{"id":2255,"date":"2021-11-13T13:22:13","date_gmt":"2021-11-13T13:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2255"},"modified":"2021-11-14T16:40:53","modified_gmt":"2021-11-14T16:40:53","slug":"corona-reloaded","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2255","title":{"rendered":"Corona reloaded"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Thema Corona ist zur\u00fcck und zwar mit Macht. Jeden Tag gibt es neue Inzidenzrekorde und die Belastung der Krankenh\u00e4user nimmt st\u00e4ndig zu. Die zweist\u00fcndige Diskussion am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des M\u00fcnchner Stadtrats bot Gelegenheit, sich aus erster Hand \u00fcber die Situation in M\u00fcnchen zu informieren. Es zeigt sich, dass das Gesundheitsreferat inzwischen den Ernst der Lage erkannt hat. Was jetzt in die Wege geleitet worden ist, geht in die richtige Richtung. Es kommt nur Monate zu sp\u00e4t und manches fehlt noch immer.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden wird die aktuelle Lage in M\u00fcnchen dargestellt, bevor die neuen Ma\u00dfnahmen der Verwaltung erl\u00e4utert und kommentiert werden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein paar ordnende \u00dcberlegungen vorneweg:<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der ersten Blick sieht es so aus, als ob sich der letzte Pandemiewinter einfach wiederholt. Objektiv betrachtet liegen die Dinge jedoch ganz anders. Wer j\u00fcngeren oder mittleren Alters ist und zwei Impfungen erhalten hat, braucht sich vor dem Virus nicht mehr zu f\u00fcrchten. Gleiches gilt f\u00fcr gesunde \u00c4ltere, die eine dritte Booster-Impfung bekommen haben. Selbst im Fall einer mit dem dramatischen Wort &#8222;Durchbruchinfektion&#8220; bezeichneten Erkrankung droht keine substantielle Gefahr. Im Gegenteil, der Verlauf ist in aller Regel nur eine milde Erk\u00e4ltung. Dadurch wird langfristig der Immunschutz sogar gest\u00e4rkt (vgl. dazu beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/coronaskript324.pdf\">dieses Skript zum Drosten Podcast<\/a>, S. 16).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite wird die Belastung des Gesundheitssystems noch gr\u00f6\u00dfer als im letzten Winter, jedenfalls in Bayern. Das liegt an zwei Gr\u00fcnden: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Zum einen ist die Impfquote viel zu gering, insbesondere bei der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung. In M\u00fcnchen gibt es etwa <a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/dam\/jcr:ab9fa157-c362-4a23-90fd-a79f6d0a92fa\/jt210103.pdf\">350.000 Personen<\/a>, die 60 Jahre und \u00e4lter sind. Wenn davon wie in ganz Bayern 15% nicht geimpft sind (altersabh\u00e4ngige Impfquoten speziell f\u00fcr M\u00fcnchen gibt es leider nicht), w\u00e4ren das etwa 50.000 Personen. Diese M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner sind jetzt, wo der Virus \u00fcberall uml\u00e4uft, hochgef\u00e4hrdet. Laut Robert-Koch-Institut m\u00fcssen etwa 10% der ungeimpften Erkrankten im Krankenhaus behandelt werden. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Zum anderen l\u00e4sst die Impfwirkung bei \u00e4lteren Personen nach. Das liegt am schw\u00e4cheren Immunsystem und an der Tatsache, dass sie in aller Regel bereits am Anfang des Jahres ihre Impfung erhalten haben. Ohne eine Booster-Impfung drohen wieder schwere Verl\u00e4ufe. Das gilt insbesondere f\u00fcr hochbetagte Heimbewohner, von denen es in M\u00fcnchen <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2102\">etwa 8000<\/a> gibt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wie hoch die aktuelle Inzidenz in M\u00fcnchen ist, und damit die Gef\u00e4hrdung der beiden  Personengruppen, ist gegenw\u00e4rtig unbekannt. In der Sitzung des Gesundheitsausschusses hat die Referentin best\u00e4tigt, was schon seit einigen Tagen in der Presse berichtet wird: Das Gesundheitsamt kommt mit der Erfassung der Infektionsmeldungen nicht mehr nach und meldet seit Tagen unvollst\u00e4ndige Zahlen. Die auf <a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtinfos\/Coronavirus-Fallzahlen.html\">&#8222;muenchen.de&#8220;<\/a> abrufbaren offiziellen Inzidenzen sind viel zu niedrig. Tats\u00e4chlich liegt die aktuelle Inzidenz grob gesch\u00e4tzt bei etwa 300. Durch Personalverst\u00e4rkungen soll dieser unhaltbare Zustand in den n\u00e4chsten Tagen beseitigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch zur <strong>Lage in den M\u00fcnchnern Krankenh\u00e4usern<\/strong> wird mit den offiziellen Angaben ein falscher Eindruck erweckt. Hier stimmen zwar die Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-2-1024x584.