{"id":223,"date":"2020-06-17T11:37:19","date_gmt":"2020-06-17T11:37:19","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=223"},"modified":"2020-06-17T11:44:48","modified_gmt":"2020-06-17T11:44:48","slug":"eine-andere-seuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=223","title":{"rendered":"Eine andere Seuche"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine Krankheit, die vom Tier auf den Menschen \u00fcbertragen wird. Bei Infektionen ist sie f\u00fcr den Menschen h\u00e4ufig t\u00f6dlich. Die Infektionszahlen in Bayern steigen seit Jahren exponentiell &#8211; allerdings mit einer Verdopplungszeit von 10 Jahren. Die Rede ist nicht von Corona, sondern vom Fuchsbandwurm, dessen zunehmende Ausbreitung in M\u00fcnchen gestern ein Thema im Kreisverwaltungsausschuss war. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Fuchsbandwurm ist ein Parasit, der den Darm von F\u00fcchsen bef\u00e4llt. Genaue Erl\u00e4uterungen dazu findet man beim entsprechenden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fuchsbandwurm\">Wikipedia-Eintrag<\/a>. Der &#8222;normale&#8220; Kreislauf beginnt, indem der Fuchs mit seinem Kot die Eier des Wurms ausscheidet. Der Kot wird von M\u00e4usen aufgenommen, die dann wiederum von einem anderen Fuchs gefressen werden. Wird der Mensch mit den Wurmeiern infiziert, ist das quasi ein Betriebsunfall dieses &#8222;normalen&#8220; Kreislaufes, der damit unterbrochen wird. Allerdings ruft die Wurminfektion beim Menschen nach langer Inkubationsszeit eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alveol\u00e4re_Echinokokkose\">schwere Erkrankung<\/a> hervor, die kaum zu behandeln ist und meistens t\u00f6dlich endet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Gro\u00dfstadt M\u00fcnchen ist das ein Problem, weil &#8211; man glaubt es kaum &#8211; hier sehr viele F\u00fcchse leben, viel mehr als auf dem Land. Dies f\u00fchrt zu zwei Arten von Risiken mit dem Fuchsbandwurm in Kontakt zu kommen: Zum einen durch Fuchskot, an dem sich beispielsweise Kleinkinder direkt infizieren k\u00f6nnen, die in G\u00e4rten oder in Gr\u00fcnanlagen der Stadt spielen. Zum anderen durch Hunde und insbesondere Katzen, die infizierte M\u00e4use fressen und dann ihrerseits Eier des Fuchsbandwurms ausscheiden, die am Fell h\u00e4ngenbleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Stadtrat hat daher vor einigen Jahren ein Fuchsbandwurm-Monitoring bei der TU M\u00fcnchen in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse gestern vorgestellt worden sind. Die vollst\u00e4ndige Studie findet sich <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/6017916.pdf\">hier<\/a>.  Die Resultate sind einigerma\u00dfen ern\u00fcchternd:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"353\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-6-1-1024x353.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-228\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-6-1-1024x353.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-6-1-300x103.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-6-1-768x265.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-6-1-1200x414.png 1200w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-6-1.png 1253w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Fazit<em> des Fuchbandswurm-Monitorings; rote Unterstreichung von mir hinzugef\u00fcgt<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Um den Fuchsbandwurm zu bek\u00e4mpfen, k\u00f6nnen K\u00f6der mit einem Entwurmungsmittel ausgelegt werden. Dass solche Aktionen grunds\u00e4tzlich wirksam sind, wird in der Studie ebenfalls angegeben. Hier das Schaubild dazu:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"652\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-3-1024x652.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-231\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-3-1024x652.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-3-300x191.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-3-768x489.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-3-1200x764.png 1200w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-3.png 1524w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Aus dem Fuchsbandwurm-Monitoring, Seite 20; &#8222;KI&#8220; bezeichnet das statistische Kofidenzintervall<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Anzahl der tats\u00e4chlichen Erkrankungsf\u00e4lle von Menschen in Bayern aufgrund des Fuchsbandwurms sind bislang sehr gering, allerdings mit deutlich steigender Tendenz:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"711\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-5-1024x711.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-232\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-5-1024x711.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-5-300x208.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-5-768x533.