{"id":2342,"date":"2022-02-15T22:58:16","date_gmt":"2022-02-15T22:58:16","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2342"},"modified":"2022-02-15T23:28:43","modified_gmt":"2022-02-15T23:28:43","slug":"omikron-und-die-muenchner-kommunalpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2342","title":{"rendered":"Omikron und die M\u00fcnchner Kommunalpolitik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer diese Seiten \u00f6fter besucht, wird bemerkt haben, dass seit Ende November keine neuen Beitr\u00e4ge erschienen sind. Warum? Weil die \u00f6ffentliche Kommunalpolitik in M\u00fcnchen eines der ersten Opfer der Omikronwelle geworden ist. Nach mehreren roten Warnhinweisen der Corona-App auf den Mobiltelefonen von Mitgliedern des Stadtrates wurden \u00f6ffentliche Ausschusssitzungen Ende November von einem Tag auf den anderen durch Online-Beratungen ersetzt. Die \u00d6ffentlichkeit bleibt damit au\u00dfen vor, denn die Zugangsdaten werden nicht bekanntgemacht. Lediglich Vollversammlungen wurden einmal im Monat auf <a href=\"https:\/\/stadt.muenchen.de\/infos\/stadtrat-live.html\">muenchen.de<\/a> gestreamt. Der interessante Teil der kommunalpolitischen Willensbildung, n\u00e4mlich der intensive Austausch von Argumenten, bleibt allerdings auch hier auf der Strecke. Wenn wie am 2. Februar in einer Sitzung mehr als 50 Themen beraten und abgestimmt werden m\u00fcssen, ist eine tiefergehende Debatte kaum m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist schade und wirft die Frage auf, ob der weitgehende Verzicht auf \u00f6ffentliche Ausschusssitzungen durch die von Omikron ausgehende Infektionsgefahr tats\u00e4chlich gerechtfertigt war und immer noch ist. Damit ist man mitten drin in der Problematik, wie die aktuelle Situation einzusch\u00e4tzen ist. Ist die h\u00f6here Infektiosit\u00e4t von Omikron der entscheidende Gesichtspunkt (die gef\u00fcrchtete  &#8222;Omikronwand&#8220;)? Oder ist diese Variante so harmlos, dass es auf die hohen Infektionszahlen nicht mehr ankommt? Dazu ist in den vergangenen Wochen viel geschrieben und noch viel mehr in unz\u00e4hligen Talkshows gesagt worden, ohne dass f\u00fcr mich belastbare Erkenntnisse herausgekommen w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer versucht, sich anhand von seri\u00f6sen Informationsquellen wie dem <a href=\"https:\/\/stadt.muenchen.de\/infos\/corona-infoportal-muenchen.html\">Coronaportal der Stadt M\u00fcnchen<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.lgl.bayern.de\/gesundheit\/infektionsschutz\/infektionskrankheiten_a_z\/coronavirus\/karte_coronavirus\/index.htm\">Internetseiten des bayrischen Gesundheitsministeriums<\/a> oder auch den <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Wochenbericht\/Wochenberichte_Tab.html\">Berichten des Robert-Koch-Instituts<\/a> ein eigenes Bild zu machen, stellt schnell fest, dass die Datenlage auch nach zwei Jahren Pandemie weiterhin mehr als unsicher ist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Inzidenz ist bei den hohen Zahlen noch unzuverl\u00e4ssiger geworden als bislang, da immer mehr F\u00e4lle nicht erfasst werden. Gleichzeitig hat sich das Verh\u00e4ltnis von Infektionen zu schweren Erkrankungen ge\u00e4ndert, nur wie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hospitalisierungsrate war und ist eine ungenaue Gr\u00f6\u00dfe, da viele Krankenh\u00e4user neue Aufnahmen schwer Erkrankter erst mit wochenlanger Versp\u00e4tung melden. Dar\u00fcber hinaus unterscheidet dieser Parameter nicht zwischen Patienten, die wegen einer Omikroninfektion eingeliefert werden und anderen F\u00e4llen, bei denen die Infektion nur zuf\u00e4lligerweise durch einen Test bei der Einlieferung festgestellt wird. Laut Prof. Drosten war in der Omikronwelle in England <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/coronaskript354.pdf\">bei etwa der H\u00e4lfte der erfassten Krankenhausaufnahmen Omikron nicht der Grund<\/a>, warum der Patient ins Krankenhaus gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie hoch inzwischen die gesamte Immunisierung durch Impfungen und Infektionen in der Bev\u00f6lkerung M\u00fcnchens, Bayerns oder bundesweit ist, wei\u00df man nicht. Zum einen sind schon die Daten zur Impfrate unsicher, da nicht alle Impfungen gemeldet werden, zum anderen gibt es &#8211; erstaunlicherweise &#8211; keine repr\u00e4sentativen Seroprevalenzstudien