{"id":254,"date":"2020-07-01T19:54:58","date_gmt":"2020-07-01T19:54:58","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=254"},"modified":"2020-12-05T13:41:53","modified_gmt":"2020-12-05T13:41:53","slug":"wohnungsbau-in-muenchen-ein-muehsamer-interessensausgleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=254","title":{"rendered":"Wohnungsbau in M\u00fcnchen &#8211; ein m\u00fchsamer Interessensausgleich"},"content":{"rendered":"\n<p>M\u00fcnchen braucht zus\u00e4tzliche Wohnungen. Dies ist Konsens bei fast allen Mitgliedern des M\u00fcnchner Stadtrates &#8211; aber nicht bei den alteingesessenen Nachbarn eines neu geplanten Wohngebiets. In der heutigen Sitzung des Stadtplanungsausschusses ist der Gegensatz zwischen der Notwendigkeit  zus\u00e4tzlichen Wohnraum zu schaffen und den Interessen der Anwohner des betroffenen Stadtteils &#8211; hier Berg am Laim &#8211; wieder einmal deutlich geworden. Es war eine Diskussion, die sich bei vielen Neubauprojekten in M\u00fcnchen gleicht und ungef\u00e4hr so verl\u00e4uft:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erster Akt<\/strong>: Es spricht der \/ die Vorsitzende des Bezirkausschusses (als Vertreter der Anwohner)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bezirksausschuss sei grunds\u00e4tzlich nicht gegen weiteren Wohnungsbau in M\u00fcnchen, <strong>aber<\/strong> das vorliegende Projekt sei abzulehnen, da:<\/p>\n\n\n\n<p>es f\u00fcr die zahlreichen neuen Bewohner an Infrastruktur fehle, beispielsweise Krippenpl\u00e4tze und Kindergartenpl\u00e4tzedie Grundschule \u00fcberf\u00fcllt werde<\/p>\n\n\n\n<p>die geplante Bebauung zu hoch und zu dicht sei<\/p>\n\n\n\n<p>noch kein Verkehrskonzept vorliege, das die Belastung f\u00fcr die Anwohner ertr\u00e4glich mache, und<\/p>\n\n\n\n<p>eine B\u00fcrgerbeteiligung schlie\u00dflich nur dann sinnvoll sei, wenn man die Anliegen der betroffenen B\u00fcrger auch ernsthaft ber\u00fccksichtige. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweiter Akt:<\/strong> Diskussion der Stadtr\u00e4te<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird von allen Seiten Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Anwohner und deren Bedenken ge\u00e4u\u00dfert, aber in der Sache bleibt es im Wesentlichen bei dem geplanten Projekt. Die CSU und die FDP \/ Freie W\u00e4hler fordern noch eine bessere Stra\u00dfenanbindung des Neubaugebietes f\u00fcr den Autoverkehr, die Gr\u00fcnen bringen ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass eine k\u00fcnftige Verkehrswende die Stauprobleme schon l\u00f6sen werde und die SPD rechtfertigt die dichte Bebauung, weil nur dadurch eine hinreichende Anzahl von Wohnungen gebaut werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dritter Akt:<\/strong> Abstimmung<\/p>\n\n\n\n<p>Mit allenfalls kleinen \u00c4nderungen wird die Verwaltungsvorlage durchgewunken. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Um deutlich zu machen, worum es dabei konkret gehen kann, hier ein Vergleich zwischen dem &#8222;Truderinger Acker&#8220;, der Gegenstand des heutigen Bebauungsplanes war, im jetzigen Zustand:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"471\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1-1024x471.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-259\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1-1024x471.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1-300x138.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1-768x353.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1-1536x707.png 1536w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1-2048x942.png 2048w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-1-1200x552.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Der Truderinger Acker (aus Google Street View)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>und der Planung f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Wohnbebauung:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"740\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2-1024x740.