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2264\" width=\"512\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-2-1024x584.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-2-300x171.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-2-768x438.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-2.png 1414w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Bettenbelegung mit Corona-Patienten in M\u00fcnchner Krankenh\u00e4usern <br>(Quelle: muenchen.de)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Allerdings ist die Situation viel schwieriger als in vorhergehenden Wellen, auch wenn die Belegungszahlen noch niedriger sind. Das liegt an den ung\u00fcnstigen Begleitumst\u00e4nden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Laut dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der st\u00e4dtischen M\u00fcnchenKlink, Dr. Axel Fischer, hat das Pflegepersonal so stark abgenommen, dass die Kapazit\u00e4t im Intensivbereich um etwa 30% niedriger liegt. Schon jetzt verschiebt die M\u00fcnchenKlinik 50% der Operationen, die nicht unbedingt erforderlich sind, um Betten f\u00fcr Corona-Patienten freizubekommen. In K\u00fcrze werden es 100% sein. Allerdings sieht Dr. Fischer eine gewisse Entlastung, wenn mit der Ausrufung des Katastrophenfalls in Bayern auch wieder andere Kliniken in M\u00fcnchen verpflichtet werden k\u00f6nnen, Corona-Patienten aufzunehmen. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Anders als im letzten Jahr und im Fr\u00fchjahr l\u00e4uft die vierte Corona-Welle parallel zu einer jahreszeitlich typischen Erk\u00e4ltungswelle. Das Robert-Koch-Institut nennt dazu in seinem <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Wochenbericht\/Wochenbericht_2021-11-11.pdf?__blob=publicationFile\">w\u00f6chentlichen Bericht<\/a> eindrucksvolle Zahlen:<\/li><\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-1-1024x263.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2261\" width=\"512\" height=\"132\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-1-1024x263.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-1-300x77.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-1-768x197.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-1.png 1119w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Wochenbericht\/Wochenbericht_2021-11-11.pdf?__blob=publicationFile\">Wochenbericht des RKI vom 11.11.2021<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mit anderen Worten liegt die &#8222;Inzidenz&#8220; von allen Atemwegsinfektionen (einschlie\u00dflich Corona) bei 5500! Auch die anderen Nicht-Corona-Infektionen f\u00fchren zu Krankenhausaufenthalten und Einweisungen auf die Intensivstationen. Mehr als ein Drittel der Intensivpatienten mit Atemwegsproblemen gehen gegenw\u00e4rtig darauf zur\u00fcck. Wegen der Kontaktbeschr\u00e4nkungen waren auch diese Infektionen im letzten Winter unterdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ergebnis ist die Situation in den Kliniken M\u00fcnchens wirklich schlimm. \u00dcberraschend ist sie allerdings nicht, denn alle der oben genannten Umst\u00e4nde sind seit Monaten bekannt, bzw. waren vorhersehbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gute Nachricht im Gesundheitsausschuss war, dass es in den <strong>M\u00fcnchner Heimen<\/strong> in diesem Herbst bislang noch kaum zu Ausbr\u00fcchen mit schweren Erkrankungen der Heimbewohner gekommen ist. Ob bereits alle Heimbewohner eine dritte Impfung bekommen haben, war in der Ausschusssitzung nicht zu erfahren. Die Zahlen an Drittimpfungen, die bisher in M\u00fcnchen verabreicht worden sind, sieht man hier:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-3-1024x578.