zum Vorliegen von Antik\u00f6rpern in der Bev\u00f6lkerung aufgrund von Impfung oder durchgemachter Infektion. Aussagen \u00fcber den Anteil ungesch\u00fctzter Personen \u00fcber 60 Jahre, die besonders gef\u00e4hrdet sind, beruhen ausschlie\u00dflich auf Sch\u00e4tzungen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das macht die \u00f6ffentliche Diskussion sehr unbefriedigend und man fragt sich, warum das so ist. Vielleicht braucht es nicht nur den von der neuen Regierung einberufenen Expertenrat, sondern auch eine ganz neue Beh\u00f6rde, die sich in Zukunft mit Pandemien befasst. Das Robert-Koch-Institut k\u00f6nnte sich dann auf die Bek\u00e4mpfung von Tierseuchen konzentrieren, ein Gebiet, auf dem <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/SharedDocs\/Lebenslauf\/Wieler_Lothar_H.html\">sein derzeitiger Leiter<\/a> besondere Expertise hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gl\u00fccklicherweise gibt es andere L\u00e4nder, in denen die Datenlage deutlich besser ist als in Deutschland. Das gilt nicht nur f\u00fcr England, von wo &#8211; folgt man Prof. Drosten &#8211; fast alle ma\u00dfgeblichen Erkenntnisse zur Pandemie in den letzten 24 Monaten stammen, sondern auch f\u00fcr Italien, wo die Pandemie in Europa begonnen hat. Beispielsweise stellt die Zeitung &#8222;Il Sole 24 ore&#8220; jeden Tag <a href=\"https:\/\/lab24.ilsole24ore.com\/coronavirus\/#box_7\">hier<\/a> die offiziellen Daten aus Italien zusammen. Besonders relevant f\u00fcr die Bewertung von Omikron finde ich die folgenden zwei Schaubilder:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Grafik zeigt \u00fcber die letzten zwei Jahre den prozentualen Anteil der Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-4-1024x575.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2354\" width=\"512\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-4-1024x575.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-4-300x168.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-4-768x431.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-4.png 1515w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Prozentualer Anteil der Infizierten in Italien, die im Krankenhaus <br>behandelt werden m\u00fcssen <br>(Quelle: <a href=\"https:\/\/lab24.ilsole24ore.com\/coronavirus\/#box_8\">Il Sole 24 Ore Lab 24<\/a> mit eigenen Erg\u00e4nzungen)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man erkennt deutlich die verschiedenen Phasen der Pandemie: Am Anfang die katastrophale Situation Italiens im Winter 2020, als teilweise \u00fcber die H\u00e4lfte der Infizierten station\u00e4r behandelt werden mussten. Ab der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2020 stabilisierte sich der Anteil der Krankenhausaufnahmen auf etwa 5%. Die Impfung ab dem Jahresbeginn 2021 hat die Gesamtzahl der Infizierten ganz erheblich verringert. Das ist im Schaubild oben nicht zu sehen. Zu erkennen ist aber, dass diejenigen, die sich in Italien in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2021 noch mit Delta infiziert haben, nur noch zu einem etwas geringeren Anteil &#8211; etwa 3,5% &#8211; ins Krankenhaus mussten. Mit Jahresbeginn 2022, als Omikron auch in Italien die beherrschende Variante geworden ist, ist der Anteil derer, die ein Krankenhaus aufsuchen, drastisch gefallen und liegt jetzt bei ungef\u00e4hr 0,7%. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen ganz \u00e4hnlichen Verlauf sieht man f\u00fcr die Aufnahmen in die Intensivstationen:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-5-1024x579.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2357\" width=\"512\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-5-1024x579.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-5-300x170.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-5-768x435.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2022-02-15-5.png 1490w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Prozentualer Anteil der Infizierten in Italien, die auf Intensivstationen <br>behandelt werden m\u00fcssen<br>(Quelle: <a href=\"https:\/\/lab24.ilsole24ore.com\/coronavirus\/#box_8\">Il Sole 24 Ore Lab 24<\/a> mit eigenen Erg\u00e4nzungen) <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier geht der Anteil derjenigen, die auf einer Intensivstation behandelt werden m\u00fcssen, mit Omikron von etwa 0,5% auf 0,06% zur\u00fcck. