{"id":164,"date":"2020-05-24T12:34:16","date_gmt":"2020-05-24T12:34:16","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=164"},"modified":"2020-05-24T12:42:45","modified_gmt":"2020-05-24T12:42:45","slug":"der-lange-weg-zur-verkehrswende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=164","title":{"rendered":"Der lange Weg zur Verkehrswende"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Stadtplanungsausschuss hat sich am vergangenen Mittwoch nicht nur mit dem <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=159\">Wohnungsbau in M\u00fcnchen<\/a> befasst, sondern auch mit dem Dauerthema Verkehr. Gegenstand der Beratung war die Vorstellung des Berichts \u00fcber den KFZ-Bestand in M\u00fcnchen, den das Statistische Amt der Stadt j\u00e4hrlich erhebt. Vorgestellt wurde die Entwicklung im Zeitraum 2015 &#8211; 2018. Der vollst\u00e4ndige Bericht findet sich <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/5999368.pdf\">hier.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kurzzusammenfassung lautet, dass der KFZ-Bestand im Verh\u00e4ltnis zur Bev\u00f6lkerung im Wesentlichen gleich geblieben ist. Der in einigen Medien verk\u00fcndete Trend, dass junge Leute in gro\u00dfen St\u00e4dten auf ein eigenes Auto zunehmend verzichten, ist jedenfalls f\u00fcr M\u00fcnchen nicht erkennbar, nicht einmal f\u00fcr die Bewohner in der Altstadt oder innerhalb des Mittleren Rings. Darauf wurde in der Sitzung von der neuen Stadtratsminderheit aus CSU und FDP zu Recht deutlich hingewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorgelegten Zahlen sind in der Tat entt\u00e4uschend f\u00fcr alle, die auf einen schnelleren Bewusstseinswandel gesetzt haben. Zwar kann man, wie von einigen Stadtr\u00e4ten der SPD und den Gr\u00fcnen versucht, feinsinnige Unterscheidungen anstellen zwischen dem Besitz eines Autos und seiner Benutzung. Letztlich f\u00fchrt jedoch kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass ein gro\u00dfer Teil der 1,5 Mio M\u00fcnchner mit ihren \u00fcber 800.000 Autos bislang f\u00fcr sich selbst noch keine rechte Verkehrswende vollzogen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt ist aber auch die Antwort aus den Reihen der Gr\u00fcnen Stadtratsfraktion richtig, dass der Ausgang der Kommunalwahl als ein klarer Auftrag zu verstehen ist, die Verkehrswende in M\u00fcnchen nach Jahren des Stillstandes nunmehr energisch in Angriff zu nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich war der Bericht Anlass, ein paar \u00dcberlegungen anzustellen, wie die Verkehrswende in anderen St\u00e4dten gelungen ist und insbesondere welche Zeitr\u00e4ume daf\u00fcr erforderlich sind. Zwei Schaubilder habe ich dazu gefunden, jeweils zu den Ver\u00e4nderungen in Wien und in Amsterdam. Beides sind St\u00e4dte \u00e4hnlicher Gr\u00f6\u00dfe wie M\u00fcnchen und k\u00f6nnen daher als Anschauungsobjekte dienen, auch wenn die Ans\u00e4tze in der Verkehrspolitik v\u00f6llig unterschiedlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zeitliche Entwicklung (Daten bis 2014, danach extrapoliert) in Wien sieht so aus:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"972\" height=\"730\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-24-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-168\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-24-3.png 972w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-24-3-300x225.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-24-3-768x577.