{"id":2035,"date":"2021-10-06T20:09:41","date_gmt":"2021-10-06T20:09:41","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2035"},"modified":"2021-10-06T20:09:41","modified_gmt":"2021-10-06T20:09:41","slug":"der-neue-klimafahrplan-der-stadtplanung-ein-kleiner-schritt-in-die-richtige-richtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=2035","title":{"rendered":"Der neue Klimafahrplan der Stadtplanung &#8211; ein kleiner Schritt in die richtige Richtung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die ehrgeizigen Ziele der Stadt M\u00fcnchen beim Klimaschutz habe ich <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=1820\">bereits berichtet<\/a>. Bis 2035 will M\u00fcnchen klimaneutral sein. Netto soll ab diesem Zeitpunkt kein CO2 mehr emittiert werden. Das erfordert enorme Anstrengungen auf allen Gebieten der Stadtpolitik. In der heutigen Sitzung der Stadtplanungsausschusses wurde dazu eine <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/6685150.pdf\">Vorlage<\/a> zum &#8222;<em>Klimafahrplan in der Stadtplanung<\/em>&#8220; mit &#8222;<em>Ma\u00dfnahmen in der Stadtentwicklungsplanung, Bebauungsplanung, Wohnungsbauf\u00f6rderung und Stadtsanierung<\/em>&#8220; diskutiert und verabschiedet. Das klingt nicht nur gut, es ist in der Tat ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Allerdings bleibt die Hauptfrage, wie die CO2-Emissionen der bereits vorhandenen Wohnungen in M\u00fcnchen auf Null gebracht werden soll, v\u00f6llig ungekl\u00e4rt.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Folgenden wird der neue Klimafahrplan der Stadtplanungsreferats kurz vorgestellt, bevor anhand einiger Zahlen dargelegt wird, warum der Weg zum klimaneutralen M\u00fcnchen noch sehr sehr weit ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zentrale Aufgabe der Stadtplanung ist die sogenannte <strong>Bauleitplanung<\/strong>. Damit steuert die Verwaltung zusammen mit dem Stadtrat die Baut\u00e4tigkeit in M\u00fcnchen, sowohl auf eigenen Fl\u00e4chen als auch auf Grundst\u00fccken privater Investoren. Dazu dienen Fl\u00e4chennutzungspl\u00e4ne, Aufstellungsbeschl\u00fcsse, st\u00e4dtebauliche Wettbewerbe und Bebauungspl\u00e4ne, in denen festgelegt wird, was wo wie in M\u00fcnchen gebaut werden darf. Gegenstand der Bauleitplanung ist in der Regel ein &#8222;Quartier&#8220;, d.h. ein Teilgebiet eines Stadtviertels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem neuen Klimafahrplan soll der Klimaschutz auf s\u00e4mtlichen Stufen der Planung ber\u00fccksichtigt werden. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-10-06-7-990x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2044\" width=\"743\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-10-06-7-990x1024.png 990w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-10-06-7-290x300.png 290w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-10-06-7-768x795.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-10-06-7.png 1121w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><figcaption> Verankerung des Klimaschutzes in der Bauleitplanung (graue Linien von links nach rechts) <br>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/6685150.pdf\">Vorlage<\/a> des Stadtplanungsreferats) <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne auf die Details einzugehen, kann man sehen, dass die Ber\u00fccksichtigung des Klimaschutzes ebenso wie die Anpassung an den Klimawandel sich ab jetzt durch die gesamte Bauleitplanung zieht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein konkretes Beispiel sind die gestiegenen Anforderungen an Teilnehmer eines st\u00e4dtebaulichen Wettbewerbs. Hier m\u00fcssen ab sofort folgende Aspekte ber\u00fccksichtigt werden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2013 Dachfl\u00e4chenkonzeption (Energie- und Gr\u00fcnkonzept)<br>\u2013 Fl\u00e4chenbereitstellung f\u00fcr dezentrale Energie, W\u00e4rme-\/ K\u00e4lteversorgung<br>\u2013 Energieeffizienz der Geb\u00e4ude<br>\u2013 Konzept zur Durchl\u00fcftung und zu Freihaltezonen (Klimaanpassung)<br>\u2013 Gro\u00dfbaumstandorte<br>\u2013 Konzept zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung<br>\u2013 Fl\u00e4chenbereitstellung f\u00fcr den Umweltverbund, insbesondere f\u00fcr den \u00d6PNV<br>\u2013 Rad- und Fu\u00dfwegekonzept<br>\u2013 Konzept