{"id":197,"date":"2020-05-28T10:47:02","date_gmt":"2020-05-28T10:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=197"},"modified":"2020-07-02T07:35:47","modified_gmt":"2020-07-02T07:35:47","slug":"der-anfang-vom-anfang-einer-verkehrswende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=197","title":{"rendered":"Der Anfang vom Anfang einer Verkehrswende"},"content":{"rendered":"\n<p>Corona macht es m\u00f6glich. Schneller als noch vor wenigen Tagen gedacht, bringt die neue gr\u00fcn-rote Mehrheit im Stadtrat allererste Ma\u00dfnahmen f\u00fcr eine Verkehrswende in M\u00fcnchen auf den Weg. F\u00fcnf sogenannte &#8222;Pop-up lanes&#8220;, auf deutsch Fahrradspuren, sollen bereits in den n\u00e4chsten Wochen mehr Platz f\u00fcr Radfahrer an besonders wichtigen Stellen in der M\u00fcnchner Innenstadt schaffen &#8211; zun\u00e4chst zeitlich begrenzt bis Ende Oktober. So hat es der Stadtplanungsausschuss gestern beschlossen. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch warum jetzt so schnell? Das erkl\u00e4rt ein Blick in die aktuellen Zahlen zum Verkehr in M\u00fcnchen, die die Verwaltung kurzfristig in einer <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/6020346.pdf\">Vorlage<\/a> zusammengetragen hat und die das dramatisch ge\u00e4nderte Verkehrsverhalten aufgrund der Pandemie zeigen: <\/p>\n\n\n\n<p>Zu normalen Zeiten werden in M\u00fcnchen 1,2 Mio Wege mit dem \u00f6ffentlichen Personennahverkehr (\u00d6PNV) zur\u00fcckgelegt.  Der Deutsche St\u00e4dtetag sch\u00e4tzt, dass aus Furcht vor Ansteckung Corona zu einem <strong>R\u00fcckgang von ca. 75% in der \u00d6PNV Nutzung<\/strong> gef\u00fchrt hat. Das bedeutet f\u00fcr M\u00fcnchen eine Verlagerung von 900.000 Wegen pro Tag auf andere Verkehrsmittel, wobei gesch\u00e4tzt wird, dass sich die Verlagerung etwa h\u00e4lftig auf den Autoverkehr und auf das Fahrrad verteilt. F\u00fcr M\u00fcnchen sind das 450.000 zus\u00e4tzliche Wege, die mit dem Fahrad zur\u00fcckgelegt werden, zus\u00e4tzlich zu den 900.000 Wegen zu normalen Zeiten. Das w\u00e4re eine Steigerung um ca. 50% (!) &#8211; \u00e4hnlich der aktuellen Entwicklung in anderen europ\u00e4ischen Gro\u00dfst\u00e4dten wie Paris, Br\u00fcssel oder London.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz so stark ist der tats\u00e4chliche Anstieg in M\u00fcnchen wohl nicht, da Homeoffice und die Aufforderung, zu Hause zu bleiben, die Mobilit\u00e4t insgesamt reduziert haben. Z\u00e4hlungen f\u00fcr den April zeigen aber eine <strong>Zunahme von immerhin 20%<\/strong>. Selbst wenn die Infektionszahlen inzwischen stark r\u00fcckl\u00e4ufig sind, ist &#8211; auch in Anbetracht des nahenden Sommers &#8211; nicht davon auszugehen, dass der Radverkehr in den n\u00e4chsten Monaten wieder auf ein Vor-Corona Niveau absinkt. Es liegt auf der Hand, dass die ohnehin unzureichende Radinfrastruktur in M\u00fcnchen diesem Ansturm nicht gewachsen ist. Best\u00e4tigt wird dies durch steigende Unfallzahlen (+15%).<\/p>\n\n\n\n<p>Solange der \u00d6PNV nur wenig benutzt wird, ist allerdings auch eine Steigerung des relativen Anteils des Autoverkehrs an den Wegen der M\u00fcnchner (und insbesondere der Pendler) zu erwarten. Ob es damit trotz Homeoffice etc. auch zu absolut steigenden Zahlen des Autoverkehrs kommt, war der Vorlage leider nicht zu entnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die konkret geplanten Ma\u00dfnahmen der Verwaltung sind anschaulich in <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/6020356.pdf\">f\u00fcnf Steckbriefen<\/a> zusammengefasst. Hier zum Beispiel die Pl\u00e4ne f\u00fcr die Rosenheimerstra\u00dfe zwischen Orleansplatz und Rosenheimerplatz:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"674\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-28-1024x674.