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-260\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2-1024x740.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2-300x217.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2-768x555.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2-1200x867.png 1200w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/image-2.png 1279w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Auszug aus dem Bebauungsplan. Das vollst\u00e4ndige Dokument findet sich <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/5936499.pdf\">hier<\/a>.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn man genau in die Planung hineinschaut, erkennt man, dass die Wohnbl\u00f6cke eine H\u00f6he von 13 &#8211; 22 Meter aufweisen, an der s\u00fcdwestlichen Ecke sogar fast 50 Meter in Form eines sogenannten &#8222;Hochpunktes&#8220;, d.h. eines Hochhauses mit 15 Stockwerken. Dass dazu bei den bisherigen Anwohnern keine Begeisterung aufkommt, erscheint verst\u00e4ndlich. Dies umso mehr, wenn auf Einw\u00e4nde gegen das Hochhaus in der Verwaltungsvorlage mit S\u00e4tzen wie diesem geantwortet wird:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Geschickt werden diese st\u00e4dtebaulichen Gliederungselemente genutzt, um die Dachfl\u00e4chen zu aktivieren und von den r\u00fcckliegenden Geb\u00e4uden einen <\/em>v<em>isuellen<br>Bezug zum Gr\u00fcnzug herzustellen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Solche Ausf\u00fchrungen eignen sich vielleicht f\u00fcr ein Oberseminar im Architekturstudium, nicht aber um Einw\u00e4nden von Anwohnern zu begegnen, die den Kontrast einer solch massiven Bebauung mit der bestehenden Umgebung bef\u00fcrchten. <\/p>\n\n\n\n<p>Allgemeiner betrachtet hinterl\u00e4sst die Planung der zahlreichen Neubaugebiete \u00fcberall in M\u00fcnchen eine Vielzahl frustrierter &#8222;Bestandsm\u00fcnchner&#8220;. Zwar werden ihre Bedenken in B\u00fcrgerversammlungen und Bezirksausschusssitzungen freundlich angeh\u00f6rt und aufgenommen. Im Ergebnis setzt sich aber regelm\u00e4\u00dfig der Zwang zum Bau einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Zahl neuer Wohnungen durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Stadtr\u00e4tin der LINKEN, Frau Wolf, in der heutigen Debatte am Rande zu Recht angemerkt hat, fehlt &#8211; auch nach dem langen Kommunalwahlkampf &#8211; immer noch eine Grundsatzdebatte dar\u00fcber, ob M\u00fcnchen zwangsl\u00e4ufig eine Weltstadt wie Paris oder London wird. Die gro\u00dfen Stadtratsfraktionen haben erkennbar keine Lust, diese fundamentale Diskussion zu f\u00fchren. Sie w\u00fcrde im Ergebnis wohl auch zu nichts f\u00fchren, da der Druck auf M\u00fcnchen allenfalls durch eine wirksamere Strukturpolitik des Freistaates gemildert werden kann. Andere St\u00e4dte und Regionen Bayerns m\u00fcssten erfolgreicher als bisher wirtschaftlich und auch ansonsten attraktiv werden, um den anhaltenden Zuzug nach M\u00fcnchen zu reduzieren. Der Stadtpolitik verbleibt vor diesem Hintergrund wenig mehr als pragmatisch zu versuchen, mit dem Problem einer wachsenden Bev\u00f6lkerung umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit f\u00fchrt aber an dem verst\u00e4rkten Wohnungsbau &#8211; auch in die H\u00f6he &#8211; kein Weg vorbei, wenn die Mieten nicht noch weiter ansteigen sollen. Anders als architekturtheoretische Ausf\u00fchrungen, w\u00e4re das dann auch die richtige (Haupt-) Antwort auf die Einw\u00e4nde der Anwohner. Mit anderen Worten ist ein engagierter Wohnungsbau auch im Interesse der bereits hier wohnenden M\u00fcnchner, jedenfalls dann, wenn sie zur Miete wohnen und diese auch morgen noch bezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen braucht zus\u00e4tzliche Wohnungen. Dies ist Konsens bei fast allen Mitgliedern des M\u00fcnchner Stadtrates &#8211; aber nicht bei den alteingesessenen Nachbarn eines neu geplanten Wohngebiets. 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