{"id":2874,"date":"2022-10-20T12:32:28","date_gmt":"2022-10-20T12:32:28","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2874"},"modified":"2022-10-24T10:14:39","modified_gmt":"2022-10-24T10:14:39","slug":"hohe-preise-sichere-versorgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2874","title":{"rendered":"Hohe Preise &#8211; sichere Versorgung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Thema Gaspreise kommt jetzt bei allen M\u00fcnchner Gaskunden an. Die neuen Tarife ab dem 1. Januar 2023 sind in einem Preisblatt der Stadtwerke zusammengefasst, das vor wenigen Tagen ver\u00f6ffentlicht worden ist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-2-1024x816.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2877\" width=\"512\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-2-1024x816.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-2-300x239.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-2-768x612.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-2.png 1292w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit steigt f\u00fcr typische Gasverbraucher im Vollversorgungstarif der Preis pro Kilowattstunde auf etwa 21,09 Cent. Das ist in etwa eine Steigerung auf das <strong>Doppelte der aktuellen Preise<\/strong>. Und doch wird damit noch nicht einmal die H\u00e4lfte der langfristigen Preissteigerungen f\u00fcr Erdgas an die M\u00fcnchner Kunden weitergegeben. Warum das so ist, hat Dr. Florian Bieberbach, der Vorsitzende der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Stadtwerke (SWM),  am Dienstag in einem bemerkenswerten Vortrag im Ausschuss f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft erl\u00e4utert. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus werden im Folgenden zusammengefasst und diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangspunkt der Ausf\u00fchrungen von Herrn Dr. Bierbach war die Entwicklung am  Terminmarkt f\u00fcr Erdgas.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"695\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-3-1024x695.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2884\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-3-1024x695.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-3-300x204.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-3-768x521.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-19-3.png 1396w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Quelle: <a href=\"https:\/\/buv-consulting.de\/aktuelle-gaspreisentwicklung\/\">buv-consulting.de<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier werden Preise f\u00fcr Gaslieferungen in der Zukunft ausgehandelt. So zeigt z.B. die rote Kurve die Preisentwicklung in 2021 f\u00fcr Lieferungen in 2022 und die dunkelblaue Kurve die Preisentwicklung von Anfang 2021 bis heute f\u00fcr Gaslieferungen in 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr gro\u00dfe Gasversorger wie die Stadtwerke M\u00fcnchen ist dieser Terminmarkt entscheidend. Denn das an die Endkunden gelieferte Gas wird in aller Regel mehrere Jahre im Voraus eingekauft und daraus der Endkundenpreis berechnet. Das aktuell an die M\u00fcnchner Gaskunden von den SWM gelieferte Gas ist also bereits in 2020 oder 2021 eingekauft worden und damit noch zu vergleichsweise niedrigen Preisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun k\u00f6nnte man auf den ersten Blick denken, dass eigentlich alles auf einem guten Weg ist, da die Gaspreise seit Ende August 2022 deutlich r\u00fcckl\u00e4ufig sind. Das ist jedoch &#8211; so Dr. Bieberbach &#8211; nur die halbe Wahrheit. Tats\u00e4chlich zeigt ein genauerer Blick auf die Preise des Terminmarktes f\u00fcr die Jahre 2024 &#8211; 2026, dass seit etwa f\u00fcnf Wochen kaum noch Ver\u00e4nderungen zu erkennen sind. Betrachtet man beispielsweise das Lieferjahr 2025, hat sich das Preisniveau bei ca.  85 EUR \/ MWh eingependelt. Das ist <strong>immer noch mehr als das F\u00fcnffache des Ausgangsniveaus von Anfang 2021<\/strong> von etwa 15 EUR \/ MWh.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit zeigt sich die ganze Dramatik des Problems: Selbst wenn den Stadtwerken eine perfekte Einkaufsstrategie gelingt, mit der die enormen Preisausschl\u00e4ge im obigen Diagramm vermieden werden, wird das Gas in den kommenden Jahren im Einkauf f\u00fcnfmal so teuer wie vor der Krise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Woher kommt dieser enorme Preisanstieg? Laut Dr. Bieberbach war der bisherige Verlauf der Gaspreise durch den russischen Lieferstopp Mitte 2022, die damit verbundenen Unsicherheiten, und durch die Einkaufsstrategie der europ\u00e4ischen L\u00e4nder bestimmt, die unbedingt ihre Speicher f\u00fcllen wollten und daf\u00fcr alle anderen Kunden im Markt \u00fcberboten haben. Lieferungen von billigem russischen Erdgas  wurden durch teures LNG-Gas ersetzt, das Deutschland in den letzten Monaten \u00fcber Leitungen aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich erreicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen sind die Speicher allerdings gut gef\u00fcllt, sodass diese Sondernachfrage wegf\u00e4llt. Die Preise haben sich daher seit einigen Wochen auf einem Niveau eingependelt, das auch andere Verbraucher, insbesondere in Japan und S\u00fcdkorea, f\u00fcr LNG zahlen. Deutliche R\u00fcckg\u00e4nge sind hier nicht mehr zu erwarten. LNG ist durch die erforderliche Infrastruktur (Verfl\u00fcssigung, Schiffe und Terminals) eben viel teurer als das Erdgas aus Russland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bedeutet das f\u00fcr Gasverbraucher in M\u00fcnchen? Die