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Ergebnis folgt aus dieser Absch\u00e4tzung, <strong>dass Omikron in Italien mindestens um einen Faktor 8 weniger gef\u00e4hrlich ist als die vorhergehenden Varianten<\/strong>. Mindestens, weil auch in den italienischen Daten keine Unterscheidung erkennbar ist, ob jemand wegen oder nur zuf\u00e4lligerweise mit Omikron ins Krankenhaus bzw. auf die Intensivstation kommt. W\u00fcrden nur noch F\u00e4lle erfasst, bei denen Omikron tats\u00e4chlich die Ursache der Einlieferung ins Krankenhaus bzw. auf die Intensivstation ist, w\u00e4ren die oben gezeigten Anteile seit Beginn des Jahres 2022 noch geringer und der genannte Faktor noch gr\u00f6\u00dfer als 8.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun k\u00f6nnte man einwenden, die obigen \u00dcberlegungen seien nicht auf Deutschland \u00fcbertragbar, da die Impfquote in Deutschland, insbesondere bei den \u00fcber 60-J\u00e4hrigen, deutlich niedriger ist als in Italien. Das ist zwar richtig, spielt aber f\u00fcr die obige Absch\u00e4tzung der Risikover\u00e4nderung durch Omikron keine Rolle. Denn seit Mitte 2021 werden sowohl die Krankenhauseinweisungen als auch die Aufnahmen auf Intensivstationen in Italien zu etwa 90% durch Ungeimpfte bestimmt, die es eben auch in Italien noch gibt. Auch das kann man <a href=\"https:\/\/lab24.ilsole24ore.com\/coronavirus\/#box_21\">den offiziellen italienischen Daten<\/a> entnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit anderen Worten bilden die oben gezeigten Daten aus Italien ab Mitte 2021<strong> <\/strong>im Wesentlichen die Ver\u00e4nderung des Risikos eines schweren Verlaufs f\u00fcr Ungeimpfte ab. Diese Risikover\u00e4nderung (um mindestens den Faktor 8) gilt damit aber auch f\u00fcr Ungeimpfte in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was folgt nun aus alledem? Keinesfalls, dass man sich nicht impfen lassen sollte, denn selbst wenn das Risiko einer schweren Erkrankung um den Faktor 8 geringer ist, ist es f\u00fcr Ungeimpfte immer noch viel zu hoch, um Omikron zu ignorieren, insbesondere wenn man \u00e4lter als 60 Jahre alt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber eine \u00dcberlastung des M\u00fcnchner Gesundheitssystems ist mit Omikron nicht zu erwarten, solange die Anzahl der Infizierten nicht in etwa 8-fach h\u00f6her ist als in der vergangenen Deltawelle. Denn erst dann w\u00fcrde die h\u00f6here Zahl an Infizierten das geringere Risiko schwerer F\u00e4lle kompensieren. Davon sind wir aber weit entfernt. Damals lag die Inzidenz bei etwa 750. Eine achtfach h\u00f6here Omikroninzidenz von 6000 ist deutlich h\u00f6her als die bislang erfassten M\u00fcnchner Spitzenwerte von unter 2500. Und seit einer Woche fallen die Zahlen wieder auf aktuell knapp \u00fcber 1600.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Hinblick auf das individuelle Risiko einer Omikron-Erkrankung einer dreifach geimpften Stadtr\u00e4tin oder eines Stadtrates m\u00f6chte ich auf folgende Ausf\u00fchrungen von Prof. Drosten verweisen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<em>Das muss ich vielleicht auch noch mal sagen, auch wenn ich seit langen Monaten immer wieder sage, die ideale Immunisierung ist, dass man eine vollst\u00e4ndige Impfimmunisierung hat mit drei Dosen und auf dem Boden dieser Immunisierung <strong>sich dann erstmalig und auch zweit- und drittmalig infiziert mit dem wirklichen Virus und dadurch eine  Schleimhautimmunit\u00e4t entwickelt<\/strong>, ohne dabei schwere Verl\u00e4ufe in Kauf nehmen zu m\u00fcssen. Und wer das durchgemacht hat, der ist dann irgendwann wirklich \u00fcber Jahre belastbar immun und wird sich nicht wieder reinfizieren.<\/em> &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/coronaskript360.pdf\">Coronavirusupdate Folge 109 vom 1. Februar 2022<\/a>, Hervorhebung hinzugef\u00fcgt)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund halte ich es f\u00fcr angemessen und richtig, wenn der M\u00fcnchner Stadtrat umgehend wieder seine normalen Beratungen aufnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer diese Seiten \u00f6fter besucht, wird bemerkt haben, dass seit Ende November keine neuen Beitr\u00e4ge erschienen sind. Warum? Weil die \u00f6ffentliche Kommunalpolitik in M\u00fcnchen eines der ersten Opfer der Omikronwelle geworden ist. 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