu verhindern, hat das Referat f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft unter dem bereits bekannten Schlagwort &#8222;Sommer in der Stadt&#8220; dem Ausschuss eine Vorlage pr\u00e4sentiert, mit der f\u00fcr die Sommermonate eine Vielzahl von Aktionen auf kleinen und gro\u00dfen Pl\u00e4tzen der Stadt angek\u00fcndigt werden. Das gilt auch f\u00fcr die Theresienwiese, die \u00fcber den Sommer zu einer Art Open-Air-Location umfunktioniert wird. Auch der  Circus Krone wird dort pr\u00e4sent sein. Die Hoffnung ist, dass es zusammen mit den <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=274\">vom Kulturreferat geplanten Konzerten etc.<\/a> gelingt, Besucher nicht nur aus M\u00fcnchen sondern auch aus dem Umland f\u00fcr die (Innen-)Stadt zu begeistern und damit beim Handel und der Gastronomie Ums\u00e4tze zu generieren, die weitere Insolvenzen in gro\u00dfem Stil verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den Stadtr\u00e4ten st\u00f6\u00dft dieses Konzept auf eine breite Zustimmung und wurde daher am Ende der Diskussion einstimmig beschlossen. Allerdings gibt es in Teilbereichen durchaus strittige Punkte, die noch zu entscheiden sind:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sind bislang an Sonntagen offene Gesch\u00e4fte des Einzelhandels ebenso verboten wie ge\u00f6ffnete Souvenirst\u00e4nde. Beide Beschr\u00e4nkungen k\u00f6nnten fallen, wenn &#8211; an sich richtige &#8211; Bedenken insbesondere der SPD-Stadtr\u00e4te zur\u00fcckgestellt werden. In der Abw\u00e4gung erscheint mir das f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum durchaus gerechtfertigt. Es liegt auch im Interesse der Mitarbeiter akut von Insolvenz bedrohter Betriebe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verkehrsfrage ist ungleich schwieriger. Wie bereits berichtet, hat Corona zu einem nachhaltigen Einbruch der Fahrgastzahlen im \u00d6PNV gef\u00fchrt, zugunsten  des Radverkehrs aber eben auch des Autoverkehrs. Letzterer hat nat\u00fcrlich f\u00fcr die dringend erw\u00fcnschten Kunden aus dem Umland eine wesentliche Bedeutung. Hier braucht es einen umfassenden Ansatz:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst ist es an der Zeit, den B\u00fcrgern die Angst vor der Benutzung des \u00d6PNV zu nehmen. Mir sind keine Erkenntnisse dar\u00fcber bekannt, dass bei den niedrigen Infektionszahlen und bestehender Maskenpflicht 20 Minuten S-Bahnfahrt ein substantielles Infektionsrisiko darstellen. Millionenst\u00e4dte in vergleichbarer Situation wie Tokio oder Seoul zeigen, dass die Benutzung \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel in gro\u00dfem Stil m\u00f6glich ist, ohne dass das Infektionsgeschehen wieder aufflammt. Wenn \u00fcberhaupt, sind dort neue Infektionscluster an anderen Stellen entstanden, beispielsweise in Bars oder Clubs. Es w\u00e4re daher an der Zeit, dass die M\u00fcnchner Verkehrsbetriebe &#8211; nat\u00fcrlich mit wissenschaftlicher Unterst\u00fctzung &#8211; hierzu eine eigene Untersuchung starten und danach eine Aufkl\u00e4rungskampagne, um den anhaltenden Bedenken der B\u00fcrger entgegenzutreten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine kurzfristige Umstellung der Verkehrspolitik, um sowohl den Radverkehr als auch den Autoverkehr aus dem Umland in die Stadt zu f\u00f6rdern, erscheint mir unm\u00f6glich. Man kann den Quadratmeter Stra\u00dfenraum nur einmal verteilen und Gleisanlagen lassen sich kurzfristig weder als Radwege noch als Stra\u00dfen nutzen. Allerdings ist die Notwendigkeit der gro\u00dfen Anzahl an Baustellen in der Stadt  &#8211; wie von mehreren Verbandsvertretern angeregt &#8211; durchaus zu hinterfragen. W\u00e4re es nicht m\u00f6glich, hier einen (teilweisen) Baustopp f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate zu verh\u00e4ngen, selbst wenn sich dann das eine oder andere Projekt verz\u00f6gert ?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich ist Kreativit\u00e4t gefragt, um einerseits den gew\u00fcnschten Kunden eine Anreise mit dem Auto zu erm\u00f6glichen und andererseits die Stra\u00dfen der (Innen-) Stadt nicht zu verstopfen. Denkbar w\u00e4re ein &#8222;Park and Bike&#8220; Konzept, bei dem Besuchern an gr\u00f6\u00dferen Parkpl\u00e4tzen am Stadtrand Leihfahrr\u00e4der (oder E-Scooter) angeboten werden, um damit M\u00fcnchen zu erkunden. Die Stadtwerke mit ihren zahlreichen Leihr\u00e4dern k\u00f6nnten das kurzfristig umsetzen. Jedenfalls ein Teil der erhofften St\u00e4dtetouristen f\u00e4nde es sicher ganz attraktiv, in den Sommermonaten M\u00fcnchen per Rad zu erkunden. Kombiniert mit einem Gutschein f\u00fcr die Gastronomie k\u00f6nnte so eine Aktion ein richtiger Erfolg des Stadtmarketings werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Kampf um den Erhalt der M\u00fcnchner Innenstadt, so wie wir sie kennen und sch\u00e4tzen, gerade erst begonnen hat. Irgendwann ist auch der l\u00e4ngste Sommer in der Stadt zu Ende und ich glaube nicht, dass der Virus p\u00fcnktlich zum Herbstanfang verschwunden ist. Das Thema bleibt uns weiter erhalten und ich werde voraussichtlich noch in weiteren Folgen dazu berichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende Mai ist hier ein erster Bericht zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona Krise f\u00fcr M\u00fcnchen erschienen. 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