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2268\" width=\"512\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-3-1024x578.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-3-300x169.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-3-768x433.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-12-3.png 1138w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Kumulative Anzahl der verabreichten Booster-Impfungen in M\u00fcnchen <br>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtinfos\/Coronavirus-Fallzahlen.html\">muenchen.de<\/a>)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Fast 50.000 M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner haben inzwischen ihre dritte Impfung erhalten. Die Impfrate betr\u00e4gt in den letzten Tagen etwa 5000 Personen pro Tag. Das klingt gut, aber es reicht nicht. Denn in M\u00fcnchen gibt es etwas \u00fcber 200.000 Personen, die \u00fcber 70 Jahre alt sind und gem\u00e4\u00df STIKO-Empfehlung eine Booster-Impfung brauchen. Zieht man davon die oben genannten 50.000 ab, verbleiben aktuell etwa 150.000 Personen. Somit wird es noch etwa 30 Tage dauern, bis alle \u00fcber 70 ihren Booster erhalten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit droht Gefahr. Das folgende Schaubild zeigt den bundesweiten Trend f\u00fcr die Altersverteilung in den Krankenh\u00e4usern, der aller Wahrscheinlichkeit nach auch f\u00fcr M\u00fcnchen zutrifft (lokale Zahlen dazu gibt es nicht):<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-13-1-1024x477.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2274\" width=\"512\" height=\"239\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-13-1-1024x477.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-13-1-300x140.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-13-1-768x357.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-13-1-1536x715.png 1536w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/2021-11-13-1.png 1607w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Zeitlicher Verlauf [in Kalenderwochen] der Krankenhauseinweisungen von Corona-Erkrankten (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Wochenbericht\/Wochenbericht_2021-11-11.pdf?__blob=publicationFile\">Wochenbericht des RKI vom 11.1.2021<\/a>)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der massive Anstieg der Krankenhauseinweisungen in den Altersgruppen 60 &#8211; 79 und 80+ innerhalb der letzten vier Wochen ist unverkennbar und \u00fcbersteigt inzwischen deutlich die Einweisungen der (ungeimpften) J\u00fcngeren der Altersgruppe 35 &#8211; 59.  Der R\u00fcckgang der Kurven am rechten Rand liegt laut RKI an den noch nicht vollst\u00e4ndig gemeldeten F\u00e4llen der letzten Tage.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie reagiert nun die Stadtverwaltung auf diese Lage? Im Gesundheitsausschuss wurde ein <strong>umfangreiches Ma\u00dfnahmenpaket<\/strong> vorgestellt, das sich in f\u00fcnf Punkten zusammenfassen l\u00e4sst:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Beschleunigung der Boosterimpfungen. Mit einem Anschreiben werden alle Seniorinnen und Senioren M\u00fcnchens auf die Notwendigkeit einer dritten Impfung hingewiesen. Darin wird erkl\u00e4rt, wo man (neben den Haus\u00e4rzten) diese Impfung bekommt. Die Impfkapazit\u00e4t des Impfzentrums wird ebenso wieder ausgebaut wie die Anzahl der mobilen Teams, die Impfungen vor Ort vornehmen k\u00f6nnen. Schaut man auf den H\u00f6hepunkt der Impfungen im Fr\u00fchjahr, scheint eine Verdopplung der aktuellen Impfrate durchaus m\u00f6glich.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Start einer lokalen Werbekampagne f\u00fcr das Impfen. In den klassischen und sozialen Medien soll ebenso daf\u00fcr geworben werden, wie auf Anzeigesystemen der M\u00fcnchner Verkehrsbetriebe.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Verst\u00e4rkter Schutz der Heime: Pflegepersonal muss sich ab sofort h\u00e4ufiger testen lassen, Geimpfte dreimal pro Woche, ohne Impfnachweis jeden Tag.