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die erfolgreich vollzogene Verkehrswende ist unverkennbar. Bereits seit 1980 ist der Anteil des Autoverkehrs in Wien r\u00fcckl\u00e4ufig, auf etwa 40% im Jahr 1993 und etwa 28% im Jahr 2014. Gleichzeitig steigt der Anteil des \u00d6PNV (in \u00d6sterreich liebevoll &#8222;\u00d6ffis&#8220; genannt) von  unter 25% auf 39% im Jahr 2014 an. Der Radverkehr kommt allerdings kaum voran und liegt mit 7% weit abgeschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man die Zeitachse, sieht man jedoch, dass selbst in Wien die prozentualen Verschiebungen innerhalb von 6 Jahren ( = Dauer der Wahlperiode des M\u00fcnchner Stadtrats) nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen. Mit anderen Worten ist die Verkehrswende in Wien wohl nur deshalb gelungen, weil es \u00fcber Jahrzehnte hinweg Konsens des sozialdemokratisch dominierten Magistrats gewesen ist, eine Verkehrspolitik weg vom Auto hin zum \u00d6PNV zu verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den ganz anderen Verlauf der Verkehrswende in Amsterdam zeigt dieses Bild:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-166\" width=\"630\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-10.png 825w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-10-300x242.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-10-768x619.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><figcaption>Entwicklung des Anteils verschiedener Verkehrstr\u00e4ger in Amsterdam. Quelle: www.ams-institute.org<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Daraus lassen sich neben der Binsenweisheit, dass Amsterdam eine der Hauptst\u00e4dte des Radfahrens ist, ebenfalls einige interessante Schlussfolgerungen ziehen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Auch hier geht nichts \u00fcber Nacht. Der starke R\u00fcckgang des Autoverkehrs von 520.000 Fahrten pro Werktag im Jahr 1990 auf 280.000 Fahrten im Jahr 2010 setzt erst ab 1995 ein. Es braucht offensichtlich einige Jahre einer konsequenten F\u00f6rderung des Radverkehrs, bevor die Bev\u00f6lkerung diese Mobilit\u00e4tsalternative wirklich annimmt. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Auch die Nutzung des \u00f6ffentlichem Nahverkehrs ist in Amsterdam r\u00fcckl\u00e4ufig, von 368.000 Fahrten pro Werktag auf 244.000 Fahrten. Das finde ich \u00fcberraschend. Offensichtlich ist auch hier ein Umstieg hin auf das Rad erfolgt. Ohne die Details in Amsterdam zu kennen, l\u00e4sst sich jedenfalls vermuten, dass die Stadt dadurch viel Geld gespart hat, denn \u00f6ffentlicher Nahverkehr war noch nie kostendeckend. <\/p>\n\n\n\n<p>Interessanterweise f\u00fchrt eine erfolgreiche Verkehrswende &#8211; am Ende &#8211; auch zu einem geringeren KFZ-Bestand. F\u00fcr Amsterdam findet man dazu folgende Zahlenentwicklung:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/assets.amsterdam.nl\/publish\/pages\/905215\/atb_2019.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"646\" height=\"247\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-24-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-167\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-24-1.png 646w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2020-05-24-1-300x115.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 646px) 100vw, 646px\" \/><\/a><figcaption>Anteil der Amsterdamer Bev\u00f6lkerung \u00fcber 18 Jahre, die mindestens ein Auto besitzen. <br>Quelle: Amsterdamse Thermometer Bereikbaarheid<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und damit schlie\u00dft sich der Kreis zu den aktuellen Beratungen im Stadtplanungsausschuss zum KFZ-Bestand in M\u00fcnchen. Die wahre Aussage des Berichts zum KFZ-Bestand ist ganz einfach. Sie zeigt, dass wir im Vergleich mit Wien und Amsterdam 30 Jahre (!!)  zur\u00fcckliegen und die Verkehrswende bislang einfach verschlafen haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Stadtplanungsausschuss hat sich am vergangenen Mittwoch nicht nur mit dem Wohnungsbau in M\u00fcnchen befasst, sondern auch mit dem Dauerthema Verkehr. Gegenstand der Beratung war die Vorstellung des Berichts \u00fcber den KFZ-Bestand in M\u00fcnchen, den das Statistische Amt der Stadt j\u00e4hrlich erhebt. Vorgestellt wurde die Entwicklung im Zeitraum 2015 &#8211; 2018. 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