{"id":1161,"date":"2021-03-24T14:52:32","date_gmt":"2021-03-24T14:52:32","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=1161"},"modified":"2021-03-24T15:05:36","modified_gmt":"2021-03-24T15:05:36","slug":"corona-und-die-kriminalitaet-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=1161","title":{"rendered":"Corona und die Kriminalit\u00e4t in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer diesen Seiten schon etwas l\u00e4nger folgt, wird sich vielleicht an einen <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=214\">Bericht zum Sicherheitsreport 2019<\/a> erinnern. Die damaligen \u00dcberlegungen zur guten Sicherheitslage in M\u00fcnchen gelten &#8211; jedenfalls auf den ersten Blick &#8211; auch f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.ris-muenchen.de\/RII\/RII\/DOK\/SITZUNGSVORLAGE\/6520477.pdf\">Sicherheitsreport 2020<\/a>, der gestern im Kreisverwaltungsausschuss vorgestellt worden ist. Man sieht auch, dass die zahlreichen Corona-Ma\u00dfnahmen wenigstens einen Vorteil haben: Die Sicherheitslage ist 2020 in vielen Bereichen noch besser geworden. Auf den Punkt gebracht kann man das am Schusswaffengebrauch der M\u00fcnchner Polizei ablesen:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image0-3.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1197\" width=\"384\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image0-3.jpeg 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/image0-3-300x165.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00e4me ein Polizist aus Chicago nach M\u00fcnchen, w\u00fcrde er vermutlich nach wenigen Wochen aus Langeweile seinen Job aufgeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein genauerer Blick auf das umfangreiche Zahlenwerk des Sicherheitsreports 2020 zeigt jedoch einige Verschiebungen in den Statistiken und auch beunruhigende Entwicklungen. Denn wie im Einzelhandel f\u00fchrt Corona zu einer Art &#8222;Strukturwandel&#8220; der Kriminalit\u00e4t, der im Folgenden kurz beleuchtet werden soll:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Diebstahl<\/strong> ist in Zeiten des \u00fcberall geltenden Abstandsgebots und der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen offensichtlich viel schwieriger geworden. So sind beispielweise Taschendiebst\u00e4hle im \u00d6PNV um fast 25 % zur\u00fcckgegangen. Kein Wunder, wenn es keine vollen U-, S- oder Stra\u00dfenbahnen mehr gibt und bereits das Eindringen in den pers\u00f6nlichen  Corona-Umkreis mit einem Radius von 1,5m als Bedrohung empfunden wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Anzahl der <strong>Wohnungseinbr\u00fcche<\/strong> hat im vergangenen Jahr weiter deutlich abgenommen. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1168\" width=\"292\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23.png 583w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-300x207.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><figcaption>R\u00fcckgang der Wohnungseinbr\u00fcche in M\u00fcnchen <br>seit dem H\u00f6hepunkt in 2016. Im 2020 noch einmal um mehr als 10%.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Reise- und Ausgangsbeschr\u00e4nkungen mit andauerndem Homeoffice muss ein Einbrecher fast immer damit rechnen, Bewohner der Wohnung oder des Hauses anzutreffen. Das schreckt ab. Zudem ist der &#8222;Bandentourismus&#8220; von zumeist osteurop\u00e4ischen Einbrecherbanden durch die Grenzschlie\u00dfungen eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite ist der Bereich der <strong>Computerkriminalit\u00e4t<\/strong> stark angestiegen:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-1-767x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1170\" width=\"384\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-1-767x1024.png 767w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-1-225x300.png 225w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-1-768x1025.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-1.png 788w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><figcaption>Entwicklung der Computerkriminalit\u00e4t im Bereich des Polizeipr\u00e4sidiums M\u00fcnchen (Stadt und Landkreis). Man erkennt die sprunghafte Zunahme in 2020.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angriffe auf Computer von M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner erfolgen vielfach aus dem Ausland, wie mit den verschiedenen Farben im Bild oben f\u00fcr die unterschiedlichen Tatorte dargestellt. Den gr\u00f6\u00dften Anteil an der Computerkriminalit\u00e4t hat mit \u00fcber 21% das <strong>Aussp\u00e4hen von Zugangsdaten<\/strong> zur Vorbereitung eines sp\u00e4teren Betrugs &#8211; beispielsweise mit den bekannten Phishing-Emails. Manch einer, der mit wenig Erfahrung und Kenntnissen im Lockdown mit dem Online-Shopping begonnen hat, k\u00f6nnte hier ein Opfer geworden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinem Vortrag vor dem Ausschuss ist der M\u00fcnchner Polizeipr\u00e4sident Thomas Hampel auch auf die Frage eingegangen, ob der Lockdown zu mehr <strong>h\u00e4uslicher Gewalt<\/strong> gef\u00fchrt hat. Der erfasste Anstieg von 2930 auf 3016 F\u00e4lle ist nach Auffassung des Polizeipr\u00e4sidenten innerhalb der &#8222;normalen&#8220; Schwankungsbreite. In der Diskussion wurde von den Ausschussmitgliedern jedoch auf anderslautende Berichte von Opferverb\u00e4nden wie dem Wei\u00dfen Ring hingewiesen und eine hohe Dunkelziffer vermutet.