Antwort ist ganz einfach: G\u00e4be es keine Gaspreisbremse, m\u00fcssten wir jedenfalls mittelfristig nicht doppelt so viel, sondern ungef\u00e4hr f\u00fcnfmal mehr f\u00fcr Gas bezahlen als Anfang 2021. Keine angenehme Vorstellung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ab M\u00e4rz 2023 wirksame Subventionsmechanismus reduziert jedoch den Preis f\u00fcr Endkunden auf 12 Cent \/KWh f\u00fcr 80% des bisherigen Verbrauches. Bei der Umsetzung der Gaspreisbremse in M\u00fcnchen gibt es, so Dr. Bieberbach, noch jede Menge Detailfragen. Das betrifft beispielsweise Neub\u00fcrger, die gerade erst zugezogen sind und daher keine Verbrauchswerte aus den Vorjahren haben, oder auch Kunden, die von anderen Gasanbietern zu den Stadtwerken wechseln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mir stellt sich allerdings eine ganz andere Frage. Nach den Preisen im oben gezeigten Terminmarkt wird Gas auch in 2025 und 2026 etwa 60 &#8211; 85 EUR \/ MWh kosten. Die mit 200 Milliarden (dem &#8222;Doppelwumms&#8220;) finanzierte Gaspreisbremse reicht aber nur bis Anfang 2024. Was dann? Soll der Staat auf Dauer die Gaspreise mit dreistelligen Milliardenbetr\u00e4gen subventionieren? Zum Vergleich, der gesamte Bundeshaushalt betr\u00e4gt ca. 500 Milliarden Euro. Ich glaube nicht, dass das auf Dauer durchzuhalten ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die hohen Gaspreise sind wie das Coronavirus ein Problem, das nicht einfach wieder verschwindet. Mit einer Gaspreisbremse kann man zwar wie mit einem Lockdown etwas Zeit kaufen, um \u00dcberlastungen zu vermeiden. Mittel- und langfristig muss die Gesellschaft jedoch immun werden gegen die hohen Gaspreise. Leider gibt es f\u00fcr letztere keine Impfung. Helfen wird nur Sparen, Geb\u00e4uded\u00e4mmung sowie der Umstieg auf andere Energiequellen sowohl f\u00fcr die W\u00e4rmeversorgung als auch in Gewerbe und Industrie. Das wird sehr teuer und schwierig werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle Situation bei den Strompreisen ist, so Dr. Bieberbach, nur unwesentlich besser. Auch dazu wurden im Ausschuss Daten pr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"701\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-20-1024x701.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2900\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-20-1024x701.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-20-300x205.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-20-768x526.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-10-20.png 1087w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Quelle: <a href=\"https:\/\/buv-consulting.de\/aktuelle-gaspreisentwicklung\/\">buv-consulting.de<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausschl\u00e4ge der Preiskurve f\u00fcr Stromlieferungen folgen ziemlich genau den oben gezeigten Gaspreisen. Das liegt daran, dass im Strommarkt die Preisfindung nach dem &#8222;Merit-Order-Prinzip&#8220; stattfindet. Das muss man nicht im Detail verstehen. Entscheidend ist, dass die teuerste  Stromerzeugung den Preis bestimmt.  Und damit sind wir wieder beim Gas. Denn wenn auch der meiste Strom in Deutschland aus regenerativen Energien, Braunkohle und Steinkohle erzeugt wird, braucht es immer noch ein paar Gigawatt aus der Verstromung von Erdgas. Das liegt insbesondere an den Stromexporten nach Frankreich, wo aktuell mehr als die H\u00e4lfte aller Atomkraftwerke nicht in Betrieb ist. Im Ergebnis treibt die Erdgasverstromung die Strompreise enorm in die H\u00f6he. Das Diagramm oben zeigt, dass beispielsweise Vertr\u00e4ge f\u00fcr Strom in 2025 seit einigen Wochen <strong>etwa das Vierfache kosten wie Anfang 2021<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Dauer scheint mir beim Strom die Perspektive aber deutlich besser zu sein als beim Gas. Denn mittelfristig werden viele der defekten Atomkraftwerke in Frankreich wieder ans Netz gehen und auch der Ausbau der billigen (!) erneuerbaren Energien in Deutschland wird jedenfalls langfristig dazu f\u00fchren, dass immer weniger Gas verstromt werden muss. Damit wird sich der Strompreis wieder vom Gaspreis entkoppeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab auch gute Nachrichten vom Leiter der Stadtwerke. So sch\u00e4tzt er das Risiko eines Blackouts in M\u00fcnchen in diesem Winter nicht gr\u00f6\u00dfer ein als in der Vergangenheit. Und wirtschaftlich scheinen die hohen Gas- und Strompreise den SWM keine gr\u00f6\u00dferen Probleme zu bereiten. Das liegt wohl daran, dass die SWM im Energiemarkt nicht nur als H\u00e4ndler auftreten, sondern auch auf der Erzeugerseite vielf\u00e4ltig investiert sind. So geh\u00f6ren den Stadtwerken 25% des weiterlaufenden Atomkraftwerks Isar 2, Anteile an einem britischen Gasfeld und Beteiligungen an mehreren Windparks. Gewinne aus diesen Unternehmungen erm\u00f6glichen nicht zuletzt die Finanzierung eines Notfallfonds, der laut Dr. Bieberbach von den SWM mit 20 Millionen Euro ausgestattet wird. Damit sollen M\u00fcnchner Haushalte, die ihre Gas- und Stromrechnungen nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen, in enger Abstimmung mit dem Sozialreferat unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Gaspreise kommt jetzt bei allen M\u00fcnchner Gaskunden an. Die neuen Tarife ab dem 1. Januar 2023 sind in einem Preisblatt der Stadtwerke zusammengefasst, das vor wenigen Tagen ver\u00f6ffentlicht worden ist. Damit steigt f\u00fcr typische Gasverbraucher im Vollversorgungstarif der Preis pro Kilowattstunde auf etwa 21,09 Cent. 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