Quartiersgaragen und Fahrradparken<br>\u2013 Konzept zur Reduzierung der \u00f6ffentlichen und privaten Fl\u00e4chen f\u00fcr den motorisierten  Individualverkehr<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch konkreter ist die Anforderung, alle Neubauten auf st\u00e4dtischem Grund als sogenannte <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Effizienzhaus\">KfW Effizienzh\u00e4user 40 (Plus)<\/a><\/strong> zu errichten. Solche Geb\u00e4ude erzeugen durch die integrierte Photovoltaikanlage mehr Energie als sie verbrauchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All das wird beim Wohnungsbau Zeit und Geld kosten. Und genau darum hat sich  die Diskussion im Ausschuss gedreht. Werden die zus\u00e4tzlichen Anforderungen des Klimaschutzes die Fertigstellung der geplanten 8000 neuen Wohnungen pro Jahr verz\u00f6gern und verteuern? Das waren die Bef\u00fcrchtungen von FDP und CSU, die die Vorlage letztlich abgelehnt haben &#8211; allerdings ohne irgendeine Alternative aufzuzeigen, wie der Klimaschutz beim Neubau verwirklicht werden k\u00f6nnte. Auch aus der SPD waren einige Bedenken zu h\u00f6ren, aber man m\u00f6chte es in Anbetracht der Bedeutung des Klimaschutzes zun\u00e4chst mit dem neuen Klimafahrplan versuchen und pr\u00fcfen, ob sich Baugenehmigungen und Fertigstellungen in der Tat sp\u00fcrbar verz\u00f6gern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus meiner Sicht ist auf einen gewissen Gew\u00f6hnungseffekt zu hoffen. Bautr\u00e4ger und Architekten werden sich &#8211; auch mit Hilfe eines geplanten Leitfadens der Stadt &#8211; schnell an die neuen Anforderungen anpassen. Fraglich ist jedoch, ob es der st\u00e4dtischen Verwaltung gelingt, ihre eigenen Pr\u00fcf- und Genehmigungsverfahren in allen beteiligten Referaten so effizient zu gestalten, dass der Klimaschutz den dringend erforderlichen Wohnungsbau nicht ausbremst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In jedem Fall sind die zu erwartenden Wirkungen des heute verabschiedeten Klimafahrplans sehr \u00fcberschaubar. Denn selbst wenn ab sofort jedes Jahr tats\u00e4chlich 8000  klimaneutrale Wohnungen gebaut werden, gibt es einen Bestand von \u00fcber 800.000 (!!) Wohnungen in M\u00fcnchen, die in weiten Teilen alles andere als klimaneutral sind. Ohne zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen w\u00fcrde es 100 Jahre dauern, bis der Anteil der klimaneutralen Neubauten gerade einmal 50% des gesamten Wohnungsbestands erreicht. Es liegt daher auf der Hand, dass die energetische Sanierung des Wohnungsbestandes f\u00fcr das Erreichen der Klimaziele eine viel gr\u00f6\u00dfere Bedeutung hat als der Neubau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Vorlage findet sich dazu eher wenig. Nicht einmal eine klare Perspektive, wie in den verbleibenden 14 Jahren bis 2035 die etwa 67.000 Wohnungen der beiden stadteigenen Wohnungsbaugesellschaften so saniert werden, dass deren CO2-Aussto\u00df drastisch reduziert wird. Beschrieben wird lediglich die exemplarische Sanierung einer Handvoll Quartiere in den letzten Jahren, gefolgt von der Erkenntnis, dass f\u00fcr die angestrebte Klimaneutralit\u00e4t <strong>&#8222;<em>j\u00e4hrlich bis zu 30 weitere Quartierskonzepte entwickelt und in die weitere Umsetzung gef\u00fchrt werden <\/em>[m\u00fcssten]&#8220;<\/strong>. Das erscheint mit den bisherigen Ressourcen kaum vorstellbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heutige Debatte hat gezeigt, dass sich die Stadtr\u00e4tinnen und Stadtr\u00e4te und auch der  Oberb\u00fcrgermeister dieses (Riesen-) Problems durchaus bewusst sind. Von der Leiterin des Stadtplanungsreferats wurde zur Bestandssanierung eine separate Vorlage angek\u00fcndigt. Vielleicht sind dann &#8211; mit dem R\u00fcckenwind der neuen Bundesregierung &#8211; erste Ans\u00e4tze zu erkennen, wie die Stadt M\u00fcnchen den CO2-Aussto\u00df ihres eigenen und des privaten Wohnungsbestand innerhalb von 14 Jahren auf Null bringen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die ehrgeizigen Ziele der Stadt M\u00fcnchen beim Klimaschutz habe ich bereits berichtet. Bis 2035 will M\u00fcnchen klimaneutral sein. Netto soll ab diesem Zeitpunkt kein CO2 mehr emittiert werden. Das erfordert enorme Anstrengungen auf allen Gebieten der Stadtpolitik. 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