{"id":176,"date":"2020-05-26T16:30:16","date_gmt":"2020-05-26T16:30:16","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=176"},"modified":"2020-07-07T12:36:58","modified_gmt":"2020-07-07T12:36:58","slug":"corona-und-die-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=176","title":{"rendered":"Corona und die Folgen (I)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die medizinischen Folgen der Pandemie hat die Stadt M\u00fcnchen bislang gut im Griff. Schaut man auf die t\u00e4glichen <a href=\"https:\/\/www.muenchen.de\/rathaus\/Stadtinfos\/Coronavirus-Fallzahlen.html\">Zahlen<\/a>, kann man sich am R\u00fcckgang der Belegung von Intensivbetten aber auch der geringeren Anzahlen an Neuinfizierten erfreuen. Manchmal sind das nur noch einstellige Werte pro Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz anders sieht es mit den wirtschaftlichen Folgen aus, wie in der heutigen Sitzung des Ausschusses f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft zu erfahren war. Die  Hotellerie, der Einzelhandel, die Gastronomie und die Betreiber von Clubs o.\u00e4. stehen vor riesigen Problemen. Vier Verbandsvertreter \u00e4u\u00dferten in der Sitzung zwar ihren Dank f\u00fcr die Hilfen von Bund und Land sowie die schnelle Bearbeitung der 70.000 Antr\u00e4ge durch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Aber dennoch sind die weiteren Aussichten katastrophal:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Im Hotelgewerbe liegen die Buchungen f\u00fcr die Zeit nach der angek\u00fcndigten \u00d6ffnung ab dem 30. Mai vielfach bei Null. Anders als auf dem Land, wo die Nachfrage inzwischen wieder angezogen hat, gibt es noch kein Erwachen des St\u00e4dtetourismus in M\u00fcnchen. Da ist zum einen die Angst vor Ansteckung in einer dicht bev\u00f6lkerten Gro\u00dfstadt und zum anderen ein Kulturleben, das nahezu vollst\u00e4ndig am Boden liegt. Das motiviert niemanden, ein paar Tage in M\u00fcnchen zu verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Die Restaurants der Stadt sind zwar wieder offen, aber die bestehenden Einschr\u00e4nkungen und die Zur\u00fcckhaltung der G\u00e4ste erlaubt keinen kostendeckenden Betrieb. Erste Pleiten sind bereits zu vermelden, beispielsweise des Restaurants im Gasteig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Gleiches gilt f\u00fcr die Gesch\u00e4fte des Einzelhandels. Selbst wenn die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone in den letzten Tagen wieder gut besucht erschien, tr\u00fcgt der Schein. Wenn nur ein Kunde pro 20 qm Verkaufsfl\u00e4che erlaubt ist, sind im Innern der L\u00e4den kaum Menschen. Gewinnbringende Ums\u00e4tze lassen sich damit nicht erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; V\u00f6llig hoffnungslos ist die Lage der Clubbetreiber. Hier fehlt es an jeglicher Perspektive. Der Vortrag des Verbandsvertreters ersch\u00f6pfte sich notgedrungen  in der Bitte, die Stadt m\u00f6ge die Pacht f\u00fcr die R\u00e4umlichkeiten der Clubs \u00fcbernehmen und vielleicht den ein oder anderen Raum selbst f\u00fcr Sitzungen oder als Lagerhalle nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SPD und Gr\u00fcne haben daher einen <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/ANTRAG\/6023255.pdf\">Dringlichkeitsantrag<\/a> eingebracht unter dem Titel &#8222;Sommer in der Stadt plus&#8220;. Damit soll den vielen M\u00fcnchnern, die dieses Jahr den Sommer in der Stadt verbringen, ein attraktives Kulturangebot gemacht werden und gleichzeitig der lokalen Wirtschaft Kunden zugef\u00fchrt werden. Das Referat f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft hat darauf mit einer umfangreichen Vorlage reagiert, die Pl\u00e4ne f\u00fcr das weitere Stadtmarketing aufzeigt. In insgesamt vier Phasen soll der St\u00e4dtetourismus in M\u00fcnchen wieder angekurbelt werden, zun\u00e4chst regional, dann im deutschsprachigen Raum und schlie\u00dflich im \u00fcbrigen Europa und weltweit. