{"id":282,"date":"2020-07-03T11:23:36","date_gmt":"2020-07-03T11:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=282"},"modified":"2020-07-03T11:38:29","modified_gmt":"2020-07-03T11:38:29","slug":"solaranlagen-auf-mietshaeusern-ein-modernes-bermudadreieck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=282","title":{"rendered":"Solaranlagen auf Mietsh\u00e4usern &#8211; ein modernes Bermudadreieck"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Notwendigkeit der Energiewende ist inzwischen eine Binsenweisheit. Aber immer dann, wenn es um die konkrete Umsetzung geht, treten Schwierigkeiten auf. Neue Windkraftanlagen an Land werden kaum noch genehmigt und die Stromleitungen aus Norddeutschland will auch niemand in seiner N\u00e4he haben. Solarparks auf der gr\u00fcnen Wiese sind zwar kosteng\u00fcnstig, haben aber einen hohen Fl\u00e4chenverbrauch. Einzig Solaranlagen auf Dachfl\u00e4chen sind weitgehend akzeptiert und sto\u00dfen kaum auf Widerstand der Anwohner. Da sollte man doch meinen, dass in M\u00fcnchen die Anzahl der Solaranlagen auf den D\u00e4chern der Stadt rasant steigen m\u00fcsste. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedoch sieht M\u00fcnchen von oben \u00fcber weite Teile immer noch so aus:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"962\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-1024x962.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-283\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-1024x962.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-300x282.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-768x721.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02.png 1067w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Eine typische M\u00fcnchner Dachlandschaft, hier aus Sendling (Quelle: Google Maps)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in ganz neuen Stadtteilen wie der Messestadt Riem ist es nicht besser:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"951\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-1-1024x951.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-284\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-1-1024x951.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-1-300x279.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-1-768x713.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-1.png 1110w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>D\u00e4cher in der Messestadt Riem (Quelle: Google Maps)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solaranlagen findet man beim Blick auf M\u00fcnchen von oben etwa so h\u00e4ufig wie Eier an Ostern. Es gibt sie, aber man muss sie ernsthaft suchen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ist das so ? Die einfache Antwort lautet: Es liegt an der Eigent\u00fcmerstruktur. W\u00e4hrend die Stadt auf eigenen Geb\u00e4uden, beispielsweise Schulen, regelm\u00e4\u00dfig Solaranlagen installiert und auch auf vielen Privath\u00e4usern  Solarstrom erzeugt wird, hinkt der Ausbau auf den gro\u00dfen Dachfl\u00e4chen von  Mietsh\u00e4usern deutlich hinterher. Und das gilt auch f\u00fcr die Geb\u00e4ude der st\u00e4dtischen Wohnungsbaugesellschaften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist daher zu begr\u00fc\u00dfen, dass die Gr\u00fcnen und die CSU Anfang 2019 einen <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/ANTRAG\/5339228.pdf\">Antrag<\/a> im Stadtrat eingebracht haben, der an Klarheit kaum zu \u00fcberbieten ist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<em>Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, um auf den D\u00e4chern der st\u00e4dtischen Wohnungsbaugesellschaften Photovoltaikanlagen zu errichten und dabei die Mieterinnen und Mieter bzw. die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Stadt mit einzubeziehen. Die Zielvorgabe dabei ist<br>\u2022 auf <strong>allen Neubauvorhaben PV-Anlagen zu installieren<\/strong> und<br>\u2022 <strong>j\u00e4hrlich auf 10% der Bestandsgeb\u00e4ude PV-Anlagen nachzur\u00fcsten<\/strong>.<br><strong>Bis 2030 soll der <\/strong><\/em><strong><em>gesamte Bestand an Wohngeb\u00e4uden der GWG und GEWOFAG mit PV-Anlagen ausger\u00fcstet sein<\/em>.<\/strong>&#8220;  (Hervorhebung hinzugef\u00fcgt)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Sitzung des Stadtplanungsausschusses vom vergangenen Mittwoch wurde dieser Antrag behandelt. Der daraufhin ergangene <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/TOP\/6102209.pdf\">Beschluss<\/a> erscheint mir jedoch v\u00f6llig verw\u00e4ssert, so dass auch in Zukunft nicht mit einem schnellen Ausbau der Solarenergie auf den D\u00e4chern der M\u00fcnchner Wohnungsbaugesellschaften zu rechnen ist. Um zu erkl\u00e4ren, warum das so ist, muss ich etwas l\u00e4nger ausholen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grunds\u00e4tzlich befassen sich die Verwaltung und die Stadtwerke M\u00fcnchen schon l\u00e4nger mit diesem Thema, auch aufgrund fr\u00fcherer Antr\u00e4ge aus dem Stadtrat. Weil die staatliche F\u00f6rderung von Solaranlagen in den letzten Jahren erheblich zur\u00fcckgefahren worden ist, hat die Stadtverwaltung zusammen mit den Stadtwerken einen Ansatz verfolgt, bei dem Solaranlagen auf Mietsh\u00e4usern als sogenannte <strong>Mieterstromanlagen<\/strong> installiert werden. Dabei beziehen die Mieter ihren Strom vom Dach ihres Mietshauses und entlasten dadurch das allgemeine Stromnetz. Diese Art von Solaranlagen wird unter anderem dadurch bundesweit gef\u00f6rdert, dass die Abnehmer f\u00fcr den Mieterstrom kein Netznutzungsentgelt zahlen m\u00fcssen, was den Strom sp\u00fcrbar g\u00fcnstiger machen soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings entsteht dadurch ein Bermudadreieck an Beteiligten, das im Ergebnis den Aufbau und Betrieb solcher Anlagen enorm schwierig macht:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Da sind zum Einen die <strong>Hauseigent\u00fcmer<\/strong>, d.h. die st\u00e4dtischen Wohnungsbaugesellschaften. Ihnen geh\u00f6ren die Dachfl\u00e4chen. Diese Unternehmen haben keine Erfahrung und auch keine Ressourcen, um als Stromverk\u00e4ufer aufzutreten und beispielsweise das Inkasso von Stromrechnungen bei ihren Mietern zu \u00fcbernehmen. Zudem m\u00fcssten sie, wenn sie selbst als Betreiber auftreten w\u00fcrden, Gewerbesteuer zahlen und das sogar f\u00fcr ihre Mieteinahmen.