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1173\" width=\"319\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-4.png 637w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-23-4-300x227.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><figcaption>Anzahl der F\u00e4lle h\u00e4uslicher Gewalt in der Polizeistatistik<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus meiner Sicht wird erst der Sicherheitsreport 2021 ein klareres Bild f\u00fcr einen Jahresvergleich liefern, da der weitaus gr\u00f6\u00dfere Teil des immer noch andauernden Lockdowns im laufenden Jahr liegt. Wie bereits in einem <a href=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/?p=1023\">anderen Bericht<\/a> ausgef\u00fchrt, zeigen genauere Zahlen f\u00fcr die einzelnen Monate durchaus eine signifikante Zunahme h\u00e4uslicher Gewalt im Zeitraum des ersten Lockdowns im Fr\u00fchjahr 2020.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erheblich angestiegen sind die Zahlen im Bereich der <strong>Sexualdelikte<\/strong>, allerdings in erster Linie durch verst\u00e4rkte \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit &#8211; #MeToo -, aber auch durch internationale Zusammenarbeit der Polizeibeh\u00f6rden bei der Verfolgung von Kinderpornographie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Schatten auf der ansonsten so guten Sicherheitslage ist die deutliche <strong>Zunahme der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t<\/strong> an beiden Enden des politischen Spektrums.  Ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt, dass rechte und linke Extremisten unterschiedliche Schwerpunkte haben:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"696\" src=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-24-1024x696.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1180\" srcset=\"https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-24-1024x696.png 1024w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-24-300x204.png 300w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-24-768x522.png 768w, https:\/\/stadtratsberichte.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-24.png 1260w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Entwicklung der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t in 2020, aufgeteilt nach Fallgruppen. Die Abk\u00fcrzung &#8222;AQ&#8220; bedeutet Aufkl\u00e4rungsquote. Insgesamt ergibt sich eine <strong>Zunahme der Fallzahlen von fast 50%.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl aus der Tabelle als auch aus zus\u00e4tzlichen Erl\u00e4uterungen im Bericht sieht man, dass rechtsextreme Gewalt h\u00e4ufig zu K\u00f6rperverletzungen f\u00fchrt (57 F\u00e4lle der insgesamt 61 Gewaltdelikte in der Tabelle oben) und hier die Zahlen deutlich gestiegen sind. Gewaltdelikte linksextremer T\u00e4ter sind nur zu einem kleineren Teil K\u00f6rperverletzungen, sondern werden vielfach als gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- oder Luftverkehr klassifiziert. Erschreckend ist auch die hohe Zahl der Sachbesch\u00e4digungen mit einer Steigerung von 30% gegen\u00fcber 2019. Allerdings ist laut Sicherheitsreport der gr\u00f6\u00dfte Teil davon das Aufspr\u00fchen von irgendwelchen Parolen, die nur kleinere Sch\u00e4den verursachen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob die Corona-Pandemie nicht nur in Einzelf\u00e4llen, sondern insgesamt mit dem starken Anstieg der F\u00e4lle politisch motivierter Kriminalit\u00e4t in Zusammenhang steht, ist den Daten leider nicht zu entnehmen und wurde auch im Ausschuss nicht diskutiert. Die Fragen der Stadtr\u00e4tinnen und Stadtr\u00e4te betrafen in erster Linie die in der \u00d6ffentlichkeit viel beachteten Demonstrationen von Gegnern der Corona-Ma\u00dfnahmen. Gefragt wurde insbesondere, ob die Polizei bei zahlreichen Regelverst\u00f6\u00dfen nicht h\u00e4rter einschreiten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus meiner Sicht hat der Polizeipr\u00e4sident dazu sehr abgewogen geantwortet: Bei Versammlungen sind die rechtlichen H\u00fcrden f\u00fcr ein Einschreiten der Polizei vergleichsweise hoch. Ordnungswidrigkeiten durch Versammlungsteilnehmer k\u00f6nnen nicht ohne Weiteres das Beenden einer Versammlung begr\u00fcnden, auch und gerade unter Abw\u00e4gung der Folgen eines gewaltsamen Einschreitens der Polizei. Denn der Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit gilt bei allem \u00c4rger \u00fcber massenhafte Regelverst\u00f6\u00dfe auch hier &#8211; genauso wie bei allen anderen Demonstrationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt erscheint mir beim genaueren Hinschauen das Bild der Sicherheitslage in M\u00fcnchen etwas gemischt. Insbesondere im Bereich der Sexualdelikte aber auch im Bereich der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t werden erhebliche Anstrengungen der Polizei, der Politik und der ganzen Stadtgesellschaft erforderlich sein, um ein weiteres Ansteigen der F\u00e4lle zu verhindern. Wie die Sicherheitslage sich nach dem Ende der Pandemie entwickeln wird, l\u00e4sst sich gegenw\u00e4rtig nicht vorhersehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer diesen Seiten schon etwas l\u00e4nger folgt, wird sich vielleicht an einen Bericht zum Sicherheitsreport 2019 erinnern. Die damaligen \u00dcberlegungen zur guten Sicherheitslage in M\u00fcnchen gelten &#8211; jedenfalls auf den ersten Blick &#8211; auch f\u00fcr den Sicherheitsreport 2020, der gestern im Kreisverwaltungsausschuss vorgestellt worden ist. 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