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl die Vorschl\u00e4ge aus dem Stadtrat als auch aus der Verwaltung erscheinen mir sinnvoll und richtig. Und dennoch wird sich ein Erfolg nur dann einstellen, wenn etwas ganz anderes dazukommt: Eine bessere Stimmung. Daran fehlt es leider und die Kommunikation der meisten Entscheidungstr\u00e4ger in Bund und Land sowie mancher Medien tr\u00e4gt tatkr\u00e4ftig dazu bei, dass sich daran bislang  nichts \u00e4ndert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn beispielsweise Markus S\u00f6der gestern unver\u00e4ndert vom &#8222;d\u00fcnnen Eis&#8220; spricht, auf dem wir uns bewegen und seit Wochen gebetsm\u00fchlenartig vor der  &#8222;zweiten Welle&#8220; warnt, kann keine Freude und schon gar keine Konsumstimmung aufkommen. Mit den epidemiologischen Fakten hat dieser  Daueralarmismus allerdings nichts zu tun. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Zum &#8222;d\u00fcnnen Eis&#8220; oder der &#8222;zerbrechlichen Situation&#8220;: Diese Formulierung stammt aus einer Pressekonferenz der Kanzlerin von <strong>Mitte April<\/strong>. Damals sah laut Robert-Koch-Institut (RKI) die Entwicklung der bundesweiten Infektionszahlen so aus:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"991\" height=\"474\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-1-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-182\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-1-1.png 991w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-1-1-300x143.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-1-1-768x367.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Infektionszahlen am 15. April; Quelle: Robert-Koch-Institut<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die t\u00e4glichen Neuinfektionen waren bereits seit dem 20. M\u00e4rz r\u00fcckl\u00e4ufig, lagen aber immer noch bei \u00fcber <strong>3000 Erkrankten pro Tag<\/strong>. Da war die Formulierung der Kanzlerin sicher richtig, denn w\u00e4re die Anzahl der Erkrankten pro Tag wieder gestiegen, w\u00e4re das Gesundheitssystem schnell \u00fcberfordert gewesen. In der Tat, das Eis war d\u00fcnn und die Lage zerbrechlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und heute, sechs Wochen sp\u00e4ter ? Ein Blick in die gleiche Statistik des RKI zeigt Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"924\" height=\"500\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-3-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-183\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-3-1.png 924w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-3-1-300x162.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-3-1-768x416.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption><em>Infektionszahlen am 25. Mai; Quelle: Robert-Koch-Institut<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen sind massiv gesunken auf ca. <strong>500 Erkrankte pro Tag<\/strong>. Das Eis ist also inzwischen dicker geworden, so etwa um einen <strong>Faktor sechs (!)<\/strong>. Die gleiche Wortwahl f\u00fcr den jetzigen Zustand wie Mitte April zu verwenden, kann nicht richtig sein. Anders ausgedr\u00fcckt stellt sich die Frage, ab welcher Zahl Neuinfizierter denn das Eis dick genug sein soll, damit der offizielle Daueralarmismus ein Ende hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Die ber\u00fchmte zweite Welle. Ja, ich glaube auch, dass sie kommen kann. Man hat das bei anderen Pandemien gesehen. Wahrscheinlich tritt sie jedoch erst im Herbst oder Winter auf, wenn die niedrigen Temperaturen die Ausbreitung des Virus beg\u00fcnstigen. Im schlimmsten Fall ist dann sogar ein erneuter Lockdown f\u00fcr einige Wochen erforderlich. Auch das war bei anderen Pandemien so und w\u00e4re nicht das Ende der Welt. Deshalb jetzt die n\u00e4chsten vier Monate dauerhaft zu verzweifeln anstatt den Sommer in M\u00fcnchen zu genie\u00dfen, kann kein sinnvoller Ansatz sein. Es wird an der Frage, ob die zweite Welle im Herbst tats\u00e4chlich kommt, auch