<\/li><li>Ferner gibt es den <strong>Betreiber<\/strong> einer solchen Dachanlage. Im M\u00fcnchen k\u00f6nnten das die Stadtwerke sein, die sich ja auf breiter Front f\u00fcr erneuerbare Energien einsetzen. Sie m\u00fcssten dazu die Dachfl\u00e4chen pachten und den Bau und Betrieb der Anlage mit dem Hauseigent\u00fcmer abstimmen, beispielsweise bei einer Dachreparatur.<\/li><li>Und schlie\u00dflich braucht es in jedem Haus gen\u00fcgend <strong>Mieter<\/strong>, die bereit sind, sich auf dieses Modell einzulassen und tats\u00e4chlich solchen Mieterstrom zu beziehen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es liegt auf der Hand, dass die erfolgreiche Abstimmung aller Beteiligten nur im Ausnahmefall gelingen kann. Es \u00fcberrascht daher auch nicht, wenn man in der <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/5998496.pdf\">Vorlage der Verwaltung<\/a> folgenden Satz findet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<em>Die SWM haben zwischenzeitlich ein Konzept f\u00fcr Mieterstrom entwickelt, jedoch <strong>noch kein Projekt im Bereich Wohnen umsetzen k\u00f6nnen<\/strong><\/em>&#8220; . (Hervorhebung hinzugef\u00fcgt)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00fcnchen steht dabei nicht alleine. Auch der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mieterstrom#cite_note-finanztip-5\">Wikipediaeintrag<\/a> zum Stichwort &#8222;Mieterstrom&#8220; kommt zu dem ern\u00fcchternden Ergebnis:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<em>Dieses F\u00f6rdermodell hat sich bislang als nicht erfolgreich erwiesen<\/em>.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum das jetzt auf einmal ohne \u00c4nderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen anders werden soll, ist f\u00fcr mich nicht erkennbar. Vielleicht gelingt es ja in den n\u00e4chsten Jahren, ein oder zwei weitere Anlagen auf diese Weise zu errichten. Ein sp\u00fcrbarer Beitrag zur Energiewende wird damit aber sicher nicht erreicht werden. Auch die Stadtr\u00e4te haben ihre Forderungen nach einem schnellen Ausbau der Solarenergie auf Mietsh\u00e4usern offensichtlich mehr oder weniger begraben, wenn es im ergangenen Beschluss nur noch hei\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<em>Die SWM werden gebeten, zusammen mit der GWG und GEWOFAG und der Koordinierungsstelle f\u00fcr Solarenergie basierend auf der oben genannten Geb\u00e4udeliste <strong>zeitnah<\/strong> <strong>einen Umsetzungsplan zu erarbeiten, wie das Ziel der Zubauraten in H\u00f6he von etwa 10% r.a. f\u00fcr die Nachr\u00fcstung der Bestandsgeb\u00e4ude mit Photovoltaik-Anlagen kurz- und mittelfristig erreicht werden kann<\/strong>. Der Umsetzungsplan soll im ersten Schritt konkrete Ma\u00dfnahmen<br>und Zielvorgaben f\u00fcr die Jahre 2020 und 2021 enthalten. \u00dcber die Ergebnisse soll einmal j\u00e4hrlich berichtet werden<\/em>&#8220; .<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zeitnah ist nicht mehr der Ausbau der Solarenergie, sondern nur die Erstellung eines Umsetzungsplans. Und das Ziel, bis 2030 den gesamten Bestand an Geb\u00e4uden der st\u00e4dtischen Wohnungsbaugesellschaften mit Solaranlagen zu versehen, ist einfach aufgegeben worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass es auch anders geht, zeigt der Blick \u00fcber den Stadtrand. Schaut man zum Beispiel auf das Quartier Vauban, einen neu erbauten Stadtteil Freiburgs, zeigt sich folgendes Bild:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"666\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-2-1024x666.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-287\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-2-1024x666.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-2-300x195.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-2-768x500.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020-07-02-2.png 1193w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Solaranlagen auf den D\u00e4chern von H\u00e4usern im Quartier Vauban in Freiburg (Quelle: Google Maps)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob hier ein Mieterstrommodell zum Einsatz gekommen ist, oder die Anlagen auf andere Weise entstanden sind, wei\u00df ich leider nicht. Vielleicht sollten die Stadtr\u00e4te sich bei ihren Kollegen in Freiburg dazu informieren, damit es endlich auch in M\u00fcnchen mit der Solarenergie vorangeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Notwendigkeit der Energiewende ist inzwischen eine Binsenweisheit. Aber immer dann, wenn es um die konkrete Umsetzung geht, treten Schwierigkeiten auf. Neue Windkraftanlagen an Land werden kaum noch genehmigt und die Stromleitungen aus Norddeutschland will auch niemand in seiner N\u00e4he haben. Solarparks auf der gr\u00fcnen Wiese sind zwar kosteng\u00fcnstig, haben aber einen hohen Fl\u00e4chenverbrauch. 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