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-199\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-28-1024x674.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-28-300x197.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-28-768x505.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-28.png 1081w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In beiden Richtung wird der Stra\u00dfenraum neu aufgeteilt und der Radverkehr erh\u00e4lt eine eigene Spur. Bislang gab es auf dieser Hauptverkehrsachse \u00fcberhaupt keinen Radweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Diskussion der Vorlage im Stadtplanungsausschuss folgte den vorhersehbaren Frontlinien. Auf der einen Seite Gr\u00fcne und SPD (die mit ihren neuen Stadtr\u00e4ten seit der Wahl deutlich mehr an Schubkraft und Kompetenz im Bereich Verkehr gewonnen hat) und auf der anderen Seite CSU und FDP, die sich unterschiedslos gegen jede der vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung des Radverkehrs ausgesprochen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zentrales Argument der CSU und der FDP ist die &#8222;fehlende B\u00fcrgerbeteiligung&#8220;, wenn diese \u00c4nderungen innerhalb weniger Wochen umgesetzt werden. Negative Folgen f\u00fcr Anwohner und Gewerbetreibende blieben dabei wie bereits beim Radweg in der Fraunhoferstra\u00dfe unber\u00fccksichtigt. <\/p>\n\n\n\n<p>So b\u00fcrgernah das auch klingt, \u00fcberzeugend finde ich es nicht. Zum einen hat der Oberb\u00fcrgermeister in der Debatte zu Recht darauf hingewiesen, dass keine der f\u00fcnf neuen Fahrradspuren zu einem Verlust an Parkpl\u00e4tzen f\u00fchren wird und sich damit sowohl f\u00fcr die Anwohner als auch beim Lieferverkehr von Gewerbetreibenden &#8211; anders als in der Fraunhoferstra\u00dfe &#8211; nichts Wesentliches \u00e4ndern wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum anderen ist beispielsweise der oben gezeigte Radweg in der Rosenheimerstra\u00dfe schon deutlich l\u00e4nger in der Diskussion. Von den Gr\u00fcnen wurde daher zutreffend daran erinnert, dass jedenfalls der zust\u00e4ndige Bezirksausschuss sich schon damit besch\u00e4ftigt hat und einstimmig, d.h. sogar mit den Stimmen der CDU und der FDP, dem dargestellten Vorschlag f\u00fcr die Fahrradspur zugestimmt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das pauschale Argument der fehlenden B\u00fcrgerbeteiligung wirkt daher doch etwas vorgeschoben. Das Ziel ist wohl eher, den Ist-Zustand \u00fcber Corona und den Sommer hinweg zu retten, in der Hoffnung dass der Druck durch die vielen Radler dann wieder abgenommen hat oder sich bis dahin irgendein neues Argument finden l\u00e4sst, damit es  alles so (autofreundlich) bleibt, <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=164\">wie es seit Jahrzehnten ist<\/a>. Die neue Stadtratsmehrheit hat sich gl\u00fccklicherweise davon nicht abhalten lassen und die Vorlage verabschiedet. Das l\u00e4sst Hoffnung aufkommen, dass die Neuverteilung des Stra\u00dfenraumes in M\u00fcnchen, f\u00fcr die die neue Rathauskoalition unter anderem gew\u00e4hlt worden ist, nunmehr mit Schwung in Angriff genommen wird. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Corona macht es m\u00f6glich. Schneller als noch vor wenigen Tagen gedacht, bringt die neue gr\u00fcn-rote Mehrheit im Stadtrat allererste Ma\u00dfnahmen f\u00fcr eine Verkehrswende in M\u00fcnchen auf den Weg. 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