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-5-1536x1066.png 1536w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-5-1200x833.png 1200w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-5.png 1555w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption><em>Aus dem Fuchsbandwurm-Monitoring, Seite <\/em>7; wegen der langen Inkubationszeit von 10 &#8211; 15 Jahren zeigen die aktuellen Zahlen aus 2018 \/ 2019 das Infektionsgeschehen am Anfang der 2000er<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der gestrigen Sitzung wurde im Lichte der Studienergebnisse diskutiert, wie weiter vorzugehen ist. Das Ergebnis ist recht einfach &#8211; bis auf etwas Information f\u00fcr Halter von Haustieren <strong>passiert im Wesentlichen Nichts<\/strong>. Hier der <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/TOP\/6073478.pdf\">Beschluss<\/a> zum Nachlesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits in der Vorlage des Kreisverwaltungsreferats war ausgef\u00fchrt worden, dass eine Entwurmungsaktion in M\u00fcnchen nicht zu empfehlen sei, da<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; gegenw\u00e4rtig kein zugelassenes Entwurmungmittel verf\u00fcgbar sei<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; bei einer Entwurmungsaktion Resistenzen entst\u00fcnden<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; ohnehin eine Reinfektion durch zuwandernde F\u00fcchse wahrscheinlich sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Das klingt zun\u00e4chst recht \u00fcberzeugend. Im Lichte der <strong>m\u00fcndlichen Aussagen des Gutachters Prof. K\u00f6nig in der Ausschusssitzung<\/strong>, stellt sich die Lage aber doch etwas anders dar. Im Einzelnen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Dass es gegenw\u00e4rtig keine zugelassenen K\u00f6der gibt, liegt laut dem Gutachter  nur an wirtschaftlichen Gr\u00fcnden. Die Firma Bayer hat mangels Profitabilit\u00e4t die Produktion eingestellt und eine andere Firma in Tschechien w\u00fcrde die Produktion nur dann aufnehmen, wenn ihr eine hinreichende Abnahmemenge garantiert w\u00fcrde. Aus meiner Sicht liegt es dann doch nahe, dass M\u00fcnchen sich mit anderen Gemeinden in S\u00fcddeutschland zusammentut, die das gleiche Problem haben und gemeinsam einen Nachfragepool bildet, der zu g\u00fcnstigen Preisen K\u00f6der einkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Die eigentliche Entwurmungschemikalie ist laut Gutachter seit 80 Jahren die gleiche und hat bislang nie zu Resistenzen gef\u00fchrt, da der Wurm nur kurz im Darm des Fuchses damit in Kontakt kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Eine Reinfektion durch zuwandernde F\u00fcchse ist im l\u00e4ndlichen Raum in der Tat ein Hindernis f\u00fcr eine dauerhafte Entwurmung. Dies gilt aber nicht f\u00fcr eine Gro\u00dfstadt wie M\u00fcnchen, in der die sehr hohe Populationsdichte keine Zuwanderung zul\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p> Im Ergebnis passen diese Aussagen des Gutachters nicht zum verabschiedeten Beschluss. Die wesentlichen \u00dcberlegung sind daher doch wohl eher \u00f6konomischer Natur gewesen, im Anbetracht der (noch) geringen F\u00e4lle, so wie es ganz unverbl\u00fcmt in der Stellungnahme des Referats f\u00fcr Gesundheit und Umwelt zum Ausdruck kommt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"858\" height=\"300\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-7-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-235\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-7-1.png 858w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-7-1-300x105.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2020-06-17-7-1-768x269.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Auszug aus der Stellungnahme des RGU; der gesamte Text findet sich <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/6017924.pdf\">hier<\/a>.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Was ergibt sich jetzt aus alledem ? Das Mindeste w\u00e4re ein klarer Auftrag an des RGU die Anzahl der Infektionsf\u00e4lle bei M\u00fcnchnern jedes Jahr an den Stadtrat zu berichten, damit dann jeweils neu dar\u00fcber beschlossen werden kann, ob die obige Abw\u00e4gung noch richtig ist. Und eine gr\u00f6\u00dfere Informationskampagne f\u00fcr alle Eltern \/ Kinderg\u00e4rten sowie die Halter von Hunden und insbesondere Katzen sollte die Einsparung von 300.000 EURO Behandlungskosten pro Infektionsfall und dem damit verbundenen menschlichen Leid schon wert sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Krankheit, die vom Tier auf den Menschen \u00fcbertragen wird. Bei Infektionen ist sie f\u00fcr den Menschen h\u00e4ufig t\u00f6dlich. Die Infektionszahlen in Bayern steigen seit Jahren exponentiell &#8211; allerdings mit einer Verdopplungszeit von 10 Jahren. 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