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Ausbau des Personals f\u00fcr die Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Unter anderem mit Hilfe der Bundeswehr sollen die Kapazit\u00e4ten wieder stark ausgeweitet werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Im Dezember wird das Referat Pl\u00e4ne f\u00fcr eine bessere Bezahlung des Pflegepersonals  vorlegen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>So sehr diese Ma\u00dfnahmen zu begr\u00fc\u00dfen sind, so fragt man sich doch, warum sie erst jetzt kommen. Sp\u00e4testens als die Impfungen in M\u00fcnchen am Ende des Sommers bei einer Impfquote von gerade mal 66% faktisch zum Stillstand gekommen sind, h\u00e4tten alle Alarmglocken im Gesundheitsreferat l\u00e4uten m\u00fcssen. Auch der R\u00fcckgang beim Pflegepersonal hat sich schon lange abgezeichnet. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum es solange dauert, bis mit attraktiven Gehaltszuschl\u00e4gen wirksam gegengesteuert wird. Das daf\u00fcr investierte Geld ist geradezu vernachl\u00e4ssigbar im Vergleich mit den Problemen, die das fehlende Personal jetzt verursacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere St\u00e4dte waren besser. Auf Bremen wurde <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=1983\">auf diesen Seiten<\/a> bereits im September verwiesen. Dort liegt die allgemeine Impfquote bei 79% und in der Bev\u00f6lkerungsgruppe 60+ bei \u00fcber 93%. Auch wenn das nur wenig mehr erscheint als die oben erw\u00e4hnten 85% f\u00fcr Bayern, ist der Unterschied im Ergebnis enorm. Denn die Anzahl der verbleibenden ungeimpften Personen ist damit nur noch etwa halb so gro\u00df. H\u00e4tten wir eine Impfquote wie in Bremen, w\u00e4re die Belastung der Intensivstationen halbiert!<\/p>\n\n\n\n<p>Das M\u00fcnchner Gesundheitsreferat befindet sich dabei in schlechter Gesellschaft. Sowohl der Freistaat als auch das Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit haben im Laufe des Sommers total verkannt, welch katastrophale Folgen die niedrige Impfquote hat. Nachdem gen\u00fcgend Impfstoff verf\u00fcgbar war, hat man sich im Wesentlichen zur Ruhe gesetzt. Eine bundes- oder zumindest bayernweite Impfkampagne f\u00fcr die Generation 60+ mit regelm\u00e4\u00dfigen Radio- und Fernsehspots ist ebenso unterblieben wie die gezielte Ansprache von schlecht erreichbaren Bev\u00f6lkerungskreisen. Selbst kleine Parteien haben im Wahlkampf mehr Werbung gemacht als der Freistaat f\u00fcr die Impfung. Wenn dann noch ein Minister der Freien W\u00e4hler monatelang mit dem eigenen Beispiel die Notwendigkeit einer Impfung in Zweifel zieht, muss sich niemand mehr \u00fcber das Ergebnis wundern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es jetzt weiter ? Ich wei\u00df es nicht. Der Ernst der Lage in den Krankenh\u00e4usern ist inzwischen sicher allen bewusst. Ob 2G oder 3G Regeln das Infektionsgeschehen ausreichend bremsen werden, erscheint mir mehr als zweifelhaft. Denn auch Geimpfte tragen, selbst wenn sie nicht schwer erkranken, zur weiteren Verbreitung des Virus bei, der damit immer wieder viele Ungeimpfte erreicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Idealfall wird es gelingen, in wenigen Wochen die Boosterimpfungen nachzuholen. Gleichzeitig werden die Bilder aus den Krankenh\u00e4usern und die Beschr\u00e4nkungen vielleicht doch noch einen Teil der Impfunwilligen mit einer Mischung aus Angst und Druck zu einer Impfung bewegen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten drohen Lockdown und Schulschlie\u00dfungen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Corona ist zur\u00fcck und zwar mit Macht. Jeden Tag gibt es neue Inzidenzrekorde und die Belastung der Krankenh\u00e4user nimmt st\u00e4ndig zu. Die zweist\u00fcndige Diskussion am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des M\u00fcnchner Stadtrats bot Gelegenheit, sich aus erster Hand \u00fcber die Situation in M\u00fcnchen zu informieren. 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