nichts \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hotels, Restaurants und dem Einzelhandel in M\u00fcnchen w\u00e4re viel geholfen, wenn das Narrativ aus der Landes- und Bundespolitik sich endlich einmal in eine positive Richtung ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Soweit erkennbar liegt das Schlimmste erst einmal hinter uns. Das w\u00e4re doch ein Grund zum Feiern &#8211; nat\u00fcrlich unter Beachtung aller Hygieneregeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und auch bei den <strong>getroffenen Ma\u00dfnahmen<\/strong> sind aus meiner Sicht einige \u00c4nderungen angebracht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Das <strong>Tragen einer Maske<\/strong> ist immer dort sinnvoll, wo der notwendige Abstand nicht eingehalten werden kann. Es lohnt sich dazu einmal den Blick \u00fcber den Tellerand des Freistaats bis in die Schweiz zu richten. Dort gibt es keine Maskenpflicht, aber die klare <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/aenderungen-ab-11-mai-im-oev-mehr-masken-mehr-zuege-das-ist-das-schutzkonzept-der-sbb\">Anweisung eine Maske zu benutzen<\/a>, wenn beispielsweise in einem vollen Zug ein ausreichender Abstand nicht eingehalten werden kann. Aber eben auch nur dann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So k\u00f6nnte man es auch hier handhaben, ohne dass die Fallzahlen explodieren. Denn die Schweiz hat &#8211; ohne eine Maskenpflicht &#8211; ihre anfangs sehr hohen Infektionszahlen trotz inzwischen wieder ge\u00f6ffneter Restaurants und Hotels dauerhaft erfolgreich gesenkt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"679\" height=\"333\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-181\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-7.png 679w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-26-7-300x147.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px\" \/><figcaption>Entwicklung der Neuinfizierten in der Schweiz; Quelle: Johns Hopkins University<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich ist das Ansteckungsrisiko geringer, wenn alle eine Maske tragen, am besten immer, jedenfalls sobald sie die eigenen vier W\u00e4nde verlassen. Nur wird damit auch jeder Anschein von Normalit\u00e4t verhindert, sodass Hotels, Restaurants und Einzelhandel nicht auf die F\u00fc\u00dfe kommen. Man geht nicht gerne reisen und shoppen, wenn man st\u00e4ndig durch vermummte Mitmenschen an die Pandemie erinnert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Auch die <strong>Begrenzung, dass nur ein Kunde pro 20 qm einen Laden betreten darf<\/strong>, ist aus meiner Sicht inzwischen zu streng. Geht man f\u00fcr jeden Kunden von einem Kreis mit einem Durchmesser von 4m aus, um hinreichend Abstand zu halten, w\u00e4ren auch 13 qm vollkommen ausreichend. Dann w\u00e4ren aber schon wieder 50% mehr Kunden in einem Laden m\u00f6glich! Anders als bei der Hotellerie oder Restaurants wirken Einschr\u00e4nkungen, die den Einzelhandel behindern, nicht nur kurzfristig, sondern beschleunigen die Abwanderung der Kunden zu Amazon &amp; Co ohne Aussicht auf R\u00fcckkehr. Die Folgen f\u00fcr das Aufkommen der Gewerbesteuer in M\u00fcnchen sind nachhaltig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend noch Folgendes. In der heutigen Ausschusssitzung im Gro\u00dfen Saal des Rathauses wurden die Abst\u00e4nde zwischen den Stadtr\u00e4ten im Allgemeinen eingehalten. Nur hatte w\u00e4hrend der Sitzung fast kein Stadtrat eine Maske auf und auch sicher keine 20 qm Grundfl\u00e4che zur Verf\u00fcgung. Und das war gut so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die medizinischen Folgen der Pandemie hat die Stadt M\u00fcnchen bislang gut im Griff. Schaut man auf die t\u00e4glichen Zahlen, kann man sich am R\u00fcckgang der Belegung von Intensivbetten aber auch der geringeren Anzahlen an Neuinfizierten erfreuen. Manchmal sind das nur noch